Neuenhauser Dichter und Schriftsteller
 
 
Carl Friedrich Brill (1794 - 1887)
 
     
 

Über diesen Autor, dessen beeindruckende Grabstätte sich auf dem historischen Neuenhauser Kommunalfriedhof nahe der Uelsener Straße und der Satingsbaane befindet, liefert Ludwig Sager ein ausführliches Lebensbild (1). Brill, der das hohe Alter von 93 Jahren erreichte, bekleidete im Laufe seines langen Lebens verschiedene Posten im Dienste des Königs von Hannover und des Fürsten zu Bentheim. So war er Fürstlich-Bentheimischer Oberförster und fürstlicher „Hausvogt“. Durch seine vielen Ämter und Aufgaben war er äußerst einflußreich. Sager schreibt über ihn: „Er stand sieben volle Jahrzehnte im öffentlichen Leben unserer Grafschaft, dem er nach allen Seiten hin immer neue Anregungen gab, ein unerschrockener Kämpfer und eine ganze Persönlichkeit“.
Vom König von Hannover wurde er – ungewöhnlich für einen Oberförster -- mit dem Kronenorden und dem Roten-Adler-Orden ausgezeichnet.
Von Carl Friedrich Brill sind einige Aufsätze verfasst worden (2), die sich mit Themen befassen, die ihm – als einem Menschen, der als Politiker und Verwaltungsmann für eine Weiterentwicklung der Grafschaft und für die Interessen seines Fürsten kämpfte – wichtig waren. Sager weist ferner darauf hin, daß ein großer Teil von den „Bergen von Akten, Eingaben und Petitionen“, die im fürstlichen Archiv in Burgsteinfurt im Laufe der Jahrhunderte gesammelt wurden, aus Brills Feder stammt.
Anmerkung:
(1) Siehe: Der Grafschafter, 1964, S. 133. – Wie Sager mitteilt, wohnte Brill in Grasdorf. Es ist zu vermuten, daß sein Haus am Strootgraben stand, ganz in der Nähe des heutigen Kreisverkehrs. Das Grundstück gehört jetzt zum Lidl-Gelände. Ältere Neuenhauser werden sich an ein weiß verputztes Haus erinnern, in dem zuletzt die Familie Blume lebte. Es stand mit der Giebelseite zur Straße hin. In den 1920er Jahren wohnte in dem Haus Erich Pannenborg, der dann nach Veldhausen umzog.

 
     
 
Lüppo Bode (1900 - 1965)
 
     
 
 
     
 

Über diesen Autor heißt es in einem von Dr. Hermann Heddendorp verfaßten Nachruf im Bentheimer Jahrbuch 1967 (S. 4):
Dietrich Lüppo Bodes Wiege stand in Uelsen. Dort wurde er am 2. Juni 1900 als erstes Kind des aus Ostfriesland stammenden Pastors Siegmund Eckhard Bode geboren. Seine Mutter […] war in Wittenberg aufgewachsen. Nach mehreren beruflichen Stationen und der Teilnahme an beiden Weltkriegen war er seit 1954 in Neuenhaus als Vertrauensmann der Hannoverschen Landesanstalt tätig. – Heddendorp fährt fort:
Diese neue Arbeit brachte Lüppo Bode in vielfältige Berührung mit der Bevölkerung der Niedergrafschaft und gab ihm den Anreiz und die Möglichkeit, in der Heimatforschung und -pflege ein lohnendes Betätigungsfeld zu entdecken. Von seinem Haus [1] in Neuenhaus, Lager Straße, aus, das nicht weit von der Stelle im Lager Busch steht, an der einstmals der Hof seiner Urgroßeltern, das Visschersche Gehöft, lag, wirkte er von nun an als begeisterter Pfleger heimatlicher Werte.

Als ehrenamtlicher Beauftragter des Kreises Grafschaft Bentheim war er unermüdlich darauf aus, dem Gedanken des Naturschutzes Geltung zu verschaffen und erhaltenswerte Naturdenkmale ausfindig zu machen und zu schützen. Als Beisitzer im Vorstand des Heimatvereins prägte er zu seinem Teil die Vereinsarbeit mit. Das heimatliche Schrifttum bereicherte er jahrelang mit Arbeiten über die Pflege der Natur. Obwohl seine geschwächte Konstitution ihm immer Sorgen bereitete, ließ er es sich nicht nehmen, seinen Gedanken auch in Vorträgen und auf Exkursionen Ausdruck zu geben. Es ist nicht zuviel gesagt, wenn man ihn einen von Naturliebe besessenen Heimatfreund nennt. Die Grafschaft nahm ihn völlig in ihren Bann. Wenn heute der Gedanke des Naturschutzes in unserer Heimat viele verantwortungsbewußte Menschen erfüllt und wenn bei uns eine Anzahl von Naturdenkmalen ausgewiesen sind, dann ist das die schönste Frucht seiner unaufhörlichen Bemühungen.

(H. Heddendorp in dem erwähnten Nachruf, S. 5)
Veröffentlichungen Lüppo Bodes:
(a) Woor ligg`t an, dat`t Plattproaten minder wott? Der Grafschafter, 1963, Seite 16.
(b) Spitznamen und Beinamen in der Dinkelstadt. DG, 1956, S. 347, und 1957, S. 391.
(c) Van`t Spöken en Besprecken. S. 50. (Hier wird eine Spukgeschichte erzählt.)
(d) Vöör Joahren in`n Hundehook in Uelsen. Der Grafschafter, 1957, S. 403. (Lüppo Bodes Elternhaus, das ev.-reformierte Pastorat, stand im Uelsener Hundehook.)
(e) Ein gutes Sammelergebnis vor 300 Jahren. Der Grafschafter, 1957, S. 443. (In der Grafschaft wurde 1657 für die Kirche in Lardenbach in Oberhessen gesammelt. Die Bentheimer Grafenfamilie hatte nach dort familiäre Beziehungen.)
(f) Zur Geschichte der Kirchenfenster in der reformierten Kirche in Neuenhaus. Der Grafschafter, August 1958, S. 538.
(g) Vertellselties ut de aule Döse. Eulenspiegeleien. Der Grafschafter, Januar 1959, S. 580.
(h) Die Naturschutzgebiete im „Swatten Venn“ in Tinholt. DG, Juni 1959, S. 614.
(i) Van de Jagd en van de Jägers. De Deäre under sick vertellt. DG, Okt. 1959, S. 647.
(j) Naturschutz und Landschaftspflege. Der Grafschafter, April 1960, S. 693.
(k) Bij „de Kracht“ van`t Langeveen. Der Grafschafter, April 1960, S. 698. (Über einen knorrigen Grenzbewohner und seine Lebensweise.)
(l) Wird sich der Goldregenpfeifer bei uns halten? Der Grafschafter, August 1960, S. 725.
(m) Burenfrauen bint knapp. Der Grafschafter, August 1960, S. 727. (Grenzüberschreitende Eheanbahnung)
(n) Landschaftspflege in der Praxis. Der Grafschafter, November 1960, S. 755.
(o) Spöllberg und Neegenbarge gehen in den Besitz des Landkreises Grafschaft über. Der Grafschafter, 1961, S. 804.
(p) Im Revier der letzten Goldregenpfeifer. Läßt sich noch ein Reservat erhalten? Der Grafschafter, 1961, S. 807.
(q) Alte Sitten und Gebräuche in einer Briefmarkenserie. DG, März 1962, S. 881.
(r) Niedersachsentage in Wilhelmshaven. Der Grafschafter, 1963, S. 81.
(s) Unsere plattdeutsche Sprache. Bentheimer Jahrbuch, 1953, S. 141.
(t) Das Problem von Zweeloo. Bentheimer Jahrbuch, 1959, S. 63. (Am Beispiel des Ortes Zweeloo bei Emmen stellt Lüppo Bode hier eine vorbildliche Pflege bäuerlicher Kultur und Landschaft vor. -- Ein Vorbild mit nur minimalen Kritikpunkten.)
(u) Wassermühlen in der Niedergrafschaft. Bentheimer Jahrbuch, 1954, S. 26.
(v) Haltet die Letterdöke in Ehren! Bentheimer Jahrbuch, 1955, S. 140.
(w) Die Fliese, ein altes Kulturgut. Bentheimer Jahrbuch, 1958, S. 124.
(x) Alte und neue Bauernhäuser in der Niedergrafschaft. Bentheimer Jahrbuch, 1964, S. 19.
(y) Frauenarbeit in früheren Zeiten: Das Wäschebleichen in Neuenhaus. Der Grafschafter, 2000, S. 33 f. (Veröffentlicht aus dem Nachlaß, aus Anlaß des 100. Geburtstages von Lüppo Bode.)

Anmerkung:
(1) Lüppo Bode wohnte in dem heutigen Haus Lager Straße 107. Das dicht bei diesem Haus gelegene Wäldchen, über dessen teilweise Abholzung zu Anfang des Jahres 2009 heftig gestritten wurde, bezeichnete man früher als „Bodes Wäldchen“ wie Leonhard Harger mitteilt (vergleiche einen Leserbrief Hargers in den Grafschafter Nachrichten vom 17. März 2009, S. 16).

Harger skizziert in seinem Leserbrief Bodes Lebenslauf, würdigt u.a. seinen Einsatz für den Naturschutz und schlägt vor, das erwähnte Wäldchen in Grundstückskarten etc. offiziell als „Bodes Wäldchen“ zu bezeichnen. Er fände es auch angebracht, dort -- Lüppo Bode zu Ehren -- eine kleine Gedenktafel aufzustellen. Dazu müsse „Bodes Wäldchen“ natürlich – wenn auch in „gelichtetem“ Zustand -- unbedingt erhalten bleiben, meint er. Harger erwähnt -- ohne Quellenanangabe -- einen (oben nicht aufgeführten) Artikel Bodes mit dem Titel „Rund um die Bleeken von Neuenhaus“. Auch über den Egger Riesen habe Bode berichtet.

 
     
 
Carl Ludwig Buch (1753 - 1820)
 
     
 

Dieser Autor kam durch seinen Beruf nach Neuenhaus. Weil er im Verlaufe seines Wirkens dort mit den politischen Gegebenheiten in der Grafschaft sehr unzufrieden wurde und stark mit der Französischen Revolution sympathisierte, wurde er zum Verfasser einer politischen Schmähschrift und später zu einem Diplomaten im Dienste der Franzosen. Im Biographischen Handbuch zur Geschichte der Region Osnabrück (1) wird Buchs ereignisreicher, ja sogar abenteuerlicher Lebenslauf wie folgt skizzier
BUCH , Carl Ludwig, * 1753, General-Landeseinnehmer. -- Buch war der älteste Sohn des bentheimischen Regierungsrats Johann CristophBuch. Er studierte ab 1773 in Göttingen Rechtswissenschaft und wurde 1775 General-Landeseinnehmer [= oberster Steuerbeamter, JGR] der an Hannover verpfändeten Grafschaft Bentheim mit Amtssitz in Neuenhaus. Über Bentheim hinaus wurde er als Verfasser der "Landesbeschwerden" bekannt, einer im Februar 1790 erschienenen anonymen Schrift, die in scharfer Form die hannoversche Verwaltung der Grafschaft Bentheim angriff und persönliche Angriffe gegen den Regierungsrat Hermann Nikolaus Funck enthielt. Nachdem sich seine Urheberschaft herausgestellt hatte, wurde ein Verfahren gegen ihn eingeleitet, das zu seiner Verurteilung zu einer vierjährigen Haftstrafe durch die Juristenfakultät Leipzig im März 1791 führte. Die Gießener Juristenfakultät bestätigte 1794 das Urteil, nachdem zuvor Buchs Berufung beim Reichskammergericht abgelehnt worden war. Im November 1797 schied er, ohne daß das Urteil bisher vollstreckt worden war, eigenmächtig aus dem Amt. Noch 1797 trat er in die Dienste der Batavischen Republik und bemühte sich als deren Gesandter auf dem Kongreß von Rastatt um eine Vereinigung der Grafschaft Bentheim mit der Batavischen Republik. 1811 war er kaiserlicher Prokurator beim Tribunal erster Instanz in Münster. Als Literatur ist angegeben: E. Finkemeyer, Verfassung, Verwaltung und Rechtspflege der Grafschaft Bentheim zur Zeit der hannoverschen Pfandschaft 1753-1804, in: OM [= Osnabrücker Mitteilungen] 75 (1968), S. 1 ff.

Der vollständige Titel von Buchs Schmähschrift lautet: „Die Landesbeschwerden der Reichsgrafschaft Bentheim“. Heute würde man diesen Titel wohl so formulieren: „Die politischen Missstände in der Reichsgrafschaft Bentheim“. Es ist überliefert, daß Buchs Schrift damals auch international großes Aufsehen erregte. Ob und inwieweit Buchs Kritik berechtigt war, darauf kann hier nicht eingegangen werden; ebenfalls nicht auf die Frage, ob es wünschenswert gewesen wäre, daß Buch auf dem Kongreß in Rastatt eine „Vereinigung der Grafschaft Bentheim mit der Batavischen Republik“ erreicht hätte.

Seine Bemühung, die Grafschaft zu einem Teil Hollands zu machen, ist für uns Grafschafter jedenfalls ein hochinteressantes historisches Faktum.

Es darf wohl als sehr ungewöhnlich bezeichnet werden, daß ein kleines Städtchen, wie Neuenhaus es ist, nicht nur einen, sondern sogar zwei politische Schriftsteller von solcher Bedeutung zu seinen „Söhnen“ zählen kann.

Anmerkung:
(1) Bearbeitet von Rainer Hehemann. Bramsche: Rasch-Verlag, 1990, S. 49.

 
     
 
Wilhelm Buddenberg (1914-1992)
 
     
 
 
 

Wilhelm Buddenberg stammte aus Neuenhaus, wo seine Eltern in der Hauptstraße eine Bäckerei betrieben. Er entschied sich für den Beruf des Lehrers, war an verschiedenen Volks­schulen in der Grafschaft tätig und wurde 1955 zum Rektor der Ernst-Moritz-Amdt-Schule in Nordhorn ernannt. 1967 gab er dieses Amt auf, um sich ganz der Politik zu widmen. „Er über­nahm Aufgaben in Stadt und Land, wurde Bürgermeister von Nordhorn, Kreistagsabgeordneter und Landrat, Abgeordneter im Niedersächsischen Landtag" (Nachruf im Bentheimer Jahr­buch, 1993, S. 7).

Schon früh arbeitete Wilhelm Buddenberg im Heimatverein der Grafschaft Bentheim mit, in dessen Vorstand er 1952 gewählt wurde und dessen zweiter Vorsitzender er von 1972 bis zu seinem Tode war.

Wilhelm Buddenberg interessierte sich stark für die Grafschafter Heimatdichtung und die plattdeutsche Sprache. Er war Mitherausgeber des 1989 in der dritten Auflage erschienenen Bandes „Heimatdichtung der Grafschaft Bentheim" und Herausgeber des Bandes „Ut de Putte. Groafschupper Platt föar groot en kläin" (1994), in dem Erzählungen und Gedichte von vier­undzwanzig Grafschafter Autoren gesammelt worden sind.

In den Jahren 1980 bis 1988 veröf­fentlichte er im Selbstverlag sechs schmale Bände, in denen er lustige Ge­schichten in Grafschafter Platt gesam­melt hat. Die Titel dieser Büchlein von jeweils rund fünfzig Seiten lauten zu­meist ähnlich: „Kaalchen un Lieschen" (1980), „Freu di met" (1981), „Freu di noch moal" (1982), „Freu di weär" (1983), „Freu di verdann" (1985), „Freu di altied" (1988). Der Untertitel lautet je­weils: „Pleseärege Geschichten föar jung en ault" (die Bändchen sind erhält­lich im Geschäft Aldekamp in Nord­horn, Bentheimer Straße 32).

Einen weiten Leserkreis erreichte Wil­helm Buddenberg mit der Spalte „Groaf­schupper Platt in't Wochenblatt", die er seit 1983 regelmäßig schrieb. „In schlichten, humorvollen Anekdoten, in kurzen Erzählungen voller Lebensweis­heit und in Kommentaren zum Tages­geschehen wusste er seine Leser­schaft anzusprechen und zu unterhal­ten, verstand es aber auch, eine Bot­schaft zu überbringen" (Zitat aus dem bereits erwähnten Nachruf, S. 8).

Um die Grafschafter Heimatforschung verdient gemacht hat sich Wilhelm Buddenberg auch dadurch, dass im Jahre 1981 auf seine Initiative hin - in Zusammenarbeit mit der Neuenhauser Buchhandlung Hille - eine Neuauflage des seit langem vergriffenen Buches „Jugenderinnerungen eines Grafschaf­ters" (verfasst von dem aus Neuenhaus stammenden Lehrer G. Hehenkamp und 1905 in Meppen erschienen) er­folgte.

 
     
 

Bi'n Dokter
De Frau was bi'n Dokter wesst.
De Mann frogg:
"Wat hef he seggt?"
"Datteg Mark." -
"Nee, ick meene, wat du hat hes."
"Twintig Mark." -
"Wat bis du doch 'ne dumme Frau. Ick meene, wat di fehlt hef." -
"Tien Mark."

Wilhelm Buddenberg

 
     
 

Kompjuter

Dat is 'n heel modern Wort, up Dütsch hett et van Rechner. Et is also 'n Meschientien, woar 'm ock met recken kann.
De Schoolkijner hebbt ock al mangs sönn Kässien. Men ick will hoppen, dat se ock noch Kopprecken leährt, want see hebbt eähren Kopp ja nich bloß doarföar, dat d'r Hoare up wasst. Vull Mäinschen meent, dat denn Kompjuter altied recht hef. Men dat stimmt nich. Mine Nichte hadde mi kottens an't Telefon seggt, ick sull is moal Appenzeller Käse koapen, denn sull besüiners lecker wesen. Ick woll is eärst 'n kläin Stückien probeären un güing in 'nen Laden. De Verkäuferin schneet 'n Stückien of un leggde et up de Woage. Un nu was denn Kompjuter an de Riege. Hee schmeet 'n Zettel­ten ut ower 4,99 Mark. Denn Käse was würklek lecker, dat mock seggen. Wu ick mine Placke Stute met denn Appenzeller att, keek ick tofalleg up dat Zetteltien: 0,128 kg 21,90 DM/kg 4,99 DM. Ick däinke: Wenn een Kilo 21,90 DM kost', dann kost' 100 g 2,19 DM un 200 g 4,38 DM, un ick hebb föar 128 g 4,99 DM befahlt, dat kann nich stimmen. Also: Pepier un' Pottloat nemmen un noarek-ken: 0,128 x 21,90 = 2,82320, also 2,82 DM.

'nen Taschenkompjuter hebb ick ock: Inschalten, de Zahlen intip­pen un up't Knöppien drücken: Tatsächlek 2,82 DM - also 2,17 DM te vull befahlt! De 2,17 Mark makt mi nich arm, men ick bin doch in dat Koaphus goahn un hebb eähr dat Zetteltien wesen. „Das kann doch nicht", meende de freundleke Verkäuferin, „der Computer hat das doch ausgerechnet". Ick dachde, dat de „Computergläubigkeit" vandage doch wal oareg wiet geht, un sä: „Minen Kopp hef 2,82 Mark utreckent un minen kläinen Kompjuter ock." Se woll mi de 2,17 Mark weärge-wen, men dee woll ick nich hebben un sä: „Schniet mi men 'n moj Stück of, un dann recken wie et tehoape ut. Dee 2,17 Mark treck wi dann of." Dat hebb wi soa doan. Denn Kompjuter kump nu noa 'n Kompjuterdokter, denn sali em dat verkeärde Recken wal ofleähren. Denkt is ower disse woahre Geschichte noa un owerprüft is de Kompjuterzettelties. Velicht loahnt et Sick!

Wilhelm Buddenberg

 
     
 
Antonia Drees (1915-1987)
 
     
 

Antonia Drees stammte aus einer alteingesessenen Neuenhauser Familie, die das heutige historische Haus Veldhausener Straße 49 nahe dem Bahnhof bewohnte. Der Vater war Auktionator. Antonia Drees – genannt „Toni Drees“ -- lebte in dem Haus nach dem frühen Tode der Eltern mit ihrer ebenfalls unverheirateten Schwester Elisabeth zusammen, die als Vertreterin für die Landeskreditanstalt arbeitete, während sie selbst beim Telegraphendienst der Post in Nordhorn angestellt war. Antonia Drees schrieb Gedichte, die im Bentheimer Jahrbuch, im „Grafschafter“ und im evangelisch-reformierten Sonntagsblatt Aufnahme fanden. Ich nenne hier nur die folgenden:
„Mein Grafschafter Land“ (Bentheimer Jahrbuch 1985, Seite 252);
„Der Bruder“ (Bentheimer Jahrbuch 1982, Seite 264);
„Holunderbaum“ (Bentheimer Jahrbuch 1986, Seite 158);

 
     
  Holunderbaum
Dort, wo die Ackerfelder zu Ende gehen,
am Wegrand seh ich den Holunderbaum stehn.
Groß seine Krone, an Dolden so reich,
weit leuchtet sein weißes Blütenkleid.
Dein süßer Duft will mich umschmeicheln.
Dein Blütentee, dein Beerensaft, gibt Hilfe mir,
wenn ich krank bin und matt.
Oh, Mutter Erde! Was reichst du mir alles dar?
Du hast Gaben die Fülle, nahm mein Auge es nur war.
Antonia Drees
 
     
 
Willem Elias Hana (1843-1915)
 
     
 

Willem Elias Hana ist geboren 1843 in Neuenhaus als Sohn von Berend Hana und Jacoba Hendrina Caldeweij, gestorben 1915 in Zürich. Was er dort gemacht hat, weiß ich nicht. Er wohnte jedenfalls dort zusammen mit einem Bruder, das kann nur Gerrit Anton Bernhard Hana, geboren 1851 in Neuenhaus, gewesen sein. Die Verwandte, die ihm den Neujahrskuchen geschickt hat, ist möglicherweise Adelaide Anna Hillegonda Keller, deren Mutter eine Schwester von Berend Hana war, also eine Kusine von Willem Elias. Deren Bruder war Weinhändler in Varel, dort hat vielleicht auch seine Schwester gewohnt. Dieser Heimatdichter entstammte einer Neuenhauser Familie von Geschäftsleuten und arbeitete selber in diesem Bereich. Die Hanas waren „Partikuliere“, d.h. „Fluss-Reeder“. Sie ließen Schiffe auf der Vechte und anderen Flüssen fahren und betrieben Handel mit Holland; z.B. sollen sie in großen Mengen holländische Fliesen in die Grafschaft importiert haben. (Vergleiche dazu die beiden unten angegebenen Beiträge von Manfred Kip im „Grafschafter“)

Willem Elias Hana ist vor allem insofern von Bedeutung, als er anscheinend der erste war, der in der Grafschaft Bentheim in Plattdeutsch schrieb – noch vor Harm Bleumer („Up mien Besseva sienen Hof“, erschienen um 1920) und Carl van der Linde, der ab 1911 schrieb und veröffentlichte. (1)

Um die Jahrhunderwende des Jahres 1900 hat Hana in der damaligen Neuenhauser „Zeitung und Anzeigenblatt“ mehrere Gedichte veröffentlicht, darunter am 14. Oktober 1902 eines mit dem Titel „Eerappelrooden“ (= Kartoffelernte). Das Gedicht hat 11 Strophen von ungleicher Länge:

Eerappelrooden

Mij dünkt, segg Jan, 't is hooge Tied,
de Eerpels mött't d'r ut!
De Winterdag is nich mehr wiet
en 't Weer hoult sik noch gut;
blifft noch 'n bettien helder,
dann kummt se dräög in'n Kelder.

Jao jao, meent Rieks, dat is wal wohr,
ik hebb et sölvde dacht;
de Säcke, dee liggt ock al kloar,
en de Sünne, jao, dee lacht.
Begint et eerst te reegen,
löpp 't Wark us harre tegen!

En 's Monnens froh bi Dag en Dou,
et Hölpseel up de Rügge,
met Bessevaar, met Kind en Frou,
in't Körfien Stutenbrügge,
met Sack en Pack, de Piep in Brand:
Sao güng't vergnöögt nao't Eerpelland.

De Sünne scheen, de Greepe blöünk —
up't Böis mött't Wichien sitten,
vull mooje schiere „Witten",
Ruwschellen ock en „Müüse"
(dee stammden noch van Liese).

Nou kiek ees, Rieke, röpp Gait-Jan,
door hesse wat te griepen!
Jungs, Jungs, wat sitt't door wecke an
en alles mooje riepen!
Gut graven en gut messen,
dat giff altied de besten!

Men ock dee Soort! segg Bessevaar,
dat mösse wal bedäinken!
Kump 't een en ander bij mekaar
en will de Heer uns schäinken
up all uns Doon sien Segen —
dann bin wij noojt verlegen.

Presies! meenl Jan, en roode foort,
wij mött't dat nich vergetten!
Van „Magnum bonum" en söck Soort,
door will ik nicks van wetten —
dee butenlandsche Knollen
könnt se van mien Patt hollen!

Och wat, segg Rieke, ould of nij,
wel sali sik dooran stöören?
Wat't beste is, dat holle wij
nao´t Weegen en Probeeren!
Wel altied bliff bij't Oule,
dee kump nich ut de Koule!

De Eerpels rullden over't Sand
as Prumen bij et Schüdden,
en füllden Säcke tot an'n Rand
bij Scheppels vull en Müdden.
De Baas dee was tefreeden
en freev sik ees de Leeden. —

't is Schuf ftied nu. Et Laof-Füür brant,
sao is et Bruuk in unse Land;
want Eerpelroden sunder Füür
is achterup en däögt ginn Sier.
'ne Kipse vull van't nij Gewaß
raakt Jan vöörsichtig in de Aß',
dann noch'n Aarmvull Laof d'r up,
dat Qualm en Raok nao buten krupp.
Et knistert, knastert, dampt en smöölt,
en overall de Flamme wöölt —
up een, door was se booven,
dat Füür en Funken stooven.

Et Füür is ut mekaar nu sackt,
en Janbaas in sien Stööfien packt
een Mäöltien gut, 'ne heele Buule
Eerappels ut de glöin'ge Kuhle;
en wat noch in et Körfien lagg,
haalt Riekemööje vöör den Dag.
Dann ett'se mel Smaak 'n Stückien.
Ock 't Kindtien kreeg, up Moders Schaot.
tot Tiedferdrief 'n Stückien Braot.
Sao satten see 'n Üürtien
pläseerig üm dat Füürtien.
En 's Aovends laat met Sack en Pack
kwamp alles dräöge under Dack.

H„ Zürich, Oktober 1902

Als wir heut zu Haus gekommen,
Haben wir vergnügt vernommen,
Daß man uns aus Jeverland
Eine Trommel hat gesandt!

Allgemein war da die Freude!
Überrascht sehn wir uns beide
Staunend die Bescherung an,
Als das Ding sich aufgethan!

Denn es strömte uns entgegen
Süßer Wohlgeruch von wegen
Des bekannten Leibgericht,
Das so sehr zum Herzen spricht!

Aufgerollte Neujahrskuchen!
Wo soll man sie anders suchen,
Als im lieben Heimathland,
dort, wo unsre Wiege stand?

Neujahrskuchen! Ja, die runden,
die uns allen herrlich munden,
Sie erinnern uns noch heut
An die liebe Jugendzeit!

Neigte sich das Jahr zu Ende,
regten sich viel fleiß’ge Hände,
Holten Butter, Mehl herbei,
Zucker, Zimmet, Salz und Ei.

Und aus diesen Siebensachen
Wußte man den Teig zu machen;
Knetet ihn mit aller Macht,
Daß das Tischbrett stöhnt und kracht!

Auf dem Herde wird indessen
Aufzubauen nicht vergessen
Riesengroß ein Torfgerüst,
Draus sich Höllenglut ergießt!

Über diesem mächt’gen Feuer
Schwebet bald ein Ungeheuer:
Kucheneisen man es nennt,
Das man anderswo nicht kennt.

Ach, in dieser großen Zange
Wird’s dem Kuchen angst und bange;
Hört nur, wie er zischt und schreit,
Bis man endlich ihn befreit!

Wohlgefällig nun die Frauen
Auf das braune Backwerk schauen,
Und die kleine zarte Hand
Rollt es emsig und gewandt.

Kinder sitzen froh im Kreise
Um den Herd und zählen leise
Der geliebten Kuchen Schaar,
Die bestimmt für’s neue Jahr!

Draußen tönen hell die Glocken,
Schwirren dichte Winterflocken,
Decken mit dem weißen Kleid
Nun des Jahres Freud und Leid!

Wächter macht die letzte Runde
Noch zur späten Abendstunde;
Ihn begleiten, wie es Brauch,
„Jungens“ und die „Wichter“ auch.

Jubelnd ziehn sie froh und heiter
Schreiend durch die Straßen weiter,
Und es dringt mit aller Macht
Nun durch die Sylvesternacht:

„Daar koom wij aangetreden,
De klok slaat over tien,
Slaap maar gerust tevreden
Wij zullen wel toezien!“ –

Habet Dank für Eure Güte,
Es behüte
Euch der Himmel immerdar,
Schenke Euch noch manches Jahr!

 

Zürich

26. Sept. 1883

Infos durch Ruth Prinz

 
     
 

Willem Elias Hana lebte zuletzt in Zürich und war einer von sieben „Wohltätern“, d.h. Spendern, des evangelisch-reformierten Krankenhauses in Hilten. (Vergleiche eine marmorne „Ehrentafel der Wohltäter unseres Krankenhauses“, die in der Eingangshalle des Altenheimes „Haus Hilten“ an einer Wand angebracht ist.)


Hana war mit der Neuenhauser Familie Schey verwandt, die das 1895 erbaute villenartige Haus Lager Straße Nr. 37 bewohnte, das an der Vorderfront die Inschrift „Villa zur Heimath“ trägt. In einem Nachlaß aus dieser Familie fand Frau Ruth Prinz ein Gedicht, das Hana „offensichtlich 1883 in Zürich schrieb und das 17 Strophen umfasst. Hana bedankt sich darin ganz herzlich für eine Sendung von Neujahrskuchen, die ihm die Familie Schey in die ferne Schweiz geschickt hatte, und er nimmt dies zum Anlaß, in blumigen Worten die Herstellung, den Duft der Kuchen und die Bräuche, die sich damit verbinden, zu beschreiben. In der vorletzten Strophe zitiert er – in Anführungszeichen gesetzt -- die ersten vier Zeilen des Neuenhauser Wachtliedes.“ (2)

 
     
 
Karoline Harger ( )
 
     
 

Dat Spook van Amsterdam

Ik hebbe altied vull van ounse Groafschupper Platt hollen, en et spiet mi, dat in leste Tied vull Groafschupper meent, et was vöärnahmer, wenn se hochdüts do’t. Aß ick noch jung was, schamde wi ouns, üm up de Stroate düts te proaten, en ik hoppe, dat’t noch weär soa wott. `n Döntien ut de aule Dööse, joa, wu sull’m dat dann vertellen? Ik do’t up Platt. Froger, in de Winterdag, as wi stief van Kaule vant Is kwammen, smeet wi de Kloumpe achterut en sett’n de Fööte up de worme Plate ant Füür. De Noaberkinner kwammen ock mett, en mien Vader sä dann:”Soa, Kinner, nu sa’ck U es’n Döntien vertellen, wat wisse geböärt is”. En he begünn:In Amsterdam was in eene van de mojsten Stroaten `n heel prachtig Hus. Rieke Löö wun’den doar in. Up `nen guden Oawend – de Minheer satt met seine Familie in de Kamer an’n Hook van’n Heärd, de Kalkpiepe smöäkde en de Tee dampde, de antieke Klokke slööt net twalf Uer – ick segge, up den Oawend kwamp d’r `n groot Gebaulter en Gerappel van Kedden van de Trappe. Heel verschrickt lööt’ de Minheer de Piepe ut’n Mound, en de Mefrau dat Teeköppien met Bewen up de Ground fallen. Eene keek den andern benaut in de Oagen.En nu – doar packde well an de Döärenklinke; versichtig schööf sick de Döäre löss, en well kwamm d’r in? Nen groaten Bär kwamm d’r an krupen!„Nu – nu – nu“ brummde he. Nu böärde he sick stäjl up. Va, Mo, Kinner en Deenstvolk, se stöwen alle de Döäre ut: Dat Spook, dat Spook!Joa, dat was verschricklick, en dat slimmste was, den Bär kwamp nu ieder Oawend weär, en de Löö hadd’n gin Röst meär in Hus. Se muß’n dat Hus verhüürn. Men de Hüürlöö blewen d’r ock nich lange wunnen, want se hadden s’nachens gin Röste.

De Borgemester van Amsterdam hadde ock van dat Spook höärt, en he proa’de de met siene Roatsheären ower. Se kreegen’t int Schiere, dat se d’r Soldoaten int Hus leggen woll’n. Dat günk an. Den eärsten Oawend satt d’r nen strammen freeschen Korporoal met seß handfeste Dragoners üm dat Füür in de groote Kamer. Eärst günk’t ant vertellen van eäre Wichter, van Zwantien, Nettje, en Antje – dat Spook hadd’n se hoaste heel vergetten. Doar slöögt twalf Uer, eärst van de Niklaskerk: Bumm, bumm; de Soldoaten wödd’n still. Nu slöög de Oude Kerk, dann de Nieuwe Kerk; joa, twalfmoal. De Soldoaten keeken sick an, aß wull’n se seggen: wat sall d’r nu kommen? De antieke Klocke in de Kamer döäh d’r ock noch tüschen, en se hadde hoast noch nich utsloa’n, doar kwamm d’r weär `n Baultern up de Trappe. Eene van de Jungs wödde al flau en greep sich an sie’n Kameroad. De Döär schööf sick sachte los, doar slöög den tweeden van’n Stohl off.

Men den freeschen Kaperoal was nich mack. He schööf den Bär – de was’t weär - `n Stohl hen en sä: „Goah bi ouns sitten!“ Dat dä den Bär un settde de Fööte up de Planke. Nu nöämp ounse Korperoal de Tange, greep sich doarmet `ne glöinige Kölle en höll se em an de Pooten.„As Du den Düwel bis, moß Du ock Füür verdregen könn’n!“ sä he. Dat pöß dat Spook awer doch nich. Net as’n Mensche de sich brandt heff, tröck den Bär seine Pooten niets trügge. Doar was’t an’n Dag. „De Düwel bisse nich“, sä den Korperoal, „en vöär Spööke bin wi nich bange – Jungs haut to!“ Nu kregen de Sabels Wark, nu günk’t ant Döschen. Den Bär woll noch wall eärst brummen, men sien Brummen wödde gawwe `n Gejammer: „O du leewe Heär. Ick unglückig Bloot, ick bin gin Spook“. – „Men’n versunlik Mäinsche bis Du ock nich“, sä’n de Soldoaten, en’t Döschen günk van nejs weär an. Dat Spook belowde eär `n Fätien Genever, echten Schiedamer, en elke `n Rieksdaler, doar kreeg he eärst Röste. En wel kwamm ut dat Bärenfell utkrupen? Ne aule Jödde ut de Kalwerstroat, de vöär minn Gäild dat Hus koapen wull. Met siene Spökeri wool he eärst dat Hus ut sein Weärt brengen, ümdat d’r dann gin Mäinsche meär in wunnen woll. Wat mien Va is, de heff sick sölws dat Grappien van den Minheer ut Amsterdam vertellen loaten, en de hadde seggt: In’t Bärenfell, doar sall de Jödde wal noit weär inkrupen, üm dat he sick vöär Lüüse nich bargen kann“.

(Karoline Harger)

 
     
 
Gerhard Hehenkamp (1851 - 1910)
 
     
 

Gerhard Hehenkamp ist geboren am 27.03.1851 in Neuenhaus
Dieser Autor, dessen genauer Vorname und Lebensdaten noch zu ermitteln sind, war gebürtiger Neuenhauser und von Beruf Lehrer, und zwar in der Meppener Gegend. Für Grafschafter und vor allem Neuenhauser Bürger ist dieser Heimatschriftsteller interessant, weil er ein kleines Buch mit dem Titel „Jugenderinnerungen eines Grafschafters“ verfasst hat, das im Jahr 1905 beim Verlag Gebrüder Bernsen in Meppen erschienen ist und im Jahre 1981 auf die Initiative Wilhelm Buddenbergs hin eine unveränderte Neuauflage erlebte. Hehenkamp bezweckt mit seinem Büchlein, „Grafschaftern in der Fremde und in der Heimat ihre alten Erinnerungen aufzufrischen und so vielleicht in Mußestunden einen kleinen geistigen Genuß zu verschaffen“, wie er in seiner Vorrede schreibt. Diesem Zweck ist das Buch offensichtlich (jedenfalls bei einer bestimmten Generation von Neuenhausern) gerecht geworden, denn Wilhelm Buddenberg bekennt in seinem Vorwort zu der Neuauflage des Jahres 1981, er besitze es seit seiner Kindheit und habe es „unzählige Male gelesen“.

Etwas verwirrend ist allerdings an diesem Büchlein, dass es über keine differenzierte Gliederung verfügt. Es besteht nämlich im Grunde nur aus zwei Kapiteln: Das erste der beiden (Kapitel A, Seiten 5 bis 47) trägt den Titel: „Einiges aus der Geographie und Geschichte des Kreises Grafschaft Bentheim“; das zweite (Kapitel B, Seite 49 bis 141) hat den Titel „Eigentliche Jugenderinnerungen“. Das Kapitel C (Seite 142 bis 145) enthält nur zwei mehrstrophige Gedichte. Aber auch in die Kapitel A und B sind an verschiedenen Stellen Gedichte eingestreut – und zwar solche, die früher im Volksmund stark verbreitet waren (z.B. die beiden Neuenhauser Wachtlieder und weitere Brauchtumslieder). Die beiden erwähnten Gedichte im Kapitel C sind sicherlich von G. Hehenkamp selber verfasst worden. Es sind Gedichte „mit einer Botschaft“, und sie sind beide in einem kindlich-gefühlvollen Ton geschrieben. Das erste trägt den Titel: „Der Rathausturm zu Meppen und sein Lieb“. Der Rathausturm beschreibt darin, was er alles schon für sein „Lieb“ -- d.h. für die Stadt Meppen – getan hat. Dann beklagt er sich darüber, dass sein Dach und weitere Gebäudeteile Schäden aufweisen, und er sagt unter anderem:

Stadtrat, so ernst und einsichtsvoll, Rührt Dich mein Leiden garnicht wohl?

Bitt schön, gieb mir `nen neuen Hut, Dann bin ich Dir auch wieder gut.

Auch meine Taille ist defekt, Die Füße mein stehn nicht mehr fest,

Wenn`s reichen tut im Säckel Dein, Laß Dir dies auch empfohlen sein.


Das zweite Gedicht trägt den Titel „Des Vögleins Bitte“. Zu Anfang klagt hier ein Singvogel über den kalten Winter und darüber, dass er kein Futter finden kann. Er bittet daher die Menschen, ihm ein paar „Krümchen“ hinzustreuen. Auch bittet er darum, ihm Obdach in der Scheune zu gewähren. Er werde sich dafür revanchieren, indem er schöne Lieder singe und das Ungeziefer vertilge:

Konzertiere nicht nur in Wald und Feld, Bin gleicher Zeit auch dazu bestellt,

Als Förster und Gärtner zu dienen dir In der mir vom Schöpfer bestimmten Manier.

Ich säub`re die Pflanzen, die Bäume und Strauch Von allerlei schädlichen Käfern auch,

Und Fliegen vermindr` ich dem Viehe zum Nutz, Gewährt hast umsonst mir nicht deinen Schutz.

In seinen übrigen Teilen enthält Hehenkamps Buch viele interessante Details aus der Geschichte der Grafschaft Bentheim und der Stadt Neuenhaus, darunter viel über Alltagsleben und Brauchtum der Neuenhauser.

 
     
 
Heinrich Hensen (1914 - 1989)
 
     
 
 
 
 

Unverwechselbar sind die Erzählungen, die Heinrich Hensen uns hinterlassen hat. Nach langer schwerer Krankheit ist der "urige Plattproater" am 5. Juli 1989 im Alter von 75 Jahren gestorben. Heinrich Hensen stammte von einem Bauernhof in Osterwald. Mit seiner Mundart-Prosa hat er sich in der Grafschaft Bentheim ein Denkmal gesetzt. Meisterhaft beherrschte der gelernte Pädagoge, bis zu seiner Pensionierung Rektor in Nordhorn, seine Muttersprache. Unzählige Geschichten hat er geschrieben oder erzählt, Geschichten zum Schmunzeln und zum Nachdenken. Gleichsam ein Leben lang hat er sich damit in den Dienst seiner Heimat gestellt.

Nach wie vor fühlte sich der Verstorbene eng mit dem bäuerlichen Leben, Denken und Handeln verbunden. Aus der früher recht engen bäuerlichen Welt schöpfte er bis ins reife Alter hinein, gelang es ihm, die Menschen und die sie umgebende Atmosphäre treffend zu schildern. So entstanden seine Buchwerke "Aule Knetsoahm vertäild" und sein letzter Buchband "Geschichten up Groafschupper Platt". Aber auch an der GN-Heimatbeilage "Der Grafschafter" und dem "Jahrbuch" des Heimatvereins hat Heinrich Hensen tatkräftig mitgewirkt. In den Reihen der Autoren dieser Schriften hinterläßt sein Tod eine schmerzliche Lücke.

Nach seinem Studium war der Pädagoge kurzfristig an der alten Nordhorner Mittelschule, dann in Kalle und in Schüttorf tätig. Acht Jahre war er Soldat und Kriegsgefangener. Nach seiner Entlassung baute er das Schulwesen in Vorwald aus dem Nichts heraus wieder auf. Dort hatte er 119 (!) Kinder in einer Klasse zu unterrichten. Einen nicht geringen Anteil hatten diese Kinder an dem Ausbau des Covordener Dieks, nachdem sie sich gemeinsam mit ihrem Lehrer bei dem früheren Verkehrsminister Dr. Seebohm in Bonn auf humorvolle Weise für dieses Projekt eingesetzt hatten. Bis 1965 war Hensen in Vorwald, dann wurde er Rektor der Evangelischen Blankeschule in Nordhorn. Im schulischen Leben der Grafschaft hinterließ er viele Spuren. Hauptsächlich nach seiner Pensionierung widmete er sich intensiv der Heimatarbeit. Die Erzähl- und die Vortragskunst dieses Mannes war einmalig. Hensen hat nicht nur fleißig geschrieben, sondern auch mehrere Tonbänder besprochen, um auch sehschwachen Menschen Zugang zu seinen Werken zu verschaffen.

Mit Heinrich Hensen ist ein Zeitzeuge heimgegangen, der kritisch und verständnisvoll zugleich seine Mitmenschen und seine Umwelt betrachtete. Er war ein ernster Mensch, der im privaten und familiären Bereich viele schwere Schicksalsschläge hinnehmen musste, darob dank seines unerschütterlichen christlichen Glaubens jedoch nie verzweifelte. Immer wieder überraschte er mit seinem tiefgründigen, feinen Humor.

Der Verstorbene hinterlässt der Grafschaft Bentheim ein reiches und kostbares Erbe.

     

Pröatkes up Nijioahrsvisiten

Bakkers Hinnerk heff sien'n Mähdrescher ok noch nich betaalt. Unse Jungs vertäilden dat. Joa, men dat sind ja ok sökke düre Dinger. `n paar Dage wödt se bruukt, en dann stoaht se't heele Joahr. Dee liedt mehr van't Stoahn as van't Lopen. Sienen Öllsten, denn is ja nu soa üm de twintig , de hadde ko'nns sien Vaa is anschötten, dat he nu verdan ok wal is moal soa'n Auto hebbn woll, nett as de annern Jungs ok. Et bruukde ja nick nijt te wään. "Och", hadde Hinnerk seggt, "ik weet't wall, Junge. Du hess düftig warkt, van't Summer. - Men soa lange as den Mähdrescher nicht betaalt is, möss du mi doar nich van proaten." Du hadde den tweeden, den is sessteen, is versichtig froagt, of d'r dann föar em nich `ne Brummfietse ansatt. Men - he hadde desölwde Antwoart kregen.

Dann hebt se noch soa nen Kläinen, den geht noch noa de Schoole. De probeerde et ok is: "Papa, en wo is dat met ne nije Fietse föar mi? Den mienn, dat is doch niks mehr!" "Ik weet't wal, mien'n Jungen", hadde Hinnerk seggt. "Men soa lange as den Mähdrescher nich betaalt is, möss du noch wochten." De Junge, de hadde dat ja gar nich passt. En du he later oawer den Hoff geht, du sitt doar nett den Hahn up ne Henne. - He giff den Hahn nen Trapp ien'n Ärs, dat he wegflög en segg: "En soa lange as den Mähdrescher nich betaalt is, gehs du gefälligst ok te Foote!"

     
Georg Kip (1889 - 1965)
     
 
 
     
 

Georg Kip wurde am 18, 6. 1889 in Neuenhaus geboren. Dort besuchte er die Volksschule; anschließend war er Schüler des Ratsgymnasiums in Osnabrück. In Bremen wurde er Exportkaufmannslehrling mit dem Ziel, später in Südamerika tätig sein zu können.

Im Alter von 19 Jahren trat er auf Wunsch des Vaters Heinrich Kip in den väterlichen Zeitungs- und Druckereibetrieb in Neuenhaus ein, dem er dann verhaftet blieb. Er widmete sich mit allen Kräften dem Zeitungswesen. In den 20 er Jahren wurde er Vorsitzender des Bezirksvereins Osnabrück der Deutschen Zeitungs­verleger; dieses Amt bekleidete er bis zum Ende des letzten Krieges. Als Beirats­mitglied im Vorstand des Reichsverbandes Deutscher Presse hat er mit Erfolg um die Selbständigkeit aller heimatlich eingestellten Verlage gekämpft. Nach dem letzten Kriege entwickelte Georg Kip in einer Zeit großer Not unseres Volkes und seiner Grafschafter Heimat eine ungeheure Schaffenskraft, die zunächst dem Wiederaufbau seines Zeitungsverlages gewidmet war. Durch Verschmelzung der Zeitungen »Zeitung und Anzeigeblatt«, »Nordhorner Nachrichten« und »Bentheimer Zeitung« entstand unter seiner Leitung die neue Tageszeitung »Graf­schafter Nachrichten«, deren Hauptschriftleiter er bis zu seinem Tode gewesen ist.

Als der frühere, nah und fern hochgeachtete Vorsitzende des Heimatvereins, Rektor Heinrich Specht, gestorben war, trat Georg Kip die Nachfolge an. Er zeigte in diesem Amt unerschöpfliche Arbeitskraft, sprudelnde Energie, bewundernswer­ten Wagemut und einen sicheren Blick für das Mögliche, die zusammen seiner Arbeit großen Erfolg sicherten. Er verstand es, Mitarbeiter zu finden und an der richtigen Stelle einzusetzen. Sein nie erlahmender Optimismus gab Versammlungen und Arbeitstagungen die stimulierende Atmosphäre. Unter seiner Leitung festigte der Heimatverein in der Grafschaft und, wie immer wieder zu hören ist, im Lande Niedersachsen den Ruf einer vorbildlichen und erfolgreichen Institution der Heimatpflege und der Heimatforschung.

Seit 1953 zeichnete Georg Kip verantwortlich für die Gestaltung des Jahrbuches, das sich in den folgenden Jahren einen anerkannt hervorragenden Platz in der Heimatliteratur Niedersachsens erworben hat. Es ist erstaunlich, wieviele Gesell­schaften, Vereine und Institute jährlich das Jahrbuch anfordern und damit in einen Schriftenaustausch mit dem Heimatverein treten. Das ist zweifellos auf Georg Kips weitreichendes Wirken zurückzuführen. Er selbst hat seither eine große Anzahl heimatkundlicher, insbesondere volks­kundlicher Arbeiten in den Jahrbüchern veröffentlicht. Einige seiner Aufsätze haben weit über unsern Kreis hinaus bei Volkskundlern wissenschaftliches Interesse gefunden. Seinen alten Wunsch, die Geschichte der Wiedertäuferbewegung zu ergründen, konnte er noch in den beiden letzten Jahren verwirklichen.

Ein besonderes Organ für heimatkundliches Schrifttum hat der Verstorbene in dem Monatsblatt »Der Grafschafter« geschaffen. Ursprünglich als Schrift des Heimat­vereins gedacht, wurde »Der Grafschafter« bald eine Beilage der »Grafschafter Nachrichten«. Der Heimatverein erwarb jeweils am Jahresende für seine Mitglie­der eine Sonderauflage der zwölf Monatsausgaben und ermöglichte dadurch den Liebhabern heimatkundlicher Schriften die Anlage einer wertvollen Sammlung. Der Höhepunkt des Schaffens im Heimatverein war für den Verschiedenen die Herausgabe des Bildbandes »Die schöne Grafschaft«. Mit großem Elan und nie ermüdendem Eifer war er mehrere Jahre um die Gestaltung dieses Werkes bemüht. Die Heimatarbeit Georg Kips fand schon früh weit und breit Anerkennung. Die ehrenvolle Berufung in den Beirat des Niedersächsischen Heimatbundes ermög­lichte es ihm, auch von dieser bedeutenden Stelle aus für den Heimatgedanken und für die eigene Heimat zu wirken. Sichtbar wurde die Anerkennung seines Wirkens am 23. 1. 1963 durch die Ver­leihung des Verdienstkreuzes 1. Klasse des Niedersächsischen Verdienstordens. Georg Kip war im Regierungsbezirk Osnabrück der erste, der diese Auszeichnung »in Anerkennung von Verdiensten um das Land Niedersachsen« außerhalb des politischen Lebens erworben hatte.

Der Heimatverein wird das Andenken Georg Kips in hohen Ehren halten und ihn immer als einen hervorragenden Sohn der Grafschaft Bentheim achten, der sich um unsere Heimat sehr verdient gemacht hat.

 
     
Jan Harm Kip (1911 - 2012)
     
 
 
     

Dieser Neuenhauser Autor entstammt einer Bimolter Heuerlingsfamilie. Sein Geburtshaus steht noch (heutige Pachtstelle des Hofes Stevens, die jedoch nicht mehr bewohnt ist). Die Familie Kip bewirtschaftete später eine Siedlerstelle im Bookholter Feld (heute Kip-Snieders). Jan Harm Kips Mutter war eine geborene Völlink. (Der ehemalige Hof Völlink ist heute im Besitz der Familie Rademaker-Spekkers.) Fünf Vorfahren mütterlicherseits wanderten nach Amerika aus. Als 1925 in Nordhorn die Aufbauschule gegründet wurde, das spätere Gymnasium, da war er buchstäblich die Nummer Eins. Als erster stand er auf der Anmeldeliste. Denn als er von der Möglichkeit erfuhr, hielt es ihn nicht länger in Bimolten, und er meldete sich selbst, noch nicht 14-jährig, dort an. Seine Eltern verhinderten den Schritt nicht, sondern als sie merkten, wie groß sein Wille war, sparten sie sich sogar das erhebliche Schulgeld vom Munde ab. Eine höhere Schule war damals in der Grafschaft nicht nur etwas Neues, sondern auch Fremdes. Die heranwachsende Jugend war bislang Mitarbeiter im Elternhaus oder Mitverdiener im Handwerk, der Textilindustrie und in der Landwirtschaft. „Leären maggse wall; men wenn du sitten bliffs, dann kumms du weär an de Messgrepe.“ Das war die Alternative, vor die sein Vater ihn stellte. (zitiert aus: „Jan Harm Kip zum 90. Geburtstag“ in Der Grafschafter, 2001, S. 31)

Der Unterricht in der Aufbauschule begann 1925 mit nur 16 Schülern -- 10 Jungen und 6 Mädchen. Bei den heutigen Verhältnissen kaum vorstellbar. Beim Abitur 1931 bestand die Zahl der Abiturienten aus 12 Schülern – elf Jungen und einem Mädchen. In den sechs Schuljahren hatte sich die Zahl der Schüler durch Ab- und Zugänge ziemlich konstant gehalten. Von den 16 Anfängern hatten 4 durchgestanden. Nach dem Abitur studierte Jan Harm Kip Pädagogik in Hannover und Dortmund. Beim Antritt seines Studiums brachte sein Vater ihn mit Pferd und Wagen zum Nordhorner Bahnhof. Zu den Mitschülern Eberhard Liese und Harm Wolts sagte der Vater beim Abschied auf dem Bahnhof: „Passt mi guud up up dee Junge!“
Er war nach der Abschlußprüfung zuerst Lehrer in Vorwald, Uelsen und Georgsdorf, dann -- nach fast sechs Jahren Kriegseinsatz – in Alte Piccardie und Bentheim. Es folgten anderthalb Jahrzehnte als Rektor der Mittelschule in Neuenhaus. Zuletzt war er Schulrat für Nordhorn und die Obergrafschaft. Mit 15 Jahren der Schulleitung war er der Rektor, der am längsten die Schule leitete. Das größte Ereignis war die Bildung des Mittelschulzweckverbandes Niedergrafschaft. Die Bürgermeister waren zunächst zögernd. Sie wussten, was finanziell auf die Gemeinden zukam. Ein Neubau musste verwirklicht werden. Aber dann siegte die Einsicht, dass Bildung nicht umsonst zu haben ist. Sogar der Bürgermeister von Bimolten, dem Geburtsort von Jan Harm Kip, schloß sich dem Verband an, obwohl die Gemeinde zum Kirchspiel Nordhorn gehörte. An der Mittelschule Neuenhaus gab es ein einmütiges und zielstrebiges Kollegium. Die Schüler mit der Mittleren Reife fanden überall eine Arbeitsstelle oder sie gingen weiter auf das Gymnasium. Die Schule hatte außerdem einen guten sozialen Blick. Es wurden immer wieder Schüler aufgenommen, die die Volksschule vollendet hatten oder die am Gymnasium Nordhorn den Anschluß verloren hatten. Einer von ihnen wurde Mittelschullehrer, einer wurde Pastor, eine Schülerin wurde Lehrerin am Gymnasium, einer promovierte sogar zum Doktor der Philosophie. Im Jahre 1997 konnte Jan Harm Kip bei der Vorstellung der Chronik „350 Jahre Alte Piccardie“ eine Festrede wiederholen, die er fünfzig Jahre zuvor bereits einmal gehalten hatte – zum dreihundertjährigen Bestehen der Gemeinde. 1947 ging es um die Entstehungsgeschichte und 1997 um die Entwicklungsgeschichte in den einzelnen Generationen bis auf die Gegenwart. 1958 war Jan Harm Kip der erste Laienprediger der Grafschaft und hielt am 8. Oktober 1959 – anlässlich des Niedersachsentages -- in der Alten Kirche am Markt in Nordhorn seine erste Predigt in plattdeutscher Sprache (über die Berufung des Matthäus). Die Alte Kirche war von Zuhörern überfüllt; einige hatten nur einen Stehplatz im Turmeingang. Bis ins hohe Alter hinein hat er – neben hochdeutschen -- noch weitere Predigten in Plattdeutsch gehalten, manche davon in ökumenischen Gottesdiensten beiderseits der Grenze, in Verbindung mit dem „Groafschupper Plattproaterkrink“. Jan Harm Kip war lange Jahre Mitglied im Kirchenrat der reformierten Gemeinde Neuenhaus. Er schrieb die Andachten für den Gemeindebrief vom September 1980 bis Dezember 2006; das waren in reichlich 25 Jahren 102 biblische Betrachtungen über den jeweiligen Monatsspruch. Sie alle atmen den Geist, den Calvin so beschrieben hat: „Vor Gott bleibt uns kein anderer Ruhm als allein sein Erbarmen.“ Ab und zu hielt er Vorträge, z.B. vor Landwirtschaftsschülern, wobei er von seinem christlichen Menschenbild her vor einer konsumistischen und materialistischen Lebenseinstellung warnte. So berichtet Willy Friedrich in den Grafschafter Nachrichten vom 3. März 1960 über einen kulturkritischen Vortrag Jan Harm Kips vor der Landjugend des Bezirks Uelsen. (Titel des Artikels: „Vaterhaus und Heimat – Urgrund des Seins“) Friedrich beschreibt die Aussage von Kips Vortrag unter anderem wie folgt: Die alte Ordnung zerbröckelt. Das Vorbild, unerlässlich für die Charakterbildung, fehlt. Die allgemeine Nivellierung nimmt erschreckende Formen an. Wenn die Atombombe fällt, vollzieht sich nur die Verwüstung, die sich in unseren Herzen bereits vollzogen hat. […] Angesichts dieser harten Tatsachen sei die Jugend, insbesondere auch die Landjugend, gerufen, kritisch und verantwortungsbewusst positive Kräfte zu mobilisieren und festzuhalten an guten Überlieferungen! […] Höchste Zeit zur Umkehr! Für jeden einzelnen! Der Mensch müsse wieder fest Fuß fassen, sich und seine geistige bzw. kulturelle Umwelt nicht zum Gegenstand herabwürdigen lassen. Er könne trotzdem „ja“ zur modernen Technik sagen. Die Technik dürfe jedoch niemals das Einzige und Letzte sein! Der Mensch brauche nämlich mehr! Er müsse in den Urgrund seines Seins zurückfinden.

Veröffentlichungen Jan Harm Kips:

(a) Vom Wesen, Reichtum und von der Kraft unserer Heimatsprache. Bentheimer Jahrbuch, 1958, S. 140.
(b) De bäiden Schäpers. Bentheimer Jahrbuch, 1958, S. 151.
(c) Stads Ordonnantien. Stadtverordnungen der Stadt Neuenhaus 1601-1762. Der Grafschafter, 1996.(Mitautor: Eckhard Woide)
(d) Gedaanken toon stillen Frijdag. Der Grafschafter, 2000, Seite 14.
(e) Zu dem Band „Ut de Pütte“ (Hg.: Wilhelm Horstmeyer, 1994) hat er vier humorvolle plattdeutsche Erzählungen beigesteuert.
(f) Bei der Erstellung des Buches „Bimolten. Chronik einer Landgemeinde“ (Herausgeber: Jan Brookman und Harm Boerwinkel, 1994)
hatte Jan Harm Kip die Funktion eines Schriftleiters.
(g) Im „Grafschafter“ 2001 (S. 30) berichtet er unter dem Titel „Über mich selbst“ aus seiner Jugendzeit. Der Beitrag enthält tiefgründige, weise Sätze darüber, wie das Wachsen und Werden eines Menschen geschehen kann, geschehen sollte.
(h) Im Jahre 1975 hielt er sechs Vorträge vor dem CVJM Veldhausen. Das Thema lautete: „Religion und Naturwissenschaft“ In der Zusammenfassung der geheftet vorliegenden Vorträge heißt es: „Die Antwort gibt die österliche Gemeinde, die an eine Vollendung glaubt. Sie bekennt: Du wirst dein herrlich Werk vollenden, der du der Welten Heil und Richter bist.“
(i) In dem Buch „Wat, de kann Platt? Emsländer und Grafschafter über ihre Mundart“ (herausgegeben von Theo Mönch-Tegeder und Bernd Robben, 1998) schreibt er in seinem Beitrag „Niederländisch und Niederdeutsch“:
In die plattdeutsche Sprache muß man hineinwachsen. Sie schließt dann den Zugang zu den Dingen und Tatbeständen auf. Hineinwachsen kann man nur mit Liebe. Man muß die Sprache sprechen und lesen; dann wird man sie lieben. Plattdeutsch ist kein Dialekt, sondern eine Muttersprache! Sie lehrt uns auch das einfache Denken, und das einfache Denken ist oft eine wertvolle Gabe Gottes. Vom Wort zum Sinn zu gehen heißt bewahren und weitergeben.“

     
Anton Knoop (1901 - 1970)
     


Der aus Neuenhaus stammende Anton Knoop machte im Verlauf seines Lebens eine bemerkenswerte Karriere als Mensch und Theologe. Zwischenzeitlich übte er rund zwanzig Jahre lang den Brotberuf eines reisenden Kaufmanns aus; er gelangte also erst nach einer langen „Durststrecke“ zu seinem Berufsziel.

Ein Autor mit dem Kürzel „LE“ (vermutlich Dr. Ludwig Edel) beschreibt Pastor Knoops Leben folgendermaßen:

Anton Knoop wurde am 15. August 1901 in Neuenhaus geboren, wo er die Grund- und Mittelschule besuchte. Unvergeßlich sind für ihn seine Lehrer Jakobus Koops und Hermann Wieferink. In der Neuenhauser Kirche trieb er schon mit zwölf Jahren stellvertretend für den alten Küster Wilhelm Meyer die drei schweren Balken der aus dem Jahre 1800 stammenden Orgel an. Im Volksmund erhielt er bald den Namen „De geestelijke Windmaker“. Mit 13 Jahren half er die Glocken läuten und assistierte im Kindergottesdienst. Schon früh stand ihm sein Berufsziel vor Augen: Er wollte Theologie studieren. Aber der Erste Weltkrieg, das Fehlen weiterführender Schulen und der schwere Existenzkampf der Eltern, die ihre acht Kinder ernähren mußten, versperrten diesen Weg zunächst. Anton Knoop wurde im kaufmännischen Beruf ausgebildet, war von 1924 bis 1945 reisender Kaufmann, sein Lebensziel vergaß er jedoch nie. Die lateinische Vulgata und das Neue Testament in griechischer Sprache waren seine ständigen Begleiter. Früh um fünf Uhr begann er seine Studien und nahm um acht Uhr seinen „Brückenberuf“ auf. Er war ein gerngesehener Gast in evangelischen und katholischen Pfarrhäusern und war mit Theologen wie Pastor Peter Schuhmacher (Uelsen), dem Alttestamentler Siegmund E. Bode, den Osnabrücker Pastoren Itis und Engels wie auch mit dem späteren Professor in Philadelphia (USA) Lic. Paul Leo eng befreundet. Nach einem erfolgreichen Colloquium mit Professor Ehrenberg wurde ihm der Weg als Gasthörer der Universität und der Missionsseminare Oegstgeest und Basel geöffnet. Die Kirchenleitung der evangelischen Kirche von Westfalen berief A. Knoop nach dem Zweiten Weltkrieg in Ihren Dienst. In sieben Diasporagemeinden sammelte er die evangelischen Vertriebenen. Die Ordination erfolgte im Februar 1952. Der Gemeindebezirk Ibbenbüren-Dickenberg (Schafberg) mit der 1952/54 erbauten Kirche wurde ihm anvertraut. Schweren Herzens nahm er von hier im April 1954 Abschied, um die Kirchengemeinde Wersen-Büren aufzubauen. Die Amtsjahre Pastor Knoops waren so bewegt und vielseitig wie sein ganzes Leben. Gern erinnert er sich an den Dienst im Hochmoor während des Krieges, wo er in Schöninghsdorf deutsche und holländische Gottesdienste abhielt, an seine Gespräche mit dem letzten deutschen Kaiser und an ökumenische Gespräche im Jahre 1951 mit der damals regierenden Königin Wilhelmina der Niederlande in Apeldoorn zusammen mit seinem Freund Professor Berghof und Dozent D. Graaflond. Bis heute wird Pastor Knoop von seinen holländischen Freunden, bei denen er während des Krieges zwei Jahre weilte, zu Gottesdiensten eingeladen, die er in holländischer Sprache hält. Seine Korrespondenzen reichen nach Indonesien und ins Innere Afrika; in seinem Gästebuch zeichneten sich internationale Gäste mit arabischen und japanischen Schriftzeichen ein. Während seiner Amtszeit in Büren predigte er in vielen Kirchen des Osnabrücker und Tecklenburger Landes und unterrichtete in Osnabrücker Berufs- und Handelsschulen . (Grafschafter Nachrichten, 1. Mai 1968)

Offensichtlich war Anton Knoop ein Genie im Knüpfen von Kontakten und in der Freundschaftspflege. Zu den vielen Menschen, mit denen er freundschaftlich verbunden war, gehörte auch der Veldhausener Heimatdichter Carl van der Linde. (Pastor Knoop hat dies u.a. in einer Predigt erwähnt, die er etwa im Jahre 1967 in der Alten Kirche am Markt in Nordhorn hielt, wie ein noch lebender Zeitzeuge berichtet.)

Da er sich in der Zeit des Zweiten Weltkriegs in einer für ihn lebensgefährlichen Unerschrockenheit um holländische Zwangsarbeiter in Deutschland kümmerte (1), darf man ihn als einen Widerstandskämpfer bezeichnen. Wie andere Widerstandskämpfer hätte er es verdient, dass nach ihm in Neuenhaus eine Straße benannt worden wäre. (Dies ist vermutlich deswegen noch nicht geschehen, weil sein Einsatz für die Holländer und seine lebenslangen Kontakte zum Nachbarland von manchen als „Verrat“ bewertet wurden – und noch werden.) Er liebte Holland und die Holländer und sprach perfekt die holländische Sprache. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges setzte Pastor Knoop sich intensiv für eine Versöhnung zwischen Deutschen und Holländern ein, was von Fritz Brickwedde in einem Beitrag im Bentheimer Jahrbuch (1980, S. 171) ausführlich beschrieben und gewürdigt wird. Brickwedde spricht von einem „unermüdlichen Einsatz“ Pastor Knoops „für Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden“. Ein Höhepunkt in diesen Bemühungen und in seinem Leben war es, als ihm nach einer Predigt, die er vor viereinhalbtausend Menschen in der Großen Kirche von Den Haag gehalten hatte, die niederländische Königin Wilhelmina bewegt die Hand drückte. Der geborene Neuenhauser Georg Brünink (seine Mutter war eine Cousine Knoops) berichtet, dass die Königin Anton Knoop bei dieser Gelegenheit einen wertvollen Fotoapparat schenkte. Als Brünink (2) im Kriege als Soldat in Holland stationiert war, leitete er Briefe von holländischen Zwangsarbeitern aus der Osnabrücker Gegend weiter, die Pastor Knoop ihm übergeben hatte. Bei Sendung durch die offizielle Post wären diese Briefe zensiert worden. Anton Knoop muß zu den „großen Söhnen“ der Stadt Neuenhaus gerechnet werden. Gegenüber seinem seelsorgerischen und friedensstiftenden Einsatz als Mensch und Theologe tritt das, was er an heimatschriftstellerischen Beiträgen geliefert hat, stark in den Hintergrund. Es sind hier nur einige wenige -- zumeist kürzere -- Artikel zu nennen, die aber inhaltlich bemerkenswert und wertvoll sind:
(A.) Unsere Stadt Neuenhaus. Der Grafschafter, Oktober 1961. Ebenfalls abgedruckt in Heinrich Eberhardts „Chronik der Schulen von Neuenhaus“, S. 206 f. In Dialogform geschrieben. Knoop tritt hier als plattdeutsch sprechende Person „A“ auf, die sich mit einer hochdeutsch sprechenden Person „B“ unterhält. Es geht um Heimatpflege und die alten Zeiten. Der Ton ist nostalgisch. Eine Erinnerung an Carl van der Linde wird erwähnt. -- Knoop hat diesen Beitrag unter dem Pseudonym „A. van de Dinkel“ veröffentlicht.
(B.) Ein fröhliches Wiederseh`n nach 53 Jahren. Marie Prenzler 1907/08 Lehrerin in Neuenhaus. (Um 1961 erschienen in den Grafschafter Nachrichten; nachgedruckt in Heinrich Eberhardt, Chronik der Schulen von Neuenhaus, 1994, S. 49 f. -- Knoop hat bei diesem Artikel wieder das Pseudonym „A. van de Dinkel“ verwendet. Er hatte seine ehemalige Lehrerin durch Zufall in Melle wiedergetroffen, als er in der dortigen lutherischen Kirche einen Gottesdienst hielt. Der Artikel beschreibt, wie er mit Frau Prenzler schöne Erinnerungen an seine Neuenhauser Schulzeit austauscht. Mehrere damals gesungene Lieder werden erwähnt. -- Knoops Kontaktfreudigkeit und Liebe zur Heimat kommen hier zum Ausdruck.)
(C.) Reformierte Kirche Neuenhaus 280 Jahre alt. Der Grafschafter, Dezember 1961. (Darin einiges über den Pastor Hugenholtz)
(D.) Altjahrsabend in Neuenhaus und Lage. Der Grafschafter, Dezember 1968. (Ein meditativer Beitrag. Knoop berichtet darin auch von einem Gespräch, das er einst mit dem Heimatdichter Carl van der Linde auf einem Spaziergang zwischen Neuenhaus und Lage führte.)
(E.) Das Evangelium in plattdeutscher Sprache. Der Grafschafter, 1969, S. 598. (Bericht von einer Tagung von Pastoren aus dem gesamten niederdeutschen Gebiet)
(F.) Am Grabe der Schwester Hanna Staehle. Der Grafschafter, 1969, S. 622. (Hanna Staehle, 1879-1940, stammte aus Neuenhaus. Sie arbeitete als Rotkreuzschwester und liegt auf dem Parkfriedhof in Berlin-Lichterfelde begraben. Bei dem von Knoop erwähnten „Hauptmann Staehle“ handelt es sich vermutlich um den späteren Oberst und Widerstandskämpfer Wilhelm Staehle.)

Literaturangaben zum Leben Pastor Anton Knoops:
(a) LE (= Dr. Ludwig Edel). Ein Leben im Dienst der Kirche. Pastor Anton Knoop tritt in den Ruhestand. Grafschafter Nachrichten, 1. Mai 1968. (Der Titel dieses Aufsatzes hätte wohl besser lauten sollen: „Ein Leben im Dienste Gottes, der Menschen und der Kirche“. JGR)
(b) Brickwedde, Fritz. Der Kaiser duzte, die Gestapo haßte ihn. Pastor Anton Knoop aus Neuenhaus zur zehnjährigen Wiederkehr seines Todestages am 13. November 1980. Bentheimer Jahrbuch, 1980, S. 171 f
Anmerkungen:
(1) Er sorgte z.B. dafür, dass verstorbene Zwangarbeiter ein ordentliches Begräbnis erhielten, und hielt selber den Trauergottesdienst – auch wenn dies den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge war.
(2) Georg Brünink, jetzt 85 Jahre alt, war später lange Jahre Betriebsratsvorsitzender bei der Firma NINO in Nordhorn. Seine Mutter hatte nach der „Reichskristallnacht“ (vom 9. auf den 10. November 1938) heftig gegen die Zerstörung der Neuenhauser Synagoge protestiert. (Sie gab dabei dem Neuenhauser NSDAP-Ortsgruppenleiter das ihr verliehene „Mutterkreuz“ zurück.) Es ist nur bestimmten Zufällen zu verdanken, dass sie diesen Protest nicht mit einer Einweisung ins Konzentrationslager und „Liquidierung“ bezahlen musste.

     
 
Heinrich Kuiper
 
         

         
 

Neuenhauser Dichter und Schriftsteller Heinrich Kuiper (geboren 1937) Heinrich Kuiper lebt nahe dem Vechtewehr in Grasdorf. Er besuchte die Grasdorfer Volkschule. Bereits im Alter von zehn Jahren schrieb er seine ersten Gedichte, zu denen ihn der Deutschunterricht von Frau Klotz anregte. Damals war es noch üblich, dass Lehrer ihre Schüler Gedichte auswendig lernen ließen . Heinrich Kuiper hat seit dem Jahre 1968 regelmäßig Gedichte und Prosabeiträge in den Jahrbüchern des Heimatvereins der Grafschaft Bentheim (später auch im „Grafschafter") veröffentlicht, und zwar zumeist in Plattdeutsch.

 
         
  Vergänglich ist die Weltenpracht,
Verzicht das Leben tiefer macht.
 
         
  Hang nich dien Hatt` an wäerldsche Saken?
Könnt dee alleene glükkig maken?
Wat helpt et, as soa völl gewins?
Hess`n Huus, daags` Broat, de nöär`gen Kleer
En bis gesound, verlang nich mäer!
O, wat du dann `n riek Mäinsche sinds!
 
         
 

Sommeroawend


Denn heeten Dag verssackt in`n Droam,
Wienroat glööjt dat Sünnenfüür,
De Wijnd dee sijnk in`n Pöppelboam
`N Leedtien to de Offschäidsfier.

 

Nen Kickfoss schrääwt uut`n Rüschenkolk;
Et bliff verdann mooi Sommerwäer.
An`n kloaren Hemel schwömmt ne Wolk`,
Liekt as `n Schipp up`t wiede Meer.

 

Uut`t fäere Dörpien ropp ne Klock:
„Schloapt nu! Denn Dag is lang` to Äind.“
De Nacht in`n griesen Newelrock
Owernäimp et Regimäint.

 
         
 

Van't mark nich futt te däinken is denn veekoapman Krusemann. Hee is gin`n Groafschupper en kump ut't Westfoelsche, is 'nen groten, starken keerl met upfallend lange tande, heff ait denn schalk in'n nakken, steckt geern de buren de geck an, legg groten weert up kwallität en koff van de biggen ait dat krööntien d'r uut. To markbeginn stigg hee up ieder wage en luurt denn aap ut'n baoam. Is ok an de biggen niks uuttesetten, hee schmitt geern nen klakkert d`r up. Dat hett, hee maakt se schlecht an latt d'r gin guud hoar an. „Deine Ferkel will ich nicht, zwei haben einen Buckel!“ segg hee. Men de buur, denn se höört, is nich up'n beck fallen en segg: „Et is better, dat de biggen 'nen pukkel hebbt as dat ik eene hebbe! See dreegt em sölws. lk bin d'r nich met traut en heb noch noojt ginne hollen. Ik finne wal huus-sittende löö, dee nich soa up kwallität acht en se wal geern koapen wilt!“ Dat huus-schlachten was dumoals noch nich uutstorwen. -- Hee is se wal kwiet wodden. 'N paar mark guudkoaper muss hee se an`n man brengen.

Krusemann kann't van twee kanten. Hee maakt de borstenviecher slecht en hee kann se ok puchen. Mangs steet hee millen up de wage tüschen `ne koppel biggen. Kump d'r starke wind, dann wääjt de tippen van sien'n langen mantel in de höögte. Den „flegenden engel“is de hele tied in beweging: Hee haut met de hande üm sik too en liekt net as nen pestoar, den up ne wiede flackte unner frijen himmel ne preeke hault. Hee röpp luudhals ait weer de sölwen wöörde: „0 was schöne Ferkel! Solche Ferkel habe ich noch nie gesehen. Die stammen gewiss aus einer Elitezucht! Ich werde Besitzer dieser prächtigen Tiere und zahle dafür den höchsten Tagespreis!“

Siene ruhmesreden schient gin äinde te nemmen. Äinkelte buren spitzt de oaren en däinkt nu, dat de biggen upstund schlimm düür bint. Men door sind ok wiese profeeten, dee denn praalhans al lange kennt en siene proeties gin'n gloawen schäinkt. See verhollt sik neutral en schwiegt. De buur'n klettert met eere priese hoog in de boeme en treckt de melk up. See froagt wucherpriese, dee gineene betalen kan. Kruseman bött völl meer, as se weert bint en drääjt dan dee halsoffschnieders de kaule rügge too en verhault sik, as of hee gin bigge meer seen wil. 'N üür later kriegt de buren de arg d'r-uut en markt, dat hee meer boden hef, as se weert bint. 'N bettien eerder as't mark te äinde is, wodd Kruseman weer flügge en will biggen koapen. Denn handel geböört met handschlag, en doarbi wodd soa niets toschloan, dat men hoast bloaren in de hande krigg. Hee koff nu de mööjsten biggen föör 'nen heel lägen pries. Is denn handel vöörmekaa, dan kloppt hee de buur sachies up de schulder, gnis lük en segg heel bedaat: „0 was hab ich diesmal billige Ferkel gekauft. Ich hätte dir viel mehr gegeben, aber du wolltest es ja tun!“ Kruseman is 'nen lepen keerl, weet best, wu hee met de buren ümgoahn mött en kan't naar mooj seggen. Moal kick hee nijsgierig up'n namensschild van 'nen wagen en ropp dan denn buur, denn d'r tegen steht, too: „Bist du noch ein Anhänger und Verehrer des Führers? Zählst du zu den Unverbesserlichen?“ De buur begrip eerst nich, wat hee meent. Denn namen an sien'n wagen is nich meer düüdlik te lesen. Door steht den oortsnamen „Hilten“. Krusemann hef doar „Hitler“ van maakt, men hee weet't wal better. In de Junimoand is noch wal faker denn handel schleppend en de noafroage noa biggen schlapp. Dann posaunt Kruseman unner't burenvolk in`t-runde: „Sind die Kirschen rot, ist der Handel tot!“ -- Et is noch wall spietig, dat man dit original nich in't bild fasthollen heff.

 
         
Sigrid Lübermann
         

Sigrid Lübbermann, gebürtige Neuenhauserin, wuchs als Tochter der Eheleute Hermann und Inge Veddeler in dem kleinen Städtchen auf. Dort verbrachte sie eine glückliche Kinder- und Jugendzeit. Nach der Heirat bezog sie mit ihrem Mann ein Eigenheim auf dem Ortfeld in der „Herrlichkeit" Lage. Sigrid Lübbermann ist Mutter von vier erwachsenen Kindern. Sechs Enkelkinder sind ihr ganzer Stolz. Ihre Gedichte und Geschichten sind nicht nur in der Grafschaft bekannt. Lange Jahre schrieb sie auch für einige auswertige Zeitungen. Seit es die „GW. am Sonntag" gibt, findet der Leser jede Woche eines ihrer Gedichte. Mal lustig, mal ernst. Eben aus dem Alltag gegriffen. „So isses!" sagt Sigrid Lübbermann, die den Wunsch vieler Leser erfüllt und dieses Buch herausbringt.

         

Alt Neuenhaus

Einst war Neuenhaus sehr schön! Anhand der Fotos könnt' man 's sehn, die ein Herr dieser Stadt freigab für das Tageblatt. Zur Freude der Bürger von Neuenhaus -ältere Einwohner kannten sich aus. Sie schauten mit wehmütigem Blick auf eine ruhige Zeit zurück.

Viele Häuser mußten weichen, vieles, vieles ist nicht mehr. Unsere Straßen wurden breiter, für den rollenden Verkehr. Durch sie treibt heut kein Bauer die Kühe vor sich her... Verschwunden sind die Lädchen, fort die Behaglichkeit. „Großmärkte" machten dafür sich in dem Städtchen breit.

Heut steht man vor den Ampeln und - - o große Not - -ständig heißt es warten, immer sieht man Rot! Die Jahre gehen weiter, sie gehen aus und ein, doch so schön wie damals, wird Neuenhaus n i e mehr sein!!

         
Josef Meyering (1907 - 1988)
         
 


Unter den schriftstellerisch tätigen Bewohnern der Dinkelstadt muß unbedingt auch Josef Meyering genannt werden, der von Beruf Bezirksschornsteinfegermeister war. Im Volksmund wurde er „Seppel“ genannt, was bekanntlich die bayrische Form des Vornamens Josef ist. In Neuenhaus und Umgebung kannte man ihn als passionierten Angler und als Sammler von Antiquitäten, die er in einem kleinen privaten Museum -- „Auldhäidskamer“ genannt – aufbewahrte und Besuchern gerne zeigte. Er wohnte mit seiner Familie in dem heutigen Haus Uelsener Straße Nr. 18, das sein Vater im Jahre 1905 erbaut hatte, und war jahrelang Ratsherr in der bis 1970 selbständigen Gemeinde Hilten. Man darf Josef Meyering wohl als einen „Neuenhauser Humoristen“ bezeichnen. Witzig und humorvoll war er nicht nur in dem, was er geschrieben hat, sondern auch im persönlichen Umgang. Er hatte ein ansteckendes Lachen und wirkte dabei nicht selten wie ein Clown. Er war, auf Plattdeutsch gesagt, „nen plesäer`gen Käerl“. Wenn ein Bauer einen neuen Schweinestall mit Futterküche und Schornstein gebaut hatte, dann fragte er bei der Abnahme: „Hebb Y`t met de Pestoar doan off sounder Pestoar?“ Damit war gemeint, ob die Arbeit von einer offiziellen Firma oder „schwarz“ gemacht worden war. (Im Falle von „sounder Pestoar“ wurde dem Bauern daraus „kein Strick gedreht“.) Als Ludwig Sager ihn bat, er möge doch das, was er in seinem langen Schornsteinfegerleben gesehen und gehört habe, aufschreiben, kam er diesem Wunsch gerne nach und veröffentlichte von 1971 bis 1986 im Jahrbuch des Heimatvereins der Grafschaft Bentheim eine Reihe von kurzen, humorvollen plattdeutschen Erzählungen, die Einblick geben in das Leben der Niedergrafschafter Bevölkerung vergangener Jahrzehnte. (Sie eignen sich sehr gut zum Vorlesen in geselliger Runde!)

Josef Meyering hat die folgenden Geschichten verfasst:

Der Gölenkamper „Gefreite von Köpenick“ (Bentheimer Jahrbuch 1971, Seite 252);
Dat erste Radio (Bentheimer Jahrbuch 1972, Seite 174);
De nådslachtung (Bentheimer Jahrbuch 1973, Seite 215);
Is`t al så lange leen? (Bentheimer Jahrbuch 1974, Seite 221);
Harfstdag negenteenhundertsöbenteen (Bentheimer Jahrbuch 1975, Seite 277);
Einquartierung (Bentheimer Jahrbuch 1975, Seite 279;
Så kan`t kummen, så kan`t gåån! (Bentheimer Jahrbuch 1976, Seite 280);
Dat Groschennöst (Bentheimer Jahrbuch 1977, Seite 295);
De Wiehnachtsgans (Bentheimer Jahrbuch 1977, Seite 299); Den besünderen breef (Bentheimer Jahrbuch 1977, Seite 301);
Klumpe up räise (Bentheimer Jahrbuch 1978, Seite 323);
Dat grote verteer (Bentheimer Jahrbuch 1978, Seite 324);
Hölpe (Bentheimer Jahrbuch 1979, Seite 258)
Söindagåwend in de mäimåånd (Jahrbuch 1980, Seite 242);
Andere tieden (Bentheimer Jahrbuch 1981, Seite 244);
Sonder brülfte (Keine Hochzeit). Bentheimer Jahrbuch 1982, Seite 243;
Nen aulen schösteenfegerbaas erinnert sik (Bentheimer Jahrbuch 1986, Seite 298).

         
Franz Miquel (1818 - 1855)
         
 
 
         

geb. 23.8.1818 Neuenhaus, gest. 2.10.1855 ebd. Gymnasiallehrer, Redakteur, Schriftsteller, kath., später ref., (BLO II, Aurich 1997, S. 245 - 246)

Jugend und Schulzeit verbrachte Miquel in Neuenhaus, Grafschaft Bentheim, wo sein vielseitig gebildeter und sozial engagierter Vater als Arzt praktizierte. Die zugleich nationale und weltoffene Einstellung Miquels wird unter anderem damit erklärt, daß der Begründer des väterlichen Zweigs der Familie in Deutschland 1735 aus Frankreich kam. Studiert hat Miquel von 1837 bis 1841 in Göttingen, wo er im Konflikt um die Göttinger Sieben sogleich öffentlich für diese Partei ergriff. Später war er in einer verbotenen studentischen Verbindung aktiv. Sein Lehrer J. F. Herbart beeinflußte Miquels philosophischpädagogische Vorstellungen nachhaltig, obwohl jener sich politisch nicht betätigte. 1841 kam Miquel als Gymnasiallehrer für neuere Sprachen, Erdkunde und Geschichte nach Aurich. Hier muß er erfolgreich gearbeitet haben, denn die hannoversche Regierung finanzierte ihm einen Studienaufenthalt in England. Bekannt wurde Miquel in Ostfriesland nach der Märzrevolution 1848. Vereins-, Rede- und Pressefreiheit eröffneten dem gebildeten, politisch und gesellschaftlich interessierten Mann breite Betätigungsfelder. In Aurich wirkte er im Bürgerverein und ab Mai 1848 durch die von ihm weitgehend allein gestalteten „Ostfriesischen Zeitschwingen. Blätter zur Besprechung vaterländischer Interessen“. Der Titel signalisiert, daß Miquel sich Ludwig Börne und den Organisatoren des Hambacher Festes verbunden fühlte. Im April 1848 als Volksverordneter („Condeputierter“) gewählt, versuchte er mit seinen Kollegen die Wahl eines verfassunggebenden Gremiums für Hannover zu erreichen. Aus dieser Zeit rührt ein Zusammenwirken mit dem Emder Syndikus G. W. Bueren, der 1849 nach der Verdrängung Miquels aus Ostfriesland die „Zeitschwingen“ weiterführte. In seiner Zeitung behandelte Miquel die Verfassungs- und Machtfrage in Hannover, warb für politische Beteiligung durch Vereine und Petitionen und griff Fragen wie Volksbewaffnung, Gewerbefreiheit, Wahlrecht, Bürokratie und Volksbildung auf. Hier geißelte er das Wiedererstarken der Reaktion und hob nicht zuletzt die Bedeutung der sozialen Frage hervor. Artikel Miquels wurden von verschiedenen Vereinen als Schulungsmaterial verwendet; dies zeigt die Bedeutung seines publizistischen Wirkens. Die heimlichen Winkelzüge seiner konservativen Gegner, ihn versetzen zu lassen, hatten im Oktober 1848 Erfolg. Miquel lehrte danach kurze Zeit in Ilfeld. Bereits Ende 1848 soll er nach Ostfriesland zurückgekehrt sein und die Schriftleitung der „Ostfriesischen Zeitung“ übernommen haben, deren Charakter als Nachrichtenblatt in dieser Zeit durch häufigere Leitartikel und Kommentare geändert wurde. Alle schriftlichen Äußerungen Miquels widersprechen der von zeitgenössischen Gegnern, aber auch in wohlmeinenden Gedenkartikeln erhobenen Behauptung, Miquel sei 1848/49 radikaler Sozialist oder realitätsferner Idealist gewesen. Wahrscheinlich liegt nach 1849 eine unzulässige Verknüpfung mit den Ansichten des jüngeren Bruders und späteren preußischen Finanzministers Johannes Miquel vor, der tatsächlich ab 1850 einige Zeit mit Karl Marx kooperierte, nachdem er zuvor in Hannover an Mobilisierung und Organisierung von Arbeitern und Handwerkern mitgewirkt hatte.

Ab 1850 lebte Miquel wieder in Neuenhaus und war, da ihm eine Lehrtätigkeit aus politischen Gründen verwehrt wurde, schriftstellerisch tätig, gelegentlich auch für die „Ostfriesische Zeitung“. Sein häufiger Appell, die Schule für eine politische Bildung der Volksmassen zu nutzen, ist auch auf Erfahrungen in Ostfriesland zurückzuführen, wo vor allem die ländlichen Unterschichten 1848/49 kaum politisches Engagement für Fragen und Probleme jenseits ihres Alltags gezeigt hatten. Werke: Beiträge eines mit der Herbart’schen Pädagogik befreundeten Schulmannes zur Lehre vom Biographischen Geschichtsunterricht, Leer 1847; Ostfriesische Zeitschwingen, Aurich, Mai bis Dez. 1848; Beiträge zu einer pädagogisch-psychologischen Lehre vom Gedächtnis, Hannover 1850; Wie wird die deutsche Volksschule national?, Lingen 1851.

Quellen: StAA, Rep. 21 a (alt), 2539, Bl. 115 ff. (Bericht der Landdrostei in Aurich an das Ministerium des Inneren vom 24.6.1848).

Literatur: Dietrich B i s c h o f f, Ostfriesland in der deutschen Bewegung 1848-49 (Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands, 28), Aurich 1938; Friedrich-Wilhelm S c h a e r, Die Stadt Aurich und ihre Beamtenschaft im 19. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der hannoverschen Zeit <1815-1866>

(Veröffentlichungen der Histor. Komm. für Niedersachsen, XXIV), Göttingen 1963; Jörg B e r l i n, Ostfriesland in der Revolution von 1848/49, Band 1 und 2, Aurich 1987 (Maschr. vervielf.). Porträt: Rötelzeichnung in Privatbesitz, davon Photographie in der Landschaftsbibliothek, Aurich.

         
Karl Naber (1900 - 1970)
         

Karl Naber entstammt einer der ältesten Bürgerfamilien Veldhausens. In diesem Kirchdorf der Niedergrafschaft wurde er am 10.5.1900 geboren. Hier besuchte er die Schule. Im Jahre 1920 bestand er die erste Lehrerprüfung. Bis 1928 war er Lehrer in Veldhausen und anschließend bis 1939 Schulleiter in Altepiccardie. Den Krieg hat er vom Anfang bis zum Ende mitgemacht. Von 1945 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1963 war er als Konrektor wieder in seinem Heimatort tätig. Hier lebte er auch im Ruhestand bis zu seinem Todestag, dem 5.3.1970. Liebe zur Natur und zur Heimat sind stets die treibenden Kräfte seines Wirkens gewesen. Karl Naber war immer ein treuer und unentbehrlicher Mitarbeiter der Heimatbewegung und des Heimatvereins. Es reizte ihn stets, durchs Moor und die braune Heide zu streifen, um selten gewordene Vertreter der Schnepfen, Brachvögel und Regenpfeifer festzustellen oder die seltenen Birkhähne und Kampfläufer zu hegen. Er war Jäger und viele Jahre Leiter eines Hegeringes. Karl Naber hat sich auch mit der Geschichte seiner näheren Heimat befasst. Er hat sich dabei um die Erforschung der Wappen von Veldhausen und Altepiccardie erfolgreich bemüht. Seine heimatkundlichen Arbeiten fanden ihren Niederschlag in Beiträgen für unser Jahrbuch und den "Grafschafter". Auch in der Erzählkunst hat er sich bewährt. Heitere und ernste Geschichten stammen aus seiner Feder. Er schreibt in unverfälschter heimischer Mundart. Stets hat er mit feinem Ohr gehorcht und erspürt, wo ein seltner Ausdruck oder eine treffende Wendung in Gefahr war, verloren zu gehen. Er hat sie dann in ungezwungener Plauderei wieder zum Klingen gebracht Die Leseabende, an denen er seine Erzählungen vortrug, lockten trotz der Reize des Films, des Radios und des Fernsehens Hörer in großer Zahl an, die gern der Quelle: Heimatdichtung der Grafschaft Bentheim. Zusammengestellt von Wilhelm Buddenberg und Dr. Hermann Heddendorp. Das Bentheimer Land, Band 79, 3. Auflage 1989, Seiten 220 - 261. Das Buch enthält mehrere plattdeutsche Erzählungen von Karl Naber. bodenständigen Sprache lauschten.

De Operation

(Lecht uut!)

Erzähler: De Klocke schleet twölm, ien deepe Röst' ligg Huus en Hoff van Harm-Oahm Nöst. Et krääit ginn' Hahn, ginn Hündken bleckt, soa still is 't, - net de Uhr, dee tickt.

De Moand de schient soa lecht düür 't Rahm en lacht üm dat, wat doat nu kwamm. Se lacht en lacht, - och cheen och cheen! Nee, soa mooi heff se 't noch nooit sehn!

Wat was doar dann, wat wööt doar spöilt? De Moand de heff 't mi wier vertäilt. Ik sull doar joa nich oawer proaten, men hier kann ik dat doch nich loaten. -

(Harm spring uut 't Berre en maakt Lecht. - Lecht an!)

Harm: Jannoa, druut, höars du soa schlecht? Ik segg di: Druut! Ik sall di ’t learen!

Jannoa: Och Harm, och Harm, wat sall gebüren?

Harm: Nu vür mi an, en ien de Kökken! Men 'n bettken schlaunk! Nich ierst antrekken!

(Jannoa vüran, et wött te bount.)

Jannoa: Du was doch gistern noch gesound! Wat hesse doch? Wat koump di an? Van Fusel koump dat doch nich van??

Harm: Loat dat Gesöar en dat Geschwoafel! Allo! Vüruut! En up de Toafel!!!

Jannoa: Wat? - Up de Toafel? - Hess 't wal goot? En sunner Kleed en Rock en Schuut?

Harm: Ik segg di: Drupp! Kauns du mi höaren? Of sall 'k di doar ok noch up büren?

Jannoa: Och Harm, och Harm, du hess 't nich goot! 0ff hess de Griepe al ien 't Bloot?? Ik haal den Dokter. Bisse nich kloar? Sall 'k ropen Hinnerk, Vaa en Moar?

Harm: Ik tell bis dree, dann liggs du laung! Ik bin wal wies - en ok nich kraunk!

(Jannoa geht liggen, se latt em frije Haund, mischien koump he dann wier 'n lück bi Verstaund! Harm geht bi de Laa' an haalt 'n groot Mess. Dat wett' he scharp en trett an 'n Disch...)

Jannoa: Och, Harm, och Harm, nu wee' 'k Bescheed. Du wiss mi kwiet! 0, wat 'n Verdreet!

(Se reart en reart en jammert still.)

Jannoa: Och Harm, och Harm, wat is 't 'n Spill! Twintig Joahr bint wi nu traut, hebt altied goot tehoape hault.

Harm: Joa, du hess recht: Ne mooie, lange Tied! En nooit Verdreet, en sunner Striet! Üm dat te hoolen, mött 't nu geböar'n. Sall 'k doarüm faks noch lange söaren? Ginn Röste heb ik mehr in 't Stroah, ok wenn ik met Hoasen (Strümpfen)an noa Berre goah. Miene Beene sind verkrappt van boawen bis unnern. Dat mött van nu an anners wödden!

(He näimp dat Mess en reckt de Haund en sett sik up den Toafelraund, um langsam, - sachte - en sunner Pien - ear de Spöane - van den Footnagels - of te schnien.)

('n ault Groafschupper Vertellsel )

         
Geesjen Pamans (1731 - 1821)
         

Geesjen Pamans wurde als Kind armer Eltern in Gölenkamp geboren. „Etwa 1768 machte sie eine schwere Krankheit durch und kam dabei zu der Erkenntnis, dass sie ein Buch über ihre geistlichen Erlebnisse schreiben müsse“. (D. Wiarda im „Grafschafter“, 2004, S. 29) -- und das obwohl sie, nach ihrer eigenen Auskunft, nur zwei Wochen zur Schule ging und in ihrer Kindheit das Schreiben nicht gelernt hatte. Irgendwann zog sie nach Neuenhaus, wo sie 36 Jahre lang in der „Upkamer“ eines Hauses des Zinngießers Arends an der Hauptstraße wohnte. Welchen Beruf sie ausübte, ist nicht bekannt. Vermutlich war sie Magd im Hause Arends; denn in der städtischen Steuerliste steht sie nicht. Sie war nicht verheiratet. Im Laufe ihres Lebens schrieb sie in holländischer Sprache drei umfangreiche Bücher über ihre religiösen Erlebnisse und Erfahrungen, die sich religionsgeschichtlich als „pietistisch“ einordnen lassen. (In Holland wird von der „Nadere Reformatie“ gesprochen, was sich mit „Weitere“ oder „Genauere Reformation“ übersetzen lässt.) Neben ihrer geistlichen Schriftstellerei empfing Geesjen Pamans in ihrer Wohnung Menschen aus den verschiedensten Ständen, die bei ihr seelsorgerlichen Rat suchten. Es ist überliefert, dass sogar Pastoren und hochgestellte Personen, zum Teil aus dem Adel, zu ihr kamen. Es darf wohl vermutet werden, dass Geesjen Pamans` Lebensunterhalt seit dem Beginn ihrer seelsorgerischen und schriftstellerischen Tätigkeit ganz oder teilweise aus Spenden stammte. In den Niederlanden werden ihre Bücher in manchen kirchlichen Kreisen auch heute noch geschätzt, denn noch in den Jahren 1980 und 1999 erfolgten Neuauflagen. Siegfried Wiarda berichtet, dass zu einer Zeit, als das alte Haus noch stand, in dem Geesjen Pamans gewohnt hatte, des öfteren Holländer nach Neuenhaus kamen, um sich die ehemalige Wohnung der Pietistin und Schriftstellerin, anzusehen. (Das Haus stand zwischen den heutigen Anwesen Hauptstr. 58 und 66. Dort befindet sich jetzt ein Parkplatz.)


Literaturangaben:
(a) Jong, P.L. de. Die Bentheimer Kirche im 18. und 19. Jahrhundert. In: Reformiertes Bekenntnis in der Grafschaft Bentheim 1588-1988, Seite 138 ff. *
(b) Lieburg, Fred van. Geesjen Pamans (1731-1821): Geistliche Mutter des Bentheimer reformierten Pietismus. In: P.H. Abels et al.; Nederland en Bentheim. Vijf eeuwen kerk aan de grens. Die Niederlande und Bentheim. Fünf Jahrhunderte Kirche an der Grenze. Delft, 2003, S. 159-173. (Hg.: Vereniging voor Nederlandse Kerkgeschiedenis)
(c) Wiarda, Diddo. Eine ungewöhnliche Frau aus Neuenhaus. Geesjen Pamans – geistliche Mutter des reformierten Pietismus in der Grafschaft Bentheim. Der Grafschafter, 2004, Seite 29 f.
(d) Wiarda, Diddo. Het huisje van Geesjen Pamans. Documentatieblad Nadere Reformatie, 29e jaargang, nr. 1, zomer 2005, p. 65-67.
(e) Wiarda, Siegfried. Neuenhaus in alten Ansichten, Band 2, 1981, Bild Nr. 18.
(f) Zum reformierten Pietismus (= „Nadere Reformatie“) vergleiche die Zeitschrift „Documentatieblad Nadere Reformatie“, die 2008 im 32. Jahrgang erschien. Herausgeber: Stichting Studie Nadere Reformatie (www.ssnr.nl).

         
 
Ludwig Sager (1886 - 1970)
 
     
 
 
         
 

Sager war Lehrer, Historiker, Natur­freund, Jäger, Verfasser hoch- und plattdeutscher Lyrik und Prosa. In einem Lebenslauf, abgedruckt im Bent­heimer Jahrbuch 1964 (S. 223), schrei­ben Wilhelm Buddenberg und Dr. Hermann Heddendorp:
Ludwig Sager wurde am 25. Januar 1886 in Schüttorf geboren. Dort be­suchte er die Volksschule und anschlie­ßend in Aurich die Lehrerbildungs­anstalten. 1906 trat er seine erste Leh­rerstelle in Getelomoor an. Von 1907 bis 1913 war er in Uelsen und seit 1913 in Lage als Lehrer und Organist tätig. 1930 kam er als Hauptlehrer nach Neu­enhaus; dort schied er 1949 aus dem Lehrerberuf aus. Seither lebt er als Ru­heständler in Neuenhaus. In seiner freien Zeit hat Ludwig Sager sich als Naturfreund mit Liebe und Hin­gabe der Jagd gewidmet. Bereits in jungen Jahren war er vom Heimatgedanken durchdrungen. Alte Zeugen vergangener Zeiten in seiner Geburtsstadt Schüttorf weckten in ihm früh einen ausgeprägten Sinn für die Heimatgeschichte; unermüdlich studierte er historische Quellen. Seit 1906 flössen aus seiner Feder unauf­hörlich Darstellungen aus der Ge­schichte unserer Heimat, die in Tageszeitungen, Zeitschriften und den Jahrbüchern des Heimatvereins er­schienen sind. Zu allen Jahrbüchern, deren erstes 1926 herauskam, lieferte er Beiträge. Ludwig Sager ist der Ver­fasser der Schrift „Die Grafschaft Bentheim in der Geschichte."

 
         
  Am Ölwall sang die Nachtigall –
aus tiefem Frieden süßer Schall!
Wer wollte da nicht gerne lauschen
statt auf Motorenlärm und -rauschen?
Gott geb`, dass uns dereinst beschieden
das Glück, zu hören sie im Frieden!
 
         
 

Seid mit gepriesen, ihr Bäche und Bächlein der Stadt!

„Alt-Neuenhaus“

Strömen von Süden die Wasser der Dinkel, zügellos flutend:
Hier leitet und hemmt sie des Menschen ordnende Hand,
dass sie ihm dienen und schaffen und treulich ihm helfen,
füllen die Gräben, beschirmend den regsamen Ort
Spritzend aus schäumender Fülle stürzen sie nieder,
treiben das Rad und mahlen das Korn und den Rübsen,
tragen geduldig gen Westen Boote mit reichlicher Ladung:

 
         
  Ich weiß ein feines Kindelein,

das sitzt am kahlen Bäumelein.
Weht auch der scharfe Märzenwind,
küßt gar der Schnee mein schlafend Kind:
Ein Glück! Die Mutter hat's bedacht
und nimmt es wundersam in acht.
Es liegt im Flaumenbettchen
von zarten, weichen Blättchen.

Ein wollen Leibchen hüllt es ein,
darüber trägt's ein Mäntelein.
Das ist fürs Kind ein Segen
bei Hagelschlag und Regen.
Der Mantel ist getränkt
mit Gummiharz! Es denkt:
Mag's draußen regnen, schnein,

kein'n Tropfen läßt er ein!
Erst wenn im grünen Grase
sich zeigt der Osterhase,
möcht ich doch gern gucken --
will früher mich nicht mucken!
Ich liege wie in Mutters Schoß --
Was für ein Kindlein ist das bloß?
 
         
  Vechte und Dinkel

Et wassen twe, de moggen sick lien,
de kwammen tesammen van't Süden glien.
Se reekten sik sake temöte de Hand,
doch möten de beiden Buß, Barge un Sand.
Män as se bint na Niehuus kommen,
dar hebbt se sik leev in de Arme nommen.
 
         
 
Karl Sauvagerd (1906 - 1992 )
 
     
 
 
     
 

Karl Sauvagerd wurde am 19. August 1906 in Gronau (Westfalen) geboren. 1910 zog die Familie in die Grafschaft Bentheim nach Wilsum. Er erlernte das Schneiderhandwerk von 1920 bis 1924 und legte 1931 seine Meisterprüfung ab. Er arbeitete, unterbrochen durch die Soldatenzeit von 1939-1945, selbständig in Neuenhaus. Karl Sauvagerd starb am 6. Februar 1992 in Uelsen. Bis nach Kriegsende schrieb er unter dem Pseudonym „Lyrikus“ in Zeitungen und Heimatkalendern viele Verse und Gedichte.

De Groafschup is et mojste Land,
watt up de Erde ligg,
in Ost en West, in Süd en Nord,
giff’t mojre Länties nich!

Heinrich Kuiper hat ein Gedicht als Nachruf auf Karl Sauvagerd geschrieben, Jahrbuch 1993, Seite 267

Karl Sauvagerd

Met dij is ut de tied een goan,
den to de besten schriewers taild.
Völ guuds hes föör de heimat doan,
du füns doorin’ n riek arbäidsfäild.

Hes fliedig schrewen lewenslang,
en was du schreefs, hef’n hogen weerd.
doorföör verdeens du lof en dank,
en völ löö gif’ t, dee dij vereerd.

Söögs in de modersproak nen schat,
grafdes em ut en höls em fast.
Leef has de Groafschup, leef us Plat
en bloom’ n, de an de wege wasst.

Käinde al eer’ n naam, en rök en klöör
van iieder blööjssel möök dij blied.
Dröögs wundermooij gedichte vöör,
was’ t net, as of de klokken lüüd.

Beschäiden güngs dien lewenstroat,
groten platdüütschen dichtersman.
Nu güngs den weg, den alle goat.
In diene Böker leews verdan.

Heinrich Kuiper

 
     
 

„Oawend an de Dinkel“

In Nijnhuus latt et sik wal leewen,
dat Bähntien dat sorgt för Verkehr,
so`n bettien natt is`t mangs in Nijnhuus,
men nu, dat bettert ok wal weer.

 
     
 

Heergods Natuur

O maakt nich alle grund torecht
tot akkerland, tot maat en weide,
laat hier en door een hökien frij,
een strepien fen, een stückien heide, 
dat hier en door een steechien blief
soa, as et uns de Heergod gif.

O haut nich alle hegen fut,
verbrant nich all' de brömmelbüsche,
en maakt nich alle kölke to,
woor wild noch grööjt wee'n, lois en rüschen.
Laat wassen doch den gellen braam,
den wagebus, den barkenbaam!

Noch is't in unse Groafschup moij:
O sorgt doch, dat dat so mag blieven!
Wij möt uut unse Moderland
nich alle moijigheid verdrieven!
En'n moijsten goorn up de duur,
dat is en blif doch Gods natuur!

Drüm maakt nich alle grund torecht,
tot akkerland, tot maat en weide,
laat hier en door een hökien frij,
een strepien fen, een stückien heide, 
dat hier en door een steechien blief
soa't unsen Leven Heer uns gif.

 
     
 
Jan Smoor (1905 - 1993 )
 
     
 
 
     
 

Dichter hinter dem Pflug
In Alte Piccardie starb am 15. Februar 1993 der Altbauer Jan Smoor. Er wurde 87 Jahre alt. Jan Smoor hat sich um seine engere Heimat verdient gemacht. Plattdeutsch und hochdeutsch, in Poesie und Prosa, schrieb er seine Erlebnisse und Empfindungen nieder. Gleichsam hinter dem Pflug entstanden seine »Tausend Verse«, in denen sich das menschliche Leben mit seinen Höhen und Tiefen und das Werden und Vergehen in der Natur widerspiegeln. Unzählige Arbeiten blieben der Nachwelt im Heimatschrifttum der Grafschaft Bentheim erhalten. Zu ihnen gehört nicht nur eine zusammenfassende Geschichte der evangelisch-reformierten Kirchengemeinden. Während des Zweiten Weltkrieges hat der Verstorbene Kriegserlebnisse, soweit sie Alte Piccardie und die Umgebung betrafen, sowie die Schicksale der heimgekehrten Soldaten, der Gefallenen und Vermissten chronologisch festgehalten. Neben dem Ernst des Lebens stand bei Jan Smoor auch immer der stille, tiefgründige Humor. Das machen seine lustigen Erzählungen und die von ihm verfassten Bühnenstücke deutlich. Jan Smoor liebte seine angestammte Heimat sehr. Um so weniger Verständnis brachte er für großräumige Entwässerungs- und Erschließungsarbeit auf, durch die einst wertvolle Naturreservate in Moor und Heide gefährdet wurden. Wenngleich auch der Verstorbene zeitlebens ein Niedergrafschafter Landmann von echten Schrot und Korn geblieben ist, zog es ihn doch immer wieder in die »weite Welt«. Insbesondere die Tiroler Berge hatten es ihm angetan.
Mit Jan Smoor verloren die Freunde der Grafschafter Heimat einen tatkräftigen Mitstreiter, dessen Andenken sie stets in Ehren halten werden.

 

De Groafschupp

De Grafschup Benthem is nich groot,
Froger löpen se tefoot,
dwass de döar in söwen Stund’.
Men wis du int Lang’ de döar,
dann geht van Ohne bis noa Loar
nen heelen End int Rund.

De Groafschup is’n Buurenland.
Wij hebbt bij uns ne Masse Sand.
Lück Kleij, en oarig Venne.
Hooge Barge binnt hier nich.
Uns’ Land an Lee en Vechte ligg.
Heel flack, soawiet ick’t kenne.

In de Groafschup is Notthoarn
de grödste Stadt, doar makt sie Goarn.
Un brukt et dann tot’ Weven.
In de Groafschup kump upstund,
Gas en Öllie ut de Grund.
Dat heww Arbeijd gewen.

In de Groafschup proat wij Platt.
Menn int Dorp en in den Stadt,
wott de platte Sproake minner.
Doch doar bin’k van oawertügt:
Um dat uns unse Sproake nögt,
geht se doch nich unner.

Jan Smoor

 
     
 
Hermann Stahl
 
     
     
     

Hermann Staal ut Nynhus, schrieb mit 12 Jahren am 15. Juli 1944 Noaberplichten in ounsen Hook

Froger enn vandage
Wenn froger eene bi ouns in’n Hook tröck, dann muß he eärst Noaberschup annemmen. Dann güngen de Fraulöö van de Noaberhüüse hen Füüranböd’n. Se nömmen nen Torf mett, en dann muß de neye Noabersche ‚n lecker Köppien Koffie setten. Plässies van Humbrink off van Brookmanns Jan en dicke Beschüten mett brunen Zucker gafft d’rbi. Se satten dann ‚n paar Uer te kwaken, en dann was de Noaberschup annommen. De Noabers hölpen sick owerall bi. Wenn in een Hus ‚n Kind geboaren was, dann muß dat in de heele Noaberschup anseggt wodd’n, enn bi de Dööpe wadd’n se d’r ock alle weär met bi. De Noaberfrauen höllpen ock alle mett, enn de eene kwamp mett’n Weggen, de andere brachde Tee of Koffie mettDoar fierden se dann Dööpvisite mett. De wiese Moar rekkde dann datt Kind round en kreeg van ieder de se’t up’n Arm gewen hadde, ‚nen Tückstüwer. Bi Starwgefallen muß bi denn Doaden waakt wodden. Verkleden en fattwarken mussen de Noabers ock dohn. Bi’t Begrafnis mussen de nöächsten Noabers dregen, en den nöächsten Noaberfrauen mussen bi de Growe helpen, want dann kwamp de heele Familie enn de Noabers enn de Künnigschup upp de Koffie, enn de Noaberfrauen mussen inschenken enn anreken en wat d’r noch anders noch all’ bi te dohn was. Et gaff bi de Koffie Botterkoken en Plässies, enn de Mannlö kreegen noarand ock noch ‚n Söpien enn ‚ne Sigar off watt vöär de Piepe.

`n moj Fest in de Noaberschup was ait de Slachtvisite. Junge, dann wödd’n de Finnen offwaschet met nen aulen Kloaren off `nen guden Bittern. `s oawends gafft dann `nen Suurbroaden in de Panne. Aßt effen günk, dann haalden denn eenen off `n annern Noaber de Oaren off de Pööties weg van dat Swien, wat an de Ledder hünk. Eenmoal hadde doar doch eene de heele Lewer weghaalt en nu kunn he doar moje Lewerwost van maken. Soawat kunn’ ginn Mäinsche kwaoalik nemmen, want dat was’n Noaberrecht. De slacht hadde, de muß up sein Swien gut uppassen. Se, dat waß’n soa de Noaberrechten en Noaberplichten. Dat möjste waß, de Noabers höllen tehoape as Dreck an’t Rad. Soa hebbe ik dat van miene Aulers ait höärt, datt’ froger soa höllen wödde. Nu is’t mischien nich nett owerall meähr soa, want de Tieden bint anders wodden, menn de Noaberschup wott doch bi de meesten Löö noch wall hoch hollen.

     
Julius Sudendorf (1815 - 1893 )
     


Julius Sudendorf, der in etwa das letzte Drittel seines Lebens in Hilten bei Neuenhaus wohnte, war ein bedeutender Erforscher der Geschichte des Osnabrücker Landes, wie die folgende Eintragung im „Biographischen Handbuch“ zur Geschichte dieser Region zeigt:
SUDENDORF, Julius, geb. am 9. 9. 1815 (Badbergen), gest. am 6. 9. 1893 (Hilten), Amtsgerichtsrat. Nach dem Jurastudium wurde S. zunächst als Auditor beim Amt Vörden eingestellt, jedoch schon 1844 nach Osnabrück versetzt, wo er nebenamtlich das Landdrosteiarchiv ordnete und verzeichnete. 1852 zum Amtsrichter ernannt, konnte er diese Aufgabe noch bis 1854 fortführen, bevor er nach Aurich ging. Während seiner Osnabrücker Zeit gehörte S. zu den Mitgründern des „Vereins für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück“, dessen zweiter Vorsitzender er bis 1854 war. In diesen Jahren verfaßte er auch mehrere Beiträge zum Thema der Osnabrücker Geschichte in den „Osnabrücker Mitteilungen“. Zusammen mit seinem Bruder Hans S. (1812-1879), Staatsarchivar in Hannover, veröffentlichte er 1840 die „Beiträge zur Geschichte des Osnabrücker Landes bis 1400“. Über Polle und Lingen kam S. schließlich als Amtsrichter nach Neuenhaus, wo er bis zu seinem Tode tätig war. Wissenschaftliche Arbeiten brachte er jedoch nicht mehr heraus.

(Biographisches Handbuch zur Geschichte der Region Osnabrück, bearbeitet von Rainer Hehemann; Hg.: Landschaftsverband Osnabrück e.V.; Rasch-Verlag, Bramsche, Seite 286. -- Als Literatur ist ein Nachruf in den „Osnabrücker Mitteilungen“, Nr. 18, 1893, S. 327 f. angegeben

Im Bentheimer Heimatkalender erschien im Jahre 1935 (S. 90 f.) ein hochinteressanter Aufsatz aus Sudendorfs Feder mit dem Titel „Die Bauerschaft Hilten mit dem Hünenberge“. Der Artikel wurde in Sudendorfs Nachlaß gefunden, wie Heinrich Specht in einer einleitenden Würdigung dieses Geschichtsforschers mitteilt. Specht deutet an, dass sich in dem Nachlaß noch weitere Arbeiten befanden. (Möglicherweise befinden sie sich heute im Archiv des Grafschafter Heimatvereins.) Sudendorf betont in dem genannten Artikel, dass die Bauerschaft Hilten in alten Zeiten – d.h. vor der Gründung des Kirchspiels Veldhausen und der Stadt Neuenhaus – flächenmäßig sehr umfangreich war und politisch zum Gau Twente und zum Bistum Utrecht gehörte. Die heutigen Gebiete Veldhausen, Neuenhaus, Buitenborg, Binnenborg, Teich und Thesingfeld, das alles habe zu Hilten gehört. Diese „ungeheure Mark“ sei fast überall von dichtem Wald bedeckt gewesen. Der „Hünenberg“ (damit sind sicher die „Negenbarge“ gemeint) sei „das Heiligtum der Nord-Twente“ gewesen. (Literaturangaben enthält der Beitrag leider nicht.) Anzumerken ist hierzu, dass die Grafen von Bentheim ihren Machtbereich damals noch nicht auf die Niedergrafschaft ausgedeht hatten. Die heutige Niedergrafschaft galt als die „Nord-Twente“; kirchlich und politisch gehörte sie zum Bistum Utrecht. (1) Specht teilt in seiner Würdigung Sudendorfs mit, dass dieser als Amtsrichter viel mit der gerichtlichen Abwicklung der sogenannten „Ablösung“ befasst war, d.h. mit der Auflösung der „Leibeigenschaft“(auch „Eigenbehörigkeit“ genannt) gegenüber einem Grundherrn.

Sudendorf ließ für sich und seine Familie das auch heute noch sehr beeindruckende Haus Uelsener Straße 41 erbauen, das sein Sohn, der nach Amerika auswanderte, an Georg Meppelink verkaufte. Hinter dem Hause liegt ein schöner Park, so dass man hier von einem „Landhaus“ im alten Stil sprechen kann. Das Anwesen ist heute im Besitz einer Enkelin Georg Meppelinks. Ihr Vater Johann Meppelink war Bahnbeamter bei der Bentheimer Eisenbahn und eine stadtbekannte Persönlichkeit, wie ältere Neuenhauser sich erinnern werden. Sudendorf hat also in Neuenhaus nur durch den einen erwähnten Artikel „geglänzt“ – und durch den Bau seines Landhauses. Ich meine aber, dass diese beiden Leistungen es rechtfertigen, ihn in diesen Beitrag über Neuenhauser Schriftsteller aufzunehmen.



Anmerkung:

(1) Zur frühen Geschichte der Twente und der Grafschaft Bentheim vergleiche das Buch „Aldenselen in Twinta“ von Gerard Seyger, erschienen 1998 bei der Drukkerij Verhaag, Oldenzaal. Das Buch wird besprochen von Gerard Vaanholt in der Zeitung „De Twentsche Courant/Tubantia“, 11. November 1998, S. 29.

     

Carl van der Linde (1861 - 1930)

         
 
 
         

Carl-van-der-Linde wurde am 4. April 1861 in Veldhausen geboren. Nach dem Schulabschluss machte er von 1874 bis 1878 eine Buchdruckerlehre/Schriftsetzerlehre bei Kip und Lammersdorf in Neuenhaus. Von August 1878 bis 1880 wanderte und arbeitete er in Norddeutschland bis zur Ostseeküste, Süddeutschland, Östereich, Norditalien, Ungarn, Schlesien und Sachsen. 1884 trat er eine feste Anstellung beim Hamburger Fremdenblatt an. Neben seinem Beruf veröffentlichte er satirische Gedichte in verschiedenen Zeitschriften.

1911 kehrte er in seine Heimatstadt Veldhausen zurück. Er widmete sich dem Verfassen von Gedichten und Geschichten in plattdeutscher Sprache. In ihnen beschreibt er die Charaktere der Grafschafter, deckt menschliche Schwächen auf und hält ihnen auf unterhaltsame und humorige Weise einen Spiegel vor. Auf diese Weise wollte er die Menschen zum Nachdenken anregen.

Durch seine Veröffentlichungen wertete Carl-van-der-Linde das Grafschafter Platt als Schriftsprache auf. Sein erstes Buch Grappen und Grillen erschien 1930 kurz nach seinem Tod. Carl van der Linde starb an einem Herzinfarkt am 13 Januar 1930 im Evangelischen Krankenhaus in Neuenhaus und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Neuenhaus beigesetzt. In einer bescheidenen Pappschachtel, die seinen literarischen Nachlaß barg, lag zu oberst als letzter Gruß an seine Freunde, Verehrer, Mitstreiter und Leser folgendes Gedicht:

Y möt nich truren, wenn ick starwe! Dat is heelmoals nich noa mien Sinn,
Uem dat de Doad för my dat Beste, Wat ick an’t heele Lewen finn!
Dat Starwen schrickt my nich as andre, goah gerne hier ut disse Welt,
wo sick den heelen Dag de Menschen met Mißgunst, Haß en Sorgen quällt.
Doarüm nich reeren, wenn ick starwe! Reer Y ok, wenn dat Gröss wot soar?
Reer Y ok, wenn de Blomen welkt enn ander Planten ieder Joahr?
Weest men pleseerig, wenn my endliks heff to sick ropen Gott de Heer!
Richt’t doarnoa in, dat wy uns alle trefft alltehoape bowen wer!

         
 

Januar
Dat Lewen is nich lichte,
Men noch son swatt Gesichte
En all dat Jammern, Kwaaken
Kann't ok nich anders maken.

Men de verstand'gen Menschen
Dat Lewen nich verwenschen.
Geht ok soa völle miß,
Se nemmt, as't is.

Februar
De Stolz en de Dummhäit,
dat sind son paar Schoape,
De Stolz en de Dummhäit
sind altied tehoape,
De Stolz en de Dummhäit
hebbt bäide een Klör,
De Dummhäit en Stolz, dat sind Süster en Brör.

März
Wenn ene Unglück hebben sall,
Dann fallt he ower'n Stroahspier all,
Breckt sick be Been, heff grote Ploage
En stott nen Schosteen sick in't Oage.

 
         
 

Mien Aulershus

Doar vöar in't dorp, doar stünd en hus,
Dat kann ick noit vergetten,
Doar he'ck miene klümpies, de ersten de'ck harr,
Met trippeln en trappeln versletten.

Ick seh' noch mien moder, de flietigste frau,
Van morgen bis oawend sick ploagen,
Ick seh' noch de winkel met allerläi tüüg, 
Met elle, gewichte en woagen.

Ick stell' my noch vöar ieder kamer en hook,
De köcken, de dälle, de lange,
De ieserne heerd en dat glöiende füür,
De röäster, de püster en tange.

De swattbunte katte ick düdlik noch seh'
Doar liggen by't füür up de plate,
Ick seh' noch mien moder, de flietigste frau,
In de floar de gliewen en gate.

Völl hebb ick vergetten, wat fröger geböört,
Wat wall van belang, üm te wetten,
Men vöar in't dorp mien aulershus
Dat kann ick noit vergetten.

 
         
 
Hartmut Viehoff
 
         
 

Viehoff, der 1946 in Neuenhaus geboren wurde und hier seine Kindheit und Jugend verbrachte, lebt heute in Münster, wo er bereits als junger Mann am Prinzipalmarkt ein Optikergeschäft gründete. Er hat im „Grafschafter“ (1971, Seite 782 und 792) zwei kurze Beiträge veröffentlicht, die sich als Prosalyrik bezeichnen lassen. Den einen von ihnen – mit dem Titel „Neuenhaus“ -- möchte ich hier vollständig zitieren:
Nah und doch fern liegt nach zwölf Jahren der Abwesenheit meine kleine Stadt inmitten der Heide, Moore und Hügel.
Wie schön, wieder daheim zu sein, den Spuren einer längst vergangenen Kindheit folgend alte und neue Bekannte zu treffen, plaudernd durch die kleinen Gassen zu gehen, die ihr altvertrautes Gesicht nie zu verlieren scheinen.

Die alte Marktkirche mit dem beruhigenden Schutz ihrer festen Mauern, unter denen sich mein neues und doch altes Neuenhaus erstreckt und von deren Turm heute wie damals der wohlbekannte Ton der Glocken ruft, als wollten sie einen willkommen heißen. Welch innere Beruhigung, viele dem Fortschritt noch nicht anheim gefallene Bauwerke zu entdecken.
Dort ist die alte Schule mit meinem Klassenraum, in dem ich minutenlang verweile und Stunden an mir vorüberziehen lasse, unser Rathaus, wie eh und je. Und du, mein Neuenhaus, hattest Geburtstag, 600 Jahre wurdest du alt.
Hast viele Stürme über dich ergehen lassen müssen, aber du hast dich tapfer gehalten, und ich bin gekommen, um dir nach langer Zeit zu gratulieren.
Meine Kindheit, die schön und glücklich war, habe ich in deinen Mauern verbracht. Darum bist du für mich Heimat. Wenn einmal die Zeit gekommen ist, kehre ich heim, denn fast zärtlich warst du, Neuenhaus.