Karl Sauvagerd

         
   
 
 
 
Gråfschupper Plat

De schole leert uns hoogdüütsch, — dat
is ok wal guud, wij leert d'r van allen
ok wat; men så as se uut is, — dan
störm wij d'r uut, en dan pråt' wij
Gräfschupper plat!

Wij möt't ok jå stil wee'n, uppassen en
leer'n, mangs is dat föör uns wal 'n lük
had, men wat uns nich swoor falt en
wat wij leert geern, dat is unse
Gräfschupper plat.

Door kump ok gin „mir" en gin „mich"
bij tepass', licht, eenfach is all's, en så
kloor; as't hoogdüütsche ok men så
eenfach is was, dan leerd' sik dat ok
nich så swoor.

Bij 't warken, bij 't schriewen, bij 't
rekken en tell'n de hoogdüütsche
språke guud lat, men nich bij 't
pläseer, — nich bij lachen en spöll'n,
doortoo past alleen unse plat!

 


Dat pråt' wij in huus, en dat pråt't unse
aul'n, Gråfschupper van t land, van de
stad, see alle wilt fast an de Gråfschup
doch hool'n, en doortoo höört
Gråfschupper plat.

Dat klingt nich så wies en geleerd en så
kauld, dat lut nich så spits en så had,
dat klingt sacht en smöö, — 't is wal
dusend joor' auld, unse deftige Gråfschupper plat.

Wij acht't alle språken, könt allerläi leer'n, men eene, dee lig uns an't hart:
door sin wij met upbracht, dee hol wij in eer'n, dat is unse
Gråfschupper plat.
En eens wet wij ok: unse språke, dee blif, as völ ok vergåån möt anpat:
sålang' as 't hier Gråfschupper menschen noch gif, sålang' gif't ok Gråfschupper plat!
 
         
 

In’n Höäjwegg

Elsenstamms Hinnerk, dee ut de Emmelkâmper Streek stammde en bij Elsenstamms introut was, keek dröämachtig vöör sick hän. Dann keek hee noa’n Hoalboam en sää: „Door kann ik u ock noch wal wat van vertellen.
Woor dän Wegg van Emmelkâmp noa’t Volzel geht, is doch soa ‘nen kläinen Sietenwegg, nich? Dän Höäjwegg seggt se doortoo. Door wollen Löö ock al faker wat sehn hebben, en wel benout was, günk door soawends nich langs, as hee nich muß. Door heff ock is moal eene ‘nen Spook sehn. Froger was door ‘nen oulen Schäper weßt, dän kunn wohrseggen, nich? Door woll ock is moal ‘nen Buurenknecht hän en sick wohrseggen loaten, nich? Men nett up den Dagg was den Schäper storwen; men dat wüß dee Knecht joa nich, nich? Anders was hee door ja nich hängoahn, nich? Dän Knecht günk door bij’n Höäjwwegg langs, nich? Door sögg hee up’tmoal midden up de Wegg ‘n Lecht, nich? Hee bleef stoahn en keek sick dat an, nich? Door söög hee up’tmoal dän Schäper de Wegg langs kummen. Dee Knecht günk up em too en sää Gunnoawend, nich? Men dän Schäper keek em gaarnich an, nich?, en antwoorde em nich. Dän Knecht wolle em anpatt wat froagen, nich? Men door was de Mann futt, en dat Lecht günk alle men hän en weer oawwer dän Höäjwegg, nich? Door kreeg dän Knecht dat met’n Schrick to doon, nich?, en lööp in’n vullen noa Huus.
Dän ândern Dagg höörde hee wal, dat dän Schäpeer de Daag van te vöören al storwen was, nich? Hee hadde em düß doch gaarnich mehr temötekummen können, nich! Was dat nich arig?
 
         
 
De Groafschup Benthem

 

De Groafschup is et mööjste Land,
wat up de Eerde ligg;
in Oost en West, in Süd en Noord
giff’t mööjre Läindties nich.
Söökt owerall men, woor ij willt –
ginn bettre Gegend giff’t.
De Groafschup is doch ‘t mööjste Lând;
soa is et en soa bliff’t.

In Bênthem, Gillhus is et mooj.
mooj in de Barge wal,
en doorbij Ülsen, Wilssem ock,
mooj is’t hier owerall.
De heele Groafschup is ‘n Stoat –
ginn mööjer Lând ik kenn.
Men sött hier Barge, Häide, Buß
en Moaten, Lând en Fenn.


Soa röstig en soa still is’t hier,
völl mööjer doorüm ock
as in de Stadt; door geht et joa
den heelen Dag soa drock.
Goaht men is noa de „Großstadt“ hen
met all den Hoast en Drifft –
de Groafschup is doch ‘t mööjste Lând;
soa is et en soa bliff’t.

 

 


Hier in de Groafschup sind de Löö
olldags flietig an’t Wark,
en söndags treckt se mooj sik an
en goaht dann noa de Kark.
Dann dânket ehren Heergott see
för dat, wat hee heff doan –
soalang hier Gottvertrouen is,
könn wij nich ûndergoahn.

Mooj is’t hier, as de Häide blööjt –
wat sött dat prachtig ut!
En is’t mooj Weer, dann goah wij ock
int Sommer söndags ut.
De Vögel singt, de Quellen springt,
de Sünne schient en lacht –
wat heff de Heergott ûns doch hier
hengewen för ‘ne Pracht.

Joa, an de Groafschup holl wij fast,
soalang dat Hart noch kann –
en wij weet’t dat: As doat wij sind,
de Kinder warkt verdann.
En wij vertrout up ûnsen Gott –
ginn bettre Hölpe giff’t:
So is de Groafschup ‘t beste Lând –
dat is et en dat bliff’t.

 
         
 
Benthem

In Benthem up de Klippen,
door is’t in’t Sommer fein,
door stoaht soa nüwer Böämkes,
oor waiht de Luft soa rein.

Ik kiek eerst up de Klocke,
is dat ock nicht te wiet?
Et is Keteer vöör söwwen,
bis negg’n Uhr hebb ik Tied.

Ik goah sonn Ströätken ruppes
un komm bi’t Slott nu weer –
de Lüüde küürt vandage
all van dat feine Weer.

Un goah ik döör de Klippen
bis heel noa Schüttrup noch,
dann mott ik alltied seggen,
mooj is’t in Benthem doch.

Vull Lüüde goaht noa’n Berge,
want bi de Kuhlen door,
door is de Freilichtbühne
nu al verscheiden Johr.

Is’t in de ganße Groafschup
ock moal ΄n Johr slimm natt –
Benthem ligg hoach en drüüge
(wenn’t nett nich rääg’nt, hett dat).

Goah’k noa de Köllenpütte?
Ik glöäwe wal, dat doo’k –
ock döör de groate Moate,
bis heel noa’n Sieringhook.

In Benthem up de Klippen,
door waiht de Luft soa rein,
in Benthem up de Klippen,
door is et alltied fein.

 
Emmelkamp


Et lutt in’t Darp – ‘t is Söndagmargen,
van’n Bahnhoff komm ik, heel alleen,
bin nu weer hier, vandage will ik
mij Emmelkâmp is weer ansehn.

De Löö, de goaht nu noa de Karke,
ock Buren, de bij’t Karspel höört,
te Foote völl, of up de Fietse
en ock wal wat met Waag en Peerd,

Et leßte Moal was’k bij de Mölle,
günk door so’n bettien up en daal,
de Möller kweimp jüst ut de Dööre;
hadd up de Rügge ‘n Büültien Mahl.

de Buur met schoane witte Klûmpe,
ümdat hee ait in Klûmpe lopp –
koult is ‘t de Hând‘ mött’t in de Büüste,
ne swatte Pette up ‘n Kopp.


