Federzeichnungen
         
 

Auf der Zeichnung dominiert die 1684-1686 gebaute ev.-ref. Kirche, die von einigen Häusern mit Pfannendächern umgeben ist.

Das Foto mit ähnlichem Standort zeigt, dass die Turmspitze der Kirche erneuert und mit einer Uhr samt Zifferblatt und Zeigern ausgestattet ist, vermutlich weil die weiter unten am Gie­bel noch vorhandene Sonnenuhr den modernen Zeitansprüchen nicht mehr genügte. Insgesamt gesehen ist der damalige Zustand des Jahres 1733 durchaus ver­gleichbar mit der heutigen Situation. Der zentrale Platz vor der Kirche ist auch heute noch im Ort vorhanden, ebenso die Wege, die links nach Uelsen und rechts an der Kirche vorbei nach Veldhausen führen. Allerdings bewegten sich auf den da­maligen Wegen, wie die Zeichnung zeigt, charmante Personen. Heute sind es glitzernde Autos...

 
         
 
 
         
 

Neuenhaus, Markt und Kirche, Federzeichnung, laviert, 147x222 mm. Beschriftung: - Tgraafschap Benthem - Meyling - de markt en kerk tot niwenhuys in t graafschap benthem

Erläuternder handschriftlicher Text von Schoemaker, niederländisch transkribiert; Niwenhuijs - Een open stadje [steedye] gelegen in het graafschap Bentheim tussen Velthuijsen en Overijssel omtrent drie uur van Ootmarsum ten noorden aan een riviertje dat metzijn vertakkingen door Overijssel en het graafschap loopt, een klein uurtje van het dorp en het huis te Lage en dus in drie bijzondere gezichten naar het leven getekend door de tekenkunstbeminnaar Meyling in het jaar 1733.

Beschriftung ins Deutsche transkribiert: Grafschaft Bentheim - [signiert] Meyling-Markt und Kirche in Neuenhaus in der Grafschaft Bentheim -Anno 1733 Neuenhaus - Ein offenes Städtchen in der Grafschaft Bentheim zwischen Veldhausen und Overijssel, etwa drei Stunden nördlich von Ootmarsum an einem Flüsschen, das mit seinen Nebenflüssen durch Overijssel und die Grafschaft fließt, eine kleine Stunde ent­fernt vom Haus Lage. In dreifacher besonderer Weise vom Liebhaber der Zeichenkunst, Meyling, im Jahre 1733 gezeichnet.

 
         
         
         
 

Neuenhaus hatte bereits seit 1370 Stadtrechte und Anfang des 15. Jh. Wallanlagen mit Stadttoren, die die Bürger der Stadt schützen sollten. Auf der Zeichnung sieht man ein solches Torgebäude, die sogenannte „Uelsener Pforte“, die nicht nur der Sicherheit diente, sondern auch eine finanzielle Einnahme­quelle der Stadt darstellte. Hier wurden nämlich auf bestimmte Waren Wegegeld und Zölle erhoben. Als Meyling die Wall­anlage mit dem Stadttor zeichnete, diente es auch noch als Gefängnis. Die „Uelsener Pforte“ wurde 1795 von französischen Truppen teilweise abgerissen, und als der Verkehr von Lingen über Neuenhaus nach Almelo und Hardenberg stark zunahm und hochbeladene Fuhrwerke nicht mehr durch das Tor hindurchfahren konnten, wurde es 1860 vollends abgebrochen.

Dem handgeschriebenen Text ist nicht deutlich zu entnehmen, ob Schoemaker „wal“ oder „wak“ gemeint hat. Da die Uelsener Pforte von Torwächtern be­wacht wurde und zudem ein Gefängnis hatte, deutet die Gemeinde Neuenhaus den Begriff heute als „wak“ (Wache), während der Konservator Jhr. A.J. Gevers vom H.C.O. in Zwolle die Handschrift von Schoemaker als „wal" (Wallanlage) inter­pretiert. H. Voort verwendet in seinem Artikel „Die Tore der Stadt Neuenhaus“ folgendes Zitat: er ging 1664 wandelen op den wall tusschen die Ulser en Velt- huser poort“. Wir sprechen in diesem Artikel von „wal“ = Wallanlage.

 
         
 
 
         
 

Abb. 12:Neuenhaus, die„UelsenerPforte“, Federzeichnung, laviert, 141 x 214 mm. Beschriftung: Tgraafschap benthem - Meyling - aan de wal tot niwenhuys - Anno 1733

Ins Deutsche übersetzt: Grafschaft Bentheim - [signiert] Meyling - Am Wall von Neuenhaus - Anno 1JS3

 
         
         
         
 
 
         
  Das Foto zeigt die heutige Situation: Von der „Uelsener Pforte“ ist nichts mehr vorhanden. Um doch noch in etwa eine Vorstellung von „Damals“ zu bekommen, ist auf dem Foto eine Strich­zeichnung angebracht  
         
         
         
 

Auf der Zeichnung ist links im Vordergrund eine Brücke mit Torhaus zu sehen, die über einen Schutz­graben, vermutlich die Dinkel, zur Burg „Dinkelrode" führt. Graf Johann II. zu Bentheim ließ 1317 am rechten Ufer der Dinkel eine Wasserburg errichten, die den Namen „Dinkelrode“ erhielt (abgeleitet vom Flussnamen „Dinkel“ und vom Be­griff „Waldrodung“). Die Burg war allseitig von Wasser umgeben und hatte vor allem strategische Aufgaben zu erfüllen wie den Schutz gegen feindliche Übergriffe und den Schutz der Handelsstraße Münster-Amsterdam.

Von der Burg „Dinkelrode“ ist an Bausubstanz nichts mehr vorhanden. Urkundlich ist festgehalten, dass Neuenhaus 1628 Einquartierung von kaiserlichen Truppen erhielt, die hier mehrere Jahre lagerten und von denen berichtet wird, dass sie Wälle und Mauern der Burg Dinkelrode verwüsteten. Eine nahe liegende Kapelle wurde wegen Baufälligkeit 1770 teilweise und hundert Jahre später (1870) vollends abgerissen. Wann die Burg selbst aufgegeben wurde, ist nicht genau bekannt. Heute befinden sich auf dem ursprünglichen Gelände u.a. die lutherische Kirche (auf Abb. 13A im Vordergrund) sowie das lutherische Gemeindehaus, einige Wohnhäuser und Parkplätze.

 

 
         
 
 
         
 

Neuenhaus, Burg „Dinkelrode", Federzeichnung, laviert, 146 x 214 mm. Beschriftung: Meyling - De borg tot niwenhuys genaampt dinkelrode -Anno 3733

Ins Deutsche übersetzt, transkribiert: [signiert] Meyling - Die Burg bei Neuenhaus, genannt Dinkelrode -Anno 1733

 
         
 
 
     
  Das Foto zeigt die Front der lutherischen Kirche. Hier muss die Burg „Dinkelrode“ gestanden haben. Um dies zu veranschaulichen, ist auf dem Foto eine Strichzeichnung angebracht Die auf dem Foto im Vordergrund sichtbare asphaltierte Straße ist vermutlich der frühere Schutzgraben gewesen.