2014

Ausstellung
Auf den Spuren der Hollandgänger
vom 23.11. bis 29.11.2014


         
 
 
         
         
     
         
         
 

Hollandgang


„Grenzüberschreitendes Arbeiten“!
Ausstellung der Heimatfreunde Neuenhaus! !
Die Geschichte des Hollandgangs ist mit dem!
Grafschafter Grenzgebiet eng verbunden. !
Der Hollandgang war vom 17. bis ins 19. Jahrhundert der
alljährliche Zug zahlreicher Wanderarbeiter aus Norddeutschland, die von sozialer Not getrieben, in die Niederlande gingen, um Arbeit zu suchen.!
Die Hollandgänger waren hauptsächlich Heuerleute, Handwerker, Kötter, Kleinbauern, Bauernknechte und Mägde.!
Die Heimatfreunde Neuenhaus und die Heemnoabers widmen sich diesem Thema. Die alljährlich stattfindende geschichtsbezogene Ausstellung der Heimatfreunde Neuenhaus in den Räumen des Alten Rathauses zur Weihnachtszeit ist in diesem Jahr eingebettet in die Wanderausstellung der „Heemnoabers 99“, einer Vereinigung von Heimatvereinen diesseits und jenseits der
deutsch-holländischen Grenze, zum Thema „Grenzüberschreitendes Arbeiten“. !
Die Heimatfreunde Neuenhaus bearbeiten in diesem
umfangreichen Themengebiet den Blickpunkt „Pickmäijer“.!
Weitere Themen dieser Ausstellung sind Hollandgänger !
als Torfarbeiter, Dienstboten, Tödden, Russlandgänger,
Textilarbeiter, Vechteschiffer und Söldner.!
!
Diese Wanderausstellung wird in Neuenhaus am 21. November um
19 Uhr im Alten Rathaus eröffnet und ist bis zum 14. Dezember
sonntags jeweils von 15 - 18 Uhr zu sehen.!
Zur Eröffnung in Neuenhaus wird der aus Wietmarschen !
stammende und in Greven lebende bekannte Regionalhistoriker
und Heimatforscher Dr. Helmut Lensing!
einen Einblick in dieses Zeitgeschehen geben.

   
         
 

Hollandgang !


Der „Hollandgang“ war vom 17. bis 19. Jahrhundert
der alljährliche Zug zahlreicher Wanderarbeiter
aus Nordwestdeutschland die von sozialer Not getrieben,
in den Niederlanden und insbesondere in
den Provinzen Holland und Friesland
Arbeit suchten. Hauptmerkmal war die
jahreszeitlich beschränkte Saisonarbeit. !
Die Hollandgänger waren hauptsächlich Heuerleute
(Pächter eines kleinen landwirtschaftlichen Anwesens),
Brinksitzer (Kleinstbauern), Kötter (Kleinbauern),
Handwerker, Bauernknechte und Mägde. !
Sie fanden Arbeit als Grasmäher, als Torfgräber und
Gärtner, als Seeleute beim Herings- und Walfang
sowie auf den Handelsschiffen der Vereinigten Ostindischen
Kompagnie (VOC). Im handwerklichen Bereich
gab es Beschäftigung für Ziegler, Stukkateure,
Maurer und Zimmerleute. Andere zogen als Soldaten
in die Niederlande. Frauen fanden Arbeit als
Dienstmädchen oder in den Bleichereien. !
Die Zahl der Hollandgänger wird für den Zeitraum
zwischen 1700 und 1875 auf 20.000 bis 40.000 im
Jahr geschätzt. !
Die Unverheirateten blieben – wie aus holländischen
Kirchenbüchern ersichtlich - nicht selten dauerhaft in
Holland (zwischen 1815 und 1850 ungefähr
140.000) und gründeten hier ihre Familien.

 

Ursachen des Hollandganges !


Ursachen der Arbeiterwanderung waren
mangelnde Nahrungs-, Arbeits- und
Verdienstmöglichkeiten in Nordwestdeutschland. !
Im 17. und 18. Jahrhundert stand dem
wirtschaftlich schwachen,
vom 30jährigen Krieg (1618—1648) über Jahrzehnte
gelähmten Deutschland eines der
reichsten Länder Europas gegenüber.
Ausgedehnter Überseehandel, Schifffahrt und
aufblühende Industrie hatten in den Vereinigten
Niederlanden zu einem Wirtschafts- und
Handelsaufschwung geführt (Goldenes Zeitalter).
Landflucht war die Folge. !
Gleichzeitig entstand in den von der
Landwirtschaft geprägten Provinzen Nordhollands
(vor allem in den neuen Poldern Beemster, Purmer,
Wormer, Schermer und Haarlemermeer),
Friesland und Groningen intensive Viehzucht und
Milchwirtschaft. Die Viehbauern produzierten in
großem Stil Milch, Käse und Butter für den Markt. !
Saisonarbeiter aus dem deutschen Binnenland
(Hollandgänger) glichen den Arbeitskräftemangel
in der Landwirtschaft aus und sicherten ihren
Familien das wirtschaftliche Überleben.

 
         
 

Routen der Hollandgänger !

Die Hollandgänger gingen gemeinsam im Frühjahr aus
ihren Heimatorten zu Fuß auf festen Routen zu
zentralen Treffpunkten.
Die Hauptwanderrouten waren wegen der
ausgedehnten Moorgebiete entlang der deutschniederländischen Grenze genau bekannt.
Eine nördliche Route verlief durch einen engen Korridor zwischen dem Dollart und dem Bourtanger Moor nach Groningen und Westfriesland.
Die Hollandgänger aus dem Niederstift Münster,
Südoldenburg, dem Raum Diepholz, dem Stift
Osnabrück und der Grafschaft Lingen trafen sich an der Emsfähre bei Lingen. !
Der Fährbetrieb erfolgte mit „Pünten“, einer Art
Plattschiff. Bis zur Grenze oder zumindest bis zur
Emsfähre ließen die Hollandgänger
ihr Gepäck (ca. 30 kg) bringen. Manchmal standen bis
zu 900 Gepäckwagen gleichzeitig an der Emsfähre.
1811 wurde die erste Holzbrücke gebaut. !
Hinter der Grenze übergab ein Teil der Hollandgänger
ihr Gepäck den Vechte-Flussschiffern bis in die
Hafenstädte an der Zuidersee.
Die Hollandgänger zogen durch die Grafschaft Bentheim
nach Zwolle oder Kampen. Sie fuhren mit dem Schiff
nach Amsterdam, Nordholland oder Seeland. Von da
aus ging es zu Fuß weiter zu den Bauern. !
Die Grafschafter Grasmäher bevorzugten zunächst
Nordholland, später zogen sie in die fetten
Weidegebiete Frieslands.
!

   
         
 

Die Neuenhauser wollten keine Landstraßen !!

Anfang des 19. Jahrhunderts bestanden die
Verbindungen von Städten, Dörfern und
Landgemeinden in der Grafschaft Bentheim aus
Sandwegen.
1835 war im Amtsbezirk Neuenhaus noch kein Stein für eine befestigte Straße verlegt, denn einflussreiche
Personen sprachen sich gegen eine Chaussierung aus.
Auf der durch Frachtfuhren und Hollandgängern sehr
frequentierten Straße von Lingen über Wietmarschen,
Neuenhaus, Uelsen, Itterbeck zur holländischen Grenze nach Vennebrügge war man etwa 11 Stunden
unterwegs. An acht Stellen gab es Gelegenheit, bei
Gast- und Schenkwirten einzukehren.
Auf Chausseen hätte sich die Reisezeit halbiert, und es wäre somit auch weniger verzehrt worden. !
De inwoners van Neuenhaus wilden geen
landwegen !!
Aan het begin van de 19e eeuw bestonden de
verbindingen tussen steden, dorpen en buurtschappen in de graafschap Bentheim uit zandwegen.
In 1835 was er in het district Neuenhaus nog geen
steen voor een verharde straat gelegd want invloedrijke
personen spraken zich uit tegen een wegverharding.
Op de door vrachtrijders en „Hollandgänger“ intensief
gebruikte weg van Lingen via Wietmarschen,
Neuenhaus, Uelsen, Itterbeck naar de Nederlandse
grens was men 11 uur onderweg. Op acht plaatsen aan die weg bestond de gelegenheid om een herberg of een kroeg aan te doen. Op verharde wegen zou de reistijd halveren en zou er dus ook minder verteerd worden.