Vandage sall’t d’r still wal wesen –
ik goah nu hier bijt Dênkmoal langs,
liek ut, dan dör de Köttelstroate,
door güng ik froger ock wal mangs.

Ik goah nu noch is weer noa’t Water
en kiek mij alles noch moal an –
du nette Dörpien an de Vechte,
van middag mött ik al verdann.


Bij Assen en bij Büssemaker,
door bin ik wal al vaker weßt,
man noch völl vaker an de Vechte,
en bij „Wilmina“ ock toleßt.

De Kark is ut, ik seh dat Volk al,
de Wind dee puust weer koult en scharp –
nu mött ik Emmelkamp verloaten –
et lutt in’t Darp – et lutt in’t Darp …
 
         
 
Nijnhuus


Woor in de Vechte flööjt de Dinkel,
door ligg ne mooje kläine Stadt,
de „Hauptstadt“ van de Undergroafschup,
ij weet’t joa wal, Nijnhuus is dat.

Dat Flootwark an de Löägsche Stroate,
Stadtgraben en Wall rûnd üm de Stadt,
de Dinkel, dee nu reguleert is,
all dat is ΄t Ansehn weert anpatt.

Kûmp man van Hilten, krigg man foort al
dat Landrats=Hilfsamt to Gesicht,
men ock ΄t Katasteramt heff Nijnhuus
en is ock „Sitz“ van’t Amtsgericht.

As’t Marktdag is, dan komm de Buren
te Foot, met Wagen of upt Rad –
met Beeste, Peere, Schoape, Biggen
goaht se dan alle noa de Stadt.

Bij Sommertied, as’t düftig heet is,
dann is’t in Nijnhuus ock mangs drock,
dann geht’t ant Baden in de Dinkel
en mangs wal in de Vechte ock.

En winterdags? Nu, Olljohrsoabend
fangt se to bäiern an met Macht,
de Nachtwacht treckt dan döör de Stroaten
en Jûnk en Ould „achter de Wacht“.

In Nijnhuus latt et sik wal leewen,
dat Bähntien dat sorgt för Verkehr,
so’n bettien natt is’t mangs in Nijenhuus,
men nu, dat bettert ock wal weer.

 
Wilssem

„Wilsum ist so wohl gelegen,“
süng’n de Kinder froger al
en dan güng’n se door ant Flegen –
in de Barge kann dat wal.

Wilssem ligg hoast heel in’t Gröne,
Löö hollt hier wal van Natur,
en nen Goorn heff iedereene,
Koapmann, Ambachtsmann, Pastuur.

Lange bin ik nich mehr hier weßt,
men nu bin’k d’r is moal wier,
nu goah ik de Häidepättkes
alle noch is moal wier düür.

Seh, de mooje nijje Schoole,
nette Burenhüüse all,
ik glöäw, de Wilsmer sind soädöänig
met alles up de Hööchte wal.

Van de oulen Hünengrawe
ik hier al nich völl mehr finn,
düür de Barge, düür de Häide
goah ik nu noa Wilssem in.

Nicht to natt en nich too dröäge
is et hier, friß is de Lucht,
hier ne Becke, door ne Becke,
dee hoult Lând en Wäiden sucht.

Rûnd üm Wilssem Barge, Häide,
heel für sik ligg Wilssem door –
„Wilsum ist so wohl gelegen“
segg dat Leed – en dat is wohr.

 
         
 

MEERT

Dat vöörjoor wil kommen,
et winter vergeet!
Wij hebt ‘t al vernommen,
uns maakt ‘t gin verdreet!

Et wodt all’s nich slechter,
as 't vöörjoor begint.
De dage wodt lechter
en wörmer de wind.

Nu springt al wat knoppen
en aandre dee swelt.
Wij könt nu weer hoppen,
want nij wodt de weld.

As ‘t noch frös: ginne klage!
Men geduld, - nich gereerd:
Negen sommersche dage
is uns schüldig den Meert!

UP DE LANGE BAAN

Eenmåål past dij ‘t nich,
en eenmåål past mij 't nich,
en eenmåål past ‘t beide nich —
is dat nich raar?
Geet dat så wieder,
wodt ‘t alle lieder,
dan kum wij beide
noojt weer bijmekaar!

Wat doch dat leven
möite kan geven,
en
Jt wark geet ja vöör,
o jå, dat is wis!
Kön wij dan effen
uns doch noch weer treffen,
dan weet ik wisse,
dat ‘t regenweer is!

Al ‘t prakkeseren,
klagen en reren
kan uns nich helpen,
en sacht wodt wij ould.
Kans du vergetten?
Wel kan dat wetten?
Mischien is gau
unse leefde al kould.

 
 
 
 
KLAGE NICH

Klage nich üm slechte tieden,
hes du noch dien daagliks brååd!
Wuvöl löö möt hunger lieden
rechtefoort en grote nååd!

Klage nich! As du gesund bis,
dat is meer as geld en good,
dat is gaar nich te betalen,
doorüm hol men goden mood!

Hes du reden is te klagen,
klage nich en denk d'r an:
Door is noch ‘nen God, dee altied,
ok in‘t swoorste, helpen kan!

DEN TUNEGEL

Du dös gin ene wat. Dij kan
dat hele rummeltien niks schellen.
Men du las dij ok nich anröörn
en las dij van gin ene kwellen.
Tunegel, du hes recht in ieder deel,
ik denke net as du, as ik dij see:
üm mij kan ieder knojen wat he wil,
men ik rä iedereen: lååt mij tefree!

 
 
 
 
Zwier

Zwier is nen bunren-timmerman,
van 't aulerwetsche soort,
drüm is ok, woat hee maken kan,
gewooon wark en så foort.

Ne eeken kaste, breed en stark,
nen gewel en ne döör',
men nich dat nijmöödsch fiene wark,
dat is föör Zwier niks meer.

De buren bint met em tefree,
sien wark is nich verkeerd,
men leeren, rekken, schriewen,nee,
dat hef 'e recht nich leerd.

Men nu, nu möt't der wal up an:
sien'n sön sal bij em leer'n,
en sounder „Meisterprüfung" kan
dat ja nich meer geböör‘n.

En så maakt Zwier nen „Kursus" met
dat is gin kinderspöl,
he leert nu al nen heelen set,
men he begrip nich völ.

Van „Skonto, Soll en Haben" leer'n,
dat is nich wat för Zwier,
he warkt met schawe, sage geern,
men nich geern met papier!

Sien anschriewsbook in huus, dat is
ne planke, door in 'n hook,
door steet up, wel wat schüldig is,
Zwier bruukde noojt gin book.

Lest sä sien nåber: wu wil't gåån?
Wos du uut all's wal klook?
Sus du de „Prüfung" wal beståån?
„O jå!" seg Zwier, „dat doo
rk!"

Se hebt mij hadde pucht, de heer'n,
mij klingt 't noch in de oor'n:
„Herr Zwier", sää'n se, „an Ihnen ist
Hopfen und Malz verloor'n!"

 

 

Dat geet så makkelk nich!

Kläin Berndtien nå de schole güng,
men 't schikde nich så recht:
bij 't spöllen was he wal heel fix,
men bij de aarbäid slecht.
De mester sä: „Verwechsle doch
nicht immer mir und mich,
sprich besser Deutsch!" Men Berndtien sä:„Dat geet så makkelk nich!"

Bernd-Harm mag Geessien geerne lie'n,
dat is 'n düftig wicht.
Bernd-Harm seg: „Dat wod miene frau,
dee krieg ik doch heel licht!"
Hee frag dat wichtdat lacht em uut,
hee wet nich, woort an lig,
„Dat wicht to kriegen", seg hee door,
„dat geet så makkelk nich!"

]an-Wilm, den wol dat swömmen leer‘n,
güng nå de Dinkel hen,
men an dat natte water kun
]an-Wilm sik recht nich wenn.
]å, hee versööp såwat! En rop,
as hee an wal weer stig:
„Ik leer et noojt! Ik gewe 't up!
Dat geet så makkelk nich!"

Piet twee joor' sunder aarbäid was,
men nuw kreeg hee weer wark;
Piet is 'nen groten, strammen keerl,
hee is gesund en stark.
Ik fröög em: „Nou, gefalt et dij?"
„Och", sä hee, „licht is 't nich!
Sik så up 't mål an 't wark weer wen'n,
dat geet så makkelk nich!"

'nen jungen heer uut Hildesheim,
kömp hier in unse stad,
natüürlik kun den guden baas
ok nich een wöördtien platt.
„Dass ich kein bisschen Platt versteh'",
sä hee, „das ärgert mich!"
Joa..., unse plat te leren, löö,
dat geet så makkelk nich! —

 
 
 
 
Såå . . . GROOT!

In Salland lig een dörpien,
een dörpien mooj en klein.
Kot an de düütsche grense lig‘t,
door hebt se ok ‘nen „trein".

En ieder morgen föört door
völ junge wichter met,
dee nå de nœchste grote stad
nå de fabriek hen möt't.

En al de kleine wichies
sind altied vul pleseer.
See gichelt, gammelt en see lacht,
et geet mangs dul d‘r heer.

Den baas met råde müsse,
dat is 'n heel klein man,
men — 't is een den strabaundig is,
gin gekheid hebben kan!

En dat pleseer en lachen
in 'n trein, dat maakd' em dul,
dan schreewde hee de wichter an
en blekd‘  eer 'n pukkel vul.

De wichter sään: wij lååt uns
nich nemmen uns‘  pleseer,
du kleinen grootbek, wochte men,
dij kriege wij wal weer!

 

As een‘ ‘nen hund wil smieten,
dan findt hee ok 'nen steen!
Nu kan men alle morgen door
så 'n mooj theater seen:

Net as den trein mot fören,
kiekt al de wichter d'r uut:
Wu groot is unse kleine al?
roopt se dann alle uut.

Den kleinen baas den möt ja
nu sienen arm upböörn,
want så gif hee dat teken ja:
nu kan de trein offöörn!

Jüst doorup wocht de wichter,
see weet't best wat se doot,
en as de man de hand hoogholt,
dan roopt se all': Sååå . . . groot!

Nu ärgert sik dat keerltien
door ieder morgen swat,
as hee vöör al de wichterties
den trein offöören lat!

En de moraal van 't versien?
As  ‘t even anders kan,
dan fang met junge wichter noojt
verschel of rüsie an!
 
 
 
Van Jan-Harm - en den Schandarm
(Ne woore Geschichte)

Dat bint al meer as dattig joor na lee'n,
door was in Nijnhuus mangs nen Keerl te seen,
nich meer så jung, — den het'de van Jan-Harm.
En door was ok in Nijnhuus nen schandarm,
den was nich groot, men breed, — nen starken man, men söög: den dus de slimmen löö wal an.

]an-Harm was too dee tied in't krankenhuus,
men dat hee door gin' sööpies drinken dus,
dat was wal föör ]an-Harm dat swöörste stük,
drüm kneep hee mangs mål ut en sööp sik dik.
Dat güng natüürlik up de duur nich guud,
en eenes daags door flöög ]an-Harm der uut.

Dat was heelmåls nu nich ]an-Harm sien'n sin,
hee smeet bij't krankenhuus de ruten in,
en dan güng nå nen buur unsen Jan-Harm,
men andern daags, door kömp door den schandarm: Jan-Harm sul met. Men door gaf't nu 'n geklop,dee bäiden keerls kregen sik bijn 'n kop.

Antleste flögen se der bäide daal,
men den schandarm was doch de stärkste wal,
Jan-Harm lag up de grund en kun nich up,
en den schandarm den lag der bowen up.
Jan-Harm sat fast en kun sik nich meer röör'n,
hee kun nich fut en wol dat doch så geern,
 

 


door bowen sienen kop söög hee heel dicht
de nöse van 'n schandarm, — söög dat gesicht:
door beet hee too! Hee maakde't foort så grof,
beet den schandarm sowat de nöse of!
Den schreewde up, — et dee ja unwies seer, —
Jan-Harm kreeg lucht en wol der nu vandöör,

 hee sul wal sachte spöke kommen seen, —
men den schandarm den schööt Jan-Harm döör 't been.
Nu laggen bäide in eer blood up't feld,
gin een'n van bäiden lööt nu meer nen held,
door kömp de buur. Hee spande gawwe an,
nå Nijnhuus brachde hee de bäiden dan,

up een schåf strå in'n wagen lag Jan-Harm,
en bij den „kuutscher" vöör sat den schandarm,
den met 'n dook de nöse hollen mus:
så kömmen bäide nu nå 't krankenhuus . . .
 Jan-Harm mus later ok noch föör 't gericht,
men altied söög hee vöör sik dat gesicht,
hee kun den schöt in 't been ok nich vergetten,
en hef noojt weer een'n in de nöse betten!

 
         
 
Dat Lecht an de Vechte

 

„Ik hebbe ock is ‘nmoal ’n Lecht sehn“, sää Harm=Oahm. „Dat was in de Nacht, et was heel düüster. Ik was dumoals, et sind misschien soa ‘ne fiewentwintig Johre leen, door was ik noa Meßmanns weßt. Ik hadde ginne Löchte bij mij, ik verlööt mij up miene guden Oagen. Et was joa wal oorig düüster, men ich duchde, ik kunn wal binnen döör goahn, döör de Moate an de Vechte langs. Völl kunn ik nu joa wal nich mehr sehn, men doch wal soa völl, dat ik soa ’n lück up ‘n Patt bleef.

Up eenmoal söög ik ‘n Äinde vöör mij ’n Lecht. Et was wal ’n groot Lecht, men et schiende nich wiet üm sik too, want ik söög nicks üm dat Lecht too, nicks as dat Lecht alleen, heel frömd. Nou, ik was nich bange en günk d’r up löß. Door söög ik, dat in de Vechte an de Kânte ‘nen Wehenbuß stünd, kott an de Walle, en nett achter dän Buß, door in’t Water of up dat Water, door was dat Lecht. Ik kunn nich sehn, of ‘t in’t Water of boawen’t Water was, ik kunn nich is dat Water goot sehn. Ik föhlde up de Grûnd, tottdat ik ‘nen Steen fünd, en smeet em up dat Lecht an; want ik hadde wal is van söcke Saaken höören vertellen, men ik glöäwde door nich soa recht an. Ik hadde heel goot tüürt, dän Steen plumsde in’t Water, men dat Lecht bleef stille stoahn. Ik woll nett weer wegg goahn, door kömp dat Lecht liek up mij an. Ik bleef stoahn, en günk van datt smalle Pättien of, en dat Lecht gleet sachte an mij vöörbij, döör de Moate, oawer de Wegg, en dann was’t futt.
Ik günk noa Huus en vertäilde, wat ik sehn hadde. See keeken mij alle groot an, men ginneene sää door soa recht wat up. Dree Dage later is wieder noa boawen, achter de Brügge, ‘nen Jungen bij’t Baden verdrûnken. De Lieke was nicht to finnen. Door probeerden see’t noch is ‘nmoal en föhrden met’n Schipp up de Vechte en nömmen ‘nen Ieshaken met. Doormet haakden see ûnder de Büsche en soa. See dachden, dat sik de Lieke door misschien fastsett’t hadde. Dat Schipp was ‘n bettien wieder; door keek eene üm en söög de Lieke achter’t Schipp an driewen. See muß anpatt doch wal door achter dän Buß fastsetten hebben. See dröögen de Lieke ut’t Water ut, oawer de Moate, oawer dän Wegg, nett presies dänsölwen Wegg, woor ik dat Lecht sehn hadde.
Mien Bröör, ûnse Beernd, was ’n paar Dage later bij mij; door kömmen wij up ’ne ândere Stee an de Vechte. Nou, wu dat soa geht, wij kömmen weer up dat Lecht an’t proaten en sään noch soa tegen mekaar, wu dat doch wal kunn, soa wat! Door söögen wij weer ’n Lecht, dat günk alle men up en dale. Wij stünnen eerst stille, dann woll ik door hän. Men Beernd woll ’t nich hebben. Wij güngen trügge, men dat Lecht kunnen wij noch wal sehn. ‘ne Frou ut de Noaberschup söög dat ock en sää: „Wat, ij Mannlöö döört door nich hängoahn? Dat will ik noch wal doon!“ „Ij willt door hängoahn, Geertien=Mööj, bin ij dann nich bange?“ sään wij. „Nee, dat Lecht sall mij wal nicks doon, en woorföör sull ik dann bange wesen? Ik will doch is kieken, wat dat is!“ See günk doorhän en kömp eewen later ock al weer trügge. „Och, dat is nicks Besünderes, door sind wecke an’t Oal=puuren!“
„Ha, ha, ha“, lachte Eekers Geerd, „dat hadde ik wal dacht! Ik hebbe ock is ‘nmoal ’n Lecht sehn an de Vechte, ginneene woagde sik door hän, en wu ik door kott bij kömp, du lääg door ’n Schipp.
En mien Oahm heff ock is ‘nmoal ’n Lecht sehn. Dat was hoast ieder Oawend bij de Mölle, en as eene door kott bij kömp, dann was’t futt. Eenmoal günk hee ock doorup too, en wu hee door kott bij was, door was’t weer futt. Men hee günk wieder, en wat was’t? ‘nen Kemmies, dee door Posten hadde en sik de Piepe anstocken hadde. Ik glöäwe, as de Löö is ‘nmoal alle dee Spöökgeschichten recht up’n Grûnd güngen, dann bleef van de meesten nich mehr völl oawer!“
„Soa vertellde mij ock is eene, wu hee ’n Spook sehn hadde. Hee was up Besöök weßt en hadde sik ’n lück verlaat’t. Et was pickdüüster en hee kunn nicks sehn en muß alle men noa boawen kieken, üm an dee Böäme te sehn, woor dän Wegg was. Up eenmoal höörde hee wat klingeln. Et kömp nöäger en nuw höörde hee dat Klingeln dicht vöör sick. Hee keek scharp too en söög nu ‘ne witte Gestalte. Dat hett, hee söög äigenlik men soa wat Witts schemern, en soa seküür kunne dat nich kennen. Hee doorup too. Door lööp dat Ding vöör em an, en dat günk alle men van ping-ping-ping, ping-ping-ping, ping-ping-ping en soa verdann. Hee döä d’r ‘nen Tree bij an, door sweewde dat witte Ding ock hädder vöör em an. Hee bleef stoahn, dat witte Ding günk heel sachte wieder. Dat is dij doch ’n decksels raa Ding, dachde hee; wat sull dat wal wesen? Hee kunn nich höören, dat et lööp of flöög, hee höörde alleen dat Klingeln en söög soa undüdlik wat vöör an sweewen. Dat Spook bleef altied soa ‘ne tien Tree vöör em an, tottdat hee bij ’n Buurenspill kömp. Door drääjde dat Spook van de Wegg of up Huus an, en nu kunn hee in’t Lecht van dat Huus ock sehn, wat vöör ’n Spook dat was: Et was ’n witt Schoap met ‘ne Belle üm’n Hals.“
„Magg wal wään“, meende Harm=Oahm, „men altied is dat ock nich soa! Dat Lecht an de Vechte, wat ik door sehn hebbe, was wat ânders. Ik will joa nich seggen, dat’t wat benoude Löö giff, dee loopen goaht, as se wat Besünders seht en dann later de raarsten Geschichten vertäilt, wat see alle sehn hebbt en woor se sölws de gröötsten Helden bij sind. Wissewal! Men ik hebbe doch alls seküür ûndersocht en ik kunn mij d’r doch men nicks van begriepen, wat dat wal was. En dann kömp dat soa presies ut. Up desölwde Stee wörd de Lieke ut dat Water trocken en dänsölwden Wegg güngen se d’r met langs! Magg wesen, dat nich alle Mênschen de Gaawe hebbt, dat se soa wat seht. Dat sind joa al mehr soa Vöörgeschichten.
 
         
 
Dit en dat

In’n Lindenboam ‘nen Geetlink sitt
en schreewt sik hoast dän Beck ut’t Litt,
ümdat de Junge van de Smitt
em alle men met Steenties smitt.
’nen Mann up’t Peerd vöörbij nu ritt,
nêmp met de Junge van de Smitt:
de Jung van Schrick wodt kriedewitt,


dän Geetlink ropp tiliddidditt. –
Sien Frou up’t Dack kott bij em sitt
en up ‘nen fetten Pierworm bitt,
See ropp em to: I gittegitt,
schäi ut met dien tiliddidditt,
dat nich dien Beck to froh verslitt!
Dän Geetlink nuw to luren sitt;

 

wat siene Frou segg, is em Kitt.
Swieg ik nuw still, mien Ehre litt,
dênkt hee, en ropp tiliddidditt,
sett’t sik dann soa, dat hee gut sitt,
en dann vertäilt siene Frou hee ditt:
Up ‘nen Boam ‘nen Gettlink satt,
dän beck soa gell en ânders swatt;

ûnder’n Boam Kläin Hannchien satt,
dee nett ‘nen leckern Appel att.
In dän Appel was een Gatt,
woor ‘nen fetten Worm in satt.
Hannchien dachde: Wat is dat?
Appeltien soa lecker latt
en is doch van binnen swatt?
Ik smiet’n futt, wat schaadt dann dat?
Bliede kloppt nuw Gettlinks Hatt:
Junge, dat giff lecker wat! –
 

 


Geetlink bij dän Appel satt
en dän fetten Worm drut fratt. –
An dän Tuun was loß ‘ne Latt‘,
door woor steht dat grote Fatt;
door satt nett ‘ne bûnte Katt,
legg sik hen en duukt sik platt
Bliede kloppt nu Puußies Hatt:
Junge, dat giff lecker watt!

Geetlink an dän Worm noch fratt
en was lange noch nich satt,
door kömp em de Puus up’t Matt.
Men nuw föült van’n Boam ’n Blatt,
nett up’t Nöößien van de Katt –
Geetlink markt bitieden wat
en makt gaww‘ sik up’n Patt –
Kättien argerde sik swat.

Smitt sien’n Jungen kömp ut de Stadt
met sien mooje nijje Rad,
föhrde Puußien oawer‘n Statt,
dee door nett an’n Patt soa satt,
föült in’n Grawen, wödt meßnatt!
Kättien flücht döör’t Hohnergatt, -
Geetlink nu in’n Boam weer satt
en vertäild sien Wiefien wat.

Verstehs du dit Gedicht nu wal?
Begripps du, wat dat hetten sall?
Van sik söls, van sien Fretten
proat’t dän Geetlink alleen
en mangs sall’t ock
bij de Mênschen soa ween.
 
         
         
         
 

Wir freuen uns, dass Berti Radicke, Tochter von Karl Sauvagerd, heute schon einen beachtlichen Teil des Nachlasses von ihrem Vater Karl Sauvagerd den Heimatfreunden Neuenhaus hat zukommen lassen.

Herzlichen Dank Berti und Heinz - Hermann !

 
         
 

En as du sochs dat mööjste land,
dan loop men nich so wied,
de heimat is dat mööjste land,
dat blif`t föör alle tied

 
     
 
 
 
         
 

Karl Sauvagerd wurde am 19. August 1906 in Gronau i. Westf. geboren. Er wohnt seit 1910 in der Grafschaft Bentheim. Nach der in Wilsum verbrachten Schulzeit folgten Lehrjahre im Maßschneiderhandwerk, Gesellenprüfung, Arbeit bei verschiedenen Meistern, 1931 die Meisterprüfung und danach selbständige Arbeit in Neuenhaus.

Sauvagerd ist künstlerisch vielseitig begabt. Schon als Schüler schrieb er Verse und ersann zusammen mit seinem Bruder Johann phantasievolle Geschichten.

Seine Liebe gilt der Musik und der Malerei, vor allem auch der Botanik. Mit viel Ausdauer und Gründlichkeit studierte er die heimische Flora. In Karl Kochs „Flora des Regierungsbezirks Osnabrück und der benachbarten Gebiete" von 1958 sind verschiedene Hinweise und Standortangaben Sauvagerds aufgenommen worden.

Seine Hauptaufgabe sieht er darin, in der niederdeutschen Muttersprache zu schreiben. Schon in den zwanziger Jahren veröffentlichte er unter dem Namen Lyrikus plattdeutsche Gedichte in Heimatkalendern und Zeitschriften. Aus seinem reichhaltigen literarischen Schaffen sind bisher zwei Bücher erschienen:

„Häideblomen", Verlag Schöningh, Paderborn 1948 (vergriffen),

„De Tied blif Baas, Gedichte et Joor rund", Verlag Pötters, Nordhorn 1955.

Nach dem Zweiten Weltkrieg veröffentlichte er in Jahrbüchern und Zeitungen etwa 300 Gedichte, Betrachtungen, Berichte und Kurzgeschichten, sowie drei Romane. Er nahm am „Zweiten Niedersächsischen Symposium" (Universität Groningen) teil, das die internationale und interregionale Vosbergen Schreibweise schuf. Sauvagerd schreibt seither in dieser „Europaschreibweise".

Viele seiner Gedichte sind von deutschen und niederländischen Komponisten vertont und z. T. im Rundfunk gesendet worden.

Karl Sauvagerd arbeitet am „Niedersächsischen Wörterbuch" (Göttingen) und gelegentlich auch am Volkskundlichen Archiv in Münster i. W. mit. Er ist Mitglied des „Schriewerkrings an Ems en Vechte" und mehr als 35 Jahre Mitglied des Heimat Vereins der Grafschaft Bentheim.

 
 

Großer Sohn der Stadt Neuenhaus“

Heimatfreunde wecken Erinnerung an Heimatdichter Karl Sauvagerd

 
         
 
 
         
 
GN 9.2.2016 von Andre Berends
     
 

 

NEUENHAUS. Vor 25 Jahren, am 6. Februar 1992, starb in Uelsen mit Karl Sauvagerd einer der bekanntesten Grafschafter Heimatdichter. Die Heimatfreunde Neuenhaus haben gestern mit einer Gedenkstunde an den Schneidermeister erinnert, der mit seiner Familie in einem kleinen (Anfang der 1980er-Jahre abgerissenen) Haus an der Hauptstraße in Neuenhaus lebte und dessen Begabungen äußerst vielfältig waren. Karl Sauvagerd – 1906 in Gronau geboren, 1910 nach Wilsum gezogen und seit 1929 Bürger von Neuenhaus – hinterließ nicht nur mehr als 400 Texte, er malte auch Bilder, spielte mehrere Instrumente – und er sammelte heimische Pflanzen.

Berti Radicke ist die Tochter von Karl Sauvagerd. Sie lebt heute mit ihrem Mann Heinz-Hermann Radicke in Uelsen, wo ihr Vater ab 1981 den Lebensabend verbrachte und schließlich im Alter von 85 Jahren starb. In seinem Nachlass fand sich ein Bestand heimischer Pflanzenarten. Karl Sauvagerd pflückte, presste und trocknete von 1933 bis 1939 rund 300 wild wachsende Pflanzen. Er versah jedes Exemplar mit Ort und Datum des Fundes und auch mit dem jeweiligen lateinischen Namen. „Er war ein guter Kenner der heimischen Flora: Die Arten sind durchweg richtig bestimmt“, meint Dr. Klaus Kaplan, Biologe aus Bad Bentheim in einer Stellungnahme.

Das Herbarium, so wird eine Sammlung gepresster und getrockneter Pflanzen für wissenschaftliche Zwecke genannt, fristete lange Zeit ein unbeachtetes Dasein im Hause Radicke. Nun hat Berti Radicke sich dazu entschieden, die Sammlung ihres Vaters den Heimatfreunden zur Verfügung zu stellen. Sie hatte dem Verein auch zuvor schon einen Teil des Nachlasses zukommen lassen. „Auch kleinere Sammlungen wie die von Karl Sauvagerd haben einen hohen Wert. Um über die Jahrhunderte ihren Wert zu bewahren, ist es allerdings wichtig, dass sie in große, öffentlich zugängliche Herbarien überführt werden“, empfiehlt Klaus Kaplan den Heimatfreunden. Das Naturkundemuseum in Münster sei ein geeigneter Ort.

Georg Hagmann, Vorsitzender der Heimatfreunde, kann sich gut vorstellen, die einzelnen Exemplare zu fotografieren und auf diese Weise in den Bestand des Vereins aufzunehmen. Er würdigte das Schaffen von Karl Sauvagerd. Dieser hatte seine botanischen Erkenntnisse zudem 1973 in einem Buch veröffentlicht. Der weitgehend vergriffene Band, dessen Illustrationen von Tochter Berti stammen, biete auch heute noch „ein reiches Wissen über fast vergessene Heilkräuter“, sagte Georg Hagmann.

Karl Sauvagerd sei gewiss kein Genie wie Mozart gewesen, fügte der Heimatdichter Heinrich Küper aus Grasdorf hinzu, „aber er war ein großer Sohn der Stadt Neuenhaus“. „Für mich war er nicht der Heimatdichter, für mich war er der Vater“, sagte Berti Radicke gestern bei der kleinen Feier in den neuen Räumlichkeiten der Heimatfreunde an der Lager Straße. Sie hatte noch ein paar weitere Funde mitgebracht, unter anderem ein Tagebuch aus den 1920er-Jahren. Die Heimatfreunde nutzten die Gelegenheit, sie mit Fragen über ihren Vater zu löchern. Gibt es noch alte Fotos oder unveröffentlichte Texte? Der Schatz, den Karl Sauvagerd hinterlassen hat, scheint noch nicht ganz gehoben zu sein und bietet ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod noch viel Potenzial für eine Aufarbeitung.

 
         
         
 
 
         
         
 
Karl Sauvagerd über sein geliebtes Städtchen Neuenhaus
 
         
 

 

Aus der Geschichte der Dinkelstadt Neuenhaus

Am Südrande des Bourtanger Moores, entlang der holländischen Grenze, liegt die Grafschaft Bentheim. Auf der Landkarte sieht man eine Nase in die Niederlande hineinreichen. Wenn man diese Nase abschnitte, so würde dieser Schnitt am Süd- Ende die Stadt Neuenhaus berühren.

Die Vechte durchfließt die Grafschaft Bentheim der Länge nach von Süden nach Norden. Die Dinkel fließt bei Gronau i. W. nach Holland und tritt bei Lage - Brecklenkamp wieder über die Landesgrenze. Sie durchfließt mit mehreren Armen (Becken) die Stadt Neuenhaus und mündet am Stadtrand in die Vechte.

Vor Jahrhunderten war diese Gegend eine menschenarme, ziemlich stark bewaldete Sumpflandschaft. Neuenhaus gehörte zu dem großen Waldgebiet, welches man den »Osterwald« nannte und von welchem noch heute der Ort Osterwald den Rest bildet. In diese Gegend wagten sich nur selten Menschen; denn der sumpfige Boden brachte Arbeit und Gefahr mit sich, und zum Siedeln war ja noch genug »Um­gegend« da. Vielleicht haben hier Jäger und Fischer ein gutes Jagdrevier gefunden, wer will das heute noch feststellen?

Und doch gab es Gründe, hier eine Siedlung entstehen zu lassen. Sie werden wohl hauptsächlich handelspolitischer und strategischer Art gewesen sein.

Wenn wir von der Hauptstraße, jetzt Bundesstraße 403, neben dem alten Rathaus in Richtung Turnhalle—Schulen abbiegen, stehen wir bald auf einer erhöhten Stelle. Hier ist der Punkt, von wo die Stadt Neuenhaus ihren Anfang nahm. Nicht viele Städte und Dörfer können so genau ihre »Wiege«, ihren »Geburtsplatz«, angeben, wie es Neuenhaus mit Sicherheit kann. An dieser Stelle, welche noch heute »Die Burg« heißt, erbaute im Jahre 1317 der Bentheimer Graf Johannes II. (1305—1333) die Burg Dinkelrode. Im Gegensatz zum »Alten Haus« — nach einigen Auslegun­gen ist hiermit die Burg Bentheim gemeint, nach anderen das »Alte Haus« in Grasdorf — nannte man Dinkelrode das »Neue Haus«. Man nimmt an, daß hier­aus der Name Neuenhaus entstanden ist.

Zu dieser Burg, die ganz vom Wasser der Dinkel umgeben war, gesellte sich bald eine sogenannte Vorburg, eine Gruppe von Gebäuden, welche hauptsächlich für das Dienstpersonal bestimmt war. Auch diese Vorburg war ganz vom Wasser umgeben. Eine Zugbrücke führte über den einen Graben etwa dort, wo heute die Straße nach Uelsen führt, in der Nähe des Amtsgerichtes. Noch bis in unsere Zeit hinein behielt diese Gegend den Namen »Söwen-hüüssies-hook«, die Siebenhäuser-Ecke, und kann somit als der älteste Teil der Stadt angesehen werden. Eine Brücke führte zur eigenen Burg.Der »Söwen-hüüssies-hook« lag etwa zwischen dem Mühlenbach, wie dieser heute bei der Gastwirtschaft Meckelnburg-Paust (Onkel Hans) die Straße kreuzt, und einem weiteren, jetzt nicht mehr vorhandenen Wasserlauf, welcher ungefähr dort, wo jetzt die Lager Straße abzweigt, seinen Lauf nahm. Das erste der sieben Häuser und somit das älteste war das eben erwähnte Meckelnburg-Paustsche Wirtshaus. Ferner waren: Haus Nr. 2 das Nebenhaus dieses Gebäudes, Haus Nr. 3 das frühere Tormijnsche Haus (zuletzt Stülen), Haus Nr. 4 das früher Hargersche (zuletzt Lankhorst) Haus und das fünfte das jetzt nicht mehr vorhandene, zwischen dem Haus Nr. 4 (Lankhorst) und dem späteren Rentamt gelegene Haus des Barbiers Schmidt. Das Haus Nr. 6 war das eben erwähnte Rentamt und Haus Nr. 7 das Hinterhaus des jetzigen Hotels Sickermann. Dieses Hotel war lange im Besitz der Familie Krull, welche einige sehr bedeutende Männer hervorbrachte, gelangte dann in den Besitz des Amtsassessors Crameer, danach an eine holländische Familie Bathe und danach an Familie Sickermann.

Alle diese Häuser sind im Laufe der Zeit umgebaut, vergrößert, verändert, ausge­bessert oder ganz erneuert. Sie stehen aber doch wohl durchweg auf dem gleichen Platz wie zur Zeit der Stadtgründung. Diese sieben ersten Häuser blieben indes nicht lange die einzigen. Bald kamen andere dazu, es wurden tiefe Gräben gezogen und die vorhandenen Wasserläufe (Dinkel-Arme) wohl auch vertieft und geschickt mit in das Graben-System ein­bezogen. Mit der ausgegrabenen Erde wurden Wälle aufgeschüttet, Zugbrücken führten zu den Ausfallstraßen — und die Festung war fertig. Damals war es noch leicht möglich, sich zu verschanzen und einen Ort schwer einnehmbar zu machen. Die Wissenschaftler hatten noch nicht »das Pulver erfunden«, geschweige denn Atombomben oder noch Schlimmeres.

Neuenhaus war zu jener Zeit Schnittpunkt bedeutender Handelswege. Von Leipzig oder noch weiter weg konnte man geradewegs bis in die holländischen Städte rei­sen — über Neuenhaus.

Die Vechte bildete den Wasserweg, und viele Schiffe brachten Bentheimer Sand­steine und vieles andere bis nach Amsterdam. Die Lage war also günstig, das viele Wasser konnte zum Schutz der Stadt ausgewertet werden, und — schließlich dürf­ten auch noch strategische Gesichtspunkte die Bentheimer Grafen bestimmt haben, der Burg und der neuen Siedlung ihre besondere Gunst zu schenken und auch noch lange Zeit zu erhalten. Das ermutigte dann viele Leute, sich hier anzusiedeln, und der Ort wuchs. Im Jahre 1369 — vor nunmehr 600 Jahren — erteilte Graf Bernd I. dem neuen Ort Stadtrechte. Die bislang älteste bekannte Urkunde der Stadt stammt aus dem Jahre 1370 und berichtet von Holzrechten aus dem Oster-Wald und vom Brückenzoll aus dem Uelser Gericht. Auch eine Schenkungs-Urkunde, den Mors betreffend, stammt aus jenen Zeiten. Nebenbei bemerkt: der Name Mors hat nichts mit dem bekannten Hamburger Spruch »Hummel Hummel — Mors Mors« zu tun. Der Name bedeutet feuchte, tiefliegende Wiese bzw. nasses Grundstück, möglicherweise hat er im Wort­stamm die gleiche Herkunft wie das Wort Morast. — Diese alten Urkunden beweisen also das Alter unserer Stadt.

Eine kurze Betrachtung, ein Streifzug durch die nunmehr sechshundert Jahre Geschichte dieser Stadt möchte einen kleinen Einblick gewähren in die wechselvollen Zeiten, welche Aufstieg und Niedergang, Freud und Leid, Glück und Unglück brachten, hier wie auch anderorts.

Schon von Anfang an waren es leider nicht immer friedliche Zeiten. Schon im Jahre 1417 war Neuenhaus Kriegsgebiet. Graf Everwin und der Fürstbischof von Utrecht bekämpften sich auch hier.

 
         
 
 
         
 

Unter Everwin II. um 1500 herrschten wieder Friedenszeiten, und Handel und Wirtschaft blühten empor. Auf dem Timmermors wurden Schiffe gezimmert (Vechteschuten usw.), in der Klinkhamerstraße klangen die Hämmer der Schmiede, auf dem Steinmors lagerten die Steine, zumeist wohl aus Bentheim und Gildehaus, welche dann per Schiff nach Holland verfrachtet wurden. (Diese alten Flur- und Straßennamen existieren noch heute.) Es ist bekannt, daß die Mühle, fast so alt wie die Burg, einen Zins von 77 Müdde Roggen — etwa 65 Zentnern — einbrachte, für damalige Verhältnisse durchaus keine Kleinigkeit. Und die Stadt wuchs.

Doch im Jahre 1592 gab es wieder Kriegslärm, Hunger und Belagerung. Die Spa­nier lagen vor den Toren und richteten wie alle Kriegshorden unermeßlichen Scha­den an. Im Dreißigjährigen Krieg, 1634, fielen dann auch die Mauern der Burg Dinkelrode. Was »Bürgerfleiß und Herrengunst, Kaufmannsgeist und Handwerks­kunst« in mühseliger Arbeit geschaffen hatten, das fiel nun der Kriegsfurie zum Opfer. Schweden, Hessen und Kaiserliche trieben rücksichtslos Kontributionen ein, es kam zu richtigen Erpressungen. Aus dem Jahre 1640 wird von vielen Ein­quartierungen berichtet, das bedeutet auch ungeheure finanzielle Belastungen. Diese wild bewegten Zeiten machten der jungen Stadt das Leben schwer. Dazu kam noch, dass im Jahre 1664 die Pest viele Opfer forderte. 1674 hatte der kriegerische Bischof Bernhard von Galen Neuenhaus besetzt, doch General Rabenhaupt nahm die Stadt im Sturm. 1677 wurden 70 Häuser verbrannt und verwüstet.

Das war nun alles andere als friedlicher Aufbau. Jahrzehnte hindurch ging das so weiter. Im Jahre 1757 besetzten Franzosen die Stadt, und als 1763 der Friede geschlossen wurde, war Neuenhaus — oder was von der Stadt noch übrig geblie­ben war — bettelarm. 1795 gab es dann wieder Kriegslärm, und wieder kamen französische Truppen an. Hier sei erwähnt, daß damalige Zeiten in Neuenhaus an Schillers »Wilhelm Teil« erinnern. Zwar gab es nicht einen Geßler-Hut auf der Stange, dem man Reverenz erweisen mußte, aber doch etwas Ähnliches. Alte Urkunden berichten, daß am Dienstag, dem 16. Juni 1795, nachmittags von den Franzosen ein »Freiheitsbaum« errichtet wurde, den die Bürger grüßen mußten. Auf das Nichtgrüßen standen hohe Strafen. Natürlich paßte das den meisten Bürgern durchaus nicht, und mancher machte einen Umweg, um dieser Pflicht zu entgehen.

Bis etwa 1929/30 stand in der Nähe des reformierten Friedhofes noch der Rest einer alten Windmühle. Die Geschichte berichtet, daß hier 1813 die Kosaken lagerten. Ihr Anführer, Fürst Narischkin, wohnte im Haus am Markt. Von ihm wird berichtet, daß er schönen Frauen den Hof machte. Wahrscheinlich gehörte auch das zur Kriegsführung. 1824 wurden Amt und Vogtei durch Hannover erbaut. 1861 besuchte König Georg V. von Hannover Neuenhaus, beleidigte aber einen Sohn der Stadt, den aus Neuenhaus stammenden Johannnes Miquel (den Bismarck später zum preußischen Finanzminister machte). An Miquel erinnert heute die von der Morsstraße abzweigende Miquelstraße. Damals waren die Stadtväter erbost, und keiner von ihnen wollte mit einer Ansprache den blinden König begrüßen. So holte man noch in der Nacht den als redegewandt bekannten Bauern Jakobs aus Piccardie, welcher dann die Ansprache hielt.

1866 kam Neuenhaus dann an Preußen. — Die Stadtväter waren sehr darauf bedacht, daß Neuenhaus den ihm gebührenden Platz im Lande bekam. Als zentraler Ort, gelegen an wichtigen Land- und Wasser­wegen, war Neuenhaus, so meinten sie, der Platz, welcher allein als Kreis-Haupt­stadt in Frage komme. (Nordhorn war früher viel kleiner als Neuenhaus und ist erst durch die Industrie und viele Eingemeindungen zu seiner jetzigen Größe an­gewachsen.) Bentheim lag zu weit im Süden, war also praktisch Mittelpunkt einer kleinen Fläche, welche vom Südrand der Grafschaft bis etwa Holt und Haar- Neerlage—Quendorf reichte. In einer Zeit, welche keine Bahn, keine Autos und keine Fahrräder kannte, sondern nur Schiffe, Pferdefuhrwerke und allenfalls »Schusters Rappen«, wäre den Bewohnern der nördlichsten Orte der Grafschaft, wie z. B. Eschebrügge, Neuringe oder Adorf, wohl auch zuviel zugemutet gewesen, wenn sie in Verwaltungs- oder Gerichtssachen nach Bentheim hätten kommen müs­sen. So war Neuenhaus bestrebt, als die Frage einer Kreis-Hauptstadt akut wurde, diesen Platz einzunehmen. Im Jahre 1884 sollte es dann soweit kommen, und auf Köhlers Betreiben nahm der Landtag diesen Plan ernstlich in Aussicht. Aber die Regierung entschied dann doch, daß Bentheim Kreis-Hauptstadt wurde, und Neuenhaus bekam sozusagen eine Zweigstelle, nämlich ein landrätliches Hilfsamt, Auch das Amtsgericht hatte seinen Sitz in Neuenhaus, ebenso das Katasteramt.

Da einige später die Errichtung von Textilfabriken von der Stadt aus verschiedenen Gründen, wohl hauptsächlich wegen Platzmangels, abgelehnt wurde, blieb Neuenhaus in der Entwicklung sehr zurück und wurde von dem rasch aufblühenden Nordhornern überflügelt. Der alte Leinenhandel war seinerzeit von beträchtlichem Umfang gewesen. Wenn wir lesen, daß z.B. 1825 die Produktion 16840 Ellen betrug, so erkennt man schnell die Bedeutung für die Stadt jener Tage. Aber auch dieses Geschäft fiel der Neuzeit und der auswärtigen Konkurrenz zum Opfer.

Die 1789 von A. Köhler, J. A. Born und D. Schneido auf der Wagenhorst errich­tete Seifenfabrik, welche z.B. 1791 schon 1571 Tonnen Seife produzierte, war auch nicht besser daran, ebenso wie der Steinhandel der Vechteschiffahrt nach Hol­land, — alle Betriebe fielen der weiteren Entwicklung zum Opfer. Auch neue Be­triebe konnten es nicht zur Größe bringen, wie z. B. die Herstellung von Talg­kerzen aus Schaf-Fett, die Arends betrieb, oder der Anbau und die Verarbeitung von Zichorie in Kellers Garten oder die Lohgerbereien in den jetzigen Häusern von Peters und Schräder, sowie eine Hutfabrik auf der Neustadt. Es waren alles nur Versuche, die bald wieder aufgegeben werden mußten, da sie nicht rentabel waren. Daß die Neuenhauser doch stets unternehmungslustig waren, geht aus einem inter­essanten Ereignis hervor, von welchem Ludwig Säger im Bentheimer Heimatkalen­der 1941 berichtet. Der Titel lautet: »Wo war der erste öffentliche Flugtag in Deutschland? Säger meint, wir dürften mit gutem Recht annehmen, daß dieser erste Flugtag in Neuenhaus stattfand. Und zwar berichtet eine vergilbte Zeitung, die »Amsterdamsche Courant« vom 5. Juli 1785, ausführlich darüber. Säger be­merkt vorweg, daß erst zwei Jahre vorher die Brüder Joseph und Jacques Montgolfier die ersten Versuche mit Heißluft-Ballons in Paris veranstalteten. Im glei­chen Jahre, als der erste mit Menschen bemannte Ballon von Dover nach Calais flog, haben sich auch schon Neuenhauser mit dieser Kunst befaßt.

Der Bericht der »Amsterdamsche Courant« lautet: 1785. Nieuwenhuis in het Graafschap Bentheim den 27. Juny. Heden namiddag om half 5 uuren, heeft men hier op’t zogenaamde Hogevonder- veld een Lucht-Maschine, ter groote van 50 voeten in zyn omtrek, en hooge 22 voeten, boven met een vlag vercierd, na dat dezelve binnen een quart uur met brandstoffen gevuld was, opgelaten, zynde een Noord-Noord-Oosten-Wind, haar cours neemende over deze stadt na’t Zuid-Westen, die in de tijd van ruim 15 minuten geheel voor’t gezicht verdween. De toevloed van aanschouwers uit deze stadt, als ook van de omliggende steden en dorpen, zoo van heeren en Dames van den eersten rang, als particulierte persoonen, was ongemeen groot, en allen betuigden, zeer voldaan te zijn.«

Die Namen der Veranstalter dieses ersten Flugtages nennt der Bericht nicht. Falls es sich nicht um eine »Zeitungs-Ente« handelt, haben wir hier einen Bericht von dem fortschrittlichen und unternehmungslustigen Geist der damaligen Bewohner von Neuenhaus vor uns. Und trotzdem ging es mit dem Aufschwung der Stadt nicht weiter. Die hoff­nungsvollen Betriebe erlagen der größeren Konkurrenz. Sogar die alten Stadttore, die Poorten genannt wurden, mußten dem zunehmenden Verkehr weichen, da sie zu klein waren und sich als Verkehrshindernis erwiesen. Über der Uelser Poorte war auch das Arrestlokal angebracht und mancher alter Neuenhauser kennt noch recht gut den Ausdruck: „Hee kump up de Poorte“- das heißt: er kommt ins Gefängnis.

So wandelte sich das Ansehen der kleinen Stadt erheblich. Heute ist von der Burg nichts mehr zu sehen, die Tore sind verschwunden, ebenso die Mühlen. In den letzten Jahren wurden wieder einige alte Patrizierhäuser und ehemals präch­tige Fachwerkbauten abgerissen, mittelalterliche Gartenpforten aus Bentheimer Sandstein und andere Denkmäler der Vergangenheit verschwanden, und neue Häuser geben der Stadt ein anderes Gesicht.

Allerdings gibt es noch hier und da einzelne Zeugen der Vergangenheit zu sehen. Einige alte Giebel am Marktplatz und an der Hauptstraße sind noch in alter Form zu sehen und werden von den Hausbesitzern gut gepflegt. Vom alten Stadt­wall ist noch ein Teil als Fußweg mit dem Stadtgraben erhalten. Hinter der frü­heren Ölmühle bis zum »Söwen-hüüssies-hook« heißt er »ölwall«, der Graben die Mühlenbecke. Das alte Stauwerk an der Lager Straße, welches das Wasser der Dinkel reguliert und wohl fast so alt wie die Burg Dinkelrode sein dürfte, wurde 1604 für 4000 Taler neu errichtet und später den modernen Verhältnissen ange­paßt. Es ist noch heute in Betrieb und mit seinem »Flootwerkskolk« und seinem Wappenschmuck eine Sehenswürdigkeit. Von vielen Dingen künden nur noch die Flurnamen. Wo man früher das Leinen bleichte, — der Flurname »de Bleeke« erinnert noch daran —, stehen heute die moderne Burgschule und die Turnhalle; dahinter liegt der Sportplatz. Im anschlie­ßenden Gelände auf der »Borgthorst« finden wir die katholische Volksschule, die Realschule und nun auch die Mittelpunktschule und das neue Gymnasium. Eine ganz neue Wohnsiedlung ist auch dabei entstanden. »Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen.«

Im Jahre 1912 besuchte Hermann Löns, der Heidedichter, die Grafschaft Bent­heim und traf auf dem Bahnhof Neuenhaus ein. Ihm hatten es bald die Heide­hügel der Umgebung und die alten Grafschafter Namen angetan. In seinen Wer­ken erschienen einige solcher Namen: im »Wehrwolf« heißt es von einem Knecht: »Er hieß Ramaker und stammte aus der Grafschaft Bentheim« (Ramaker ist ein noch heute existierender Neuenhauser Hausname); im »Zweiten Gesicht« erscheint der Name Swaantje usw. Löns wohnte eine Zeitlang im benachbarten, elf Kilo­meter entfernten Ootmarsum (Holland). Dem Landwirtschafts-Direktor Grashoff schrieb Hermann Löns damals in sein Hausbuch die Worte: »Heide ist besser als Asphalt!«

In einer so ruhigen Kleinstadt, wo keine größere Industrie aufkam, welche ja immer viel fremdes Volk anzieht, hielten sich naturgemäß auch lange viele alte Sitten und Gebräuche. Bis vor dem Kriege konnte man noch das »Middewinters- höörn« hören. Zu Weihnachten und Neujahr wird noch heute »gebeiert«; in der Neujahrsnacht zieht der (längst nicht mehr im Amt befindliche) Nachtwächter mit dem alten Horn durch die Straßen und, einem alten Brauch folgend, gehen Bürger­meister und Stadtväter (Ratsherren) sowie viele alte und junge Einwohner mit ihm durch die Stadt »achter de Wacht«, wobei die alten Wachtlieder gesungen werden. Am Martinstage kommen die Kinder mit ihren Lampions und ausgehöhl­ten Runkelrüben, welche durch eine Kerze von innen erleuchtet werden, und singen ihr Lied vom »Sündermattmanns Vögeltien«, und zu Fastnacht kommen sie wie­der, diesmal vermummt und verkleidet, und singen: »Fasseläwend kump van awend. Auch die Pingsterkrone sieht man hier und da noch auf den Straßen. Allerdings haben diese alten Sitten in neuerer Zeit sehr abgenommen.

Ein anderer Brauch ist ganz verschwunden. Von ihm berichtet die Zeitung vom 12. August 1939 unter der Überschrift: Rathausglocke wird Geburtsglöcklein —

Nach dreihundertjährigem Schlaf:
Neuenhaus. Die Rathausglocke des Dinkelstädtchens Neuenhaus stammt aus dem Jahre 1639 und wurde von Heinrich ter Horst in Deventer gegossen. Die Ratsherren des Städtchens haben beschlossen, die alte Glocke, die im Laufe der Jahrhunderte bereits mehrfach zersprang, nunmehr umgießen zu lassen. Nach der Reparatur soll die Glocke mittags um 1/4 vor 12 eines solchen Tages ertönen, an dem eine Mutter einem Kind das Leben schenkte. In dem von Heinrich Specht herausgegebenen Jahrbuch des Heimatvereins (Bent- heimer Jahrbuch) vom Jahre 1946 lesen wir auf Seite 37:

Das Geburtenglöckchen von Neuenhaus.
»In Neuenhaus besteht ein Brauch, der besonders schön ist und eigenartig des­halb, weil man ihn sonst im weitesten Umkreis nicht mehr findet. Im Rathaus­turm befindet sich eine kleinere Glocke, die jedesmal fröhlich erklingt, wenn ein neuer Erdenbürger das Licht der Welt erblickt hat. Die Neuenhäuser erfahren so, daß wieder einmal der Storch, der leider seine alte Niststätte auf der Burg aufgegeben hat, in einem Haus des freundlichen Städtchens Einkehr gehalten hat. Das Geburtenglöckchen auf dem Rathause wird stets gern vernommen.

Neuenhaus, das so reich an Brauchtum aus der Väter Tagen ist, ist stolz auf dies schöne Erbe, das es liebevoll zu pflegen weiß und das es auch in jedem Fall bewahren muß.« — Das war von 23 Jahren, heute ist das Glöckchen vergessen.

Wie überall, so hat auch hier das kulturelle Leben ein Auf und Ab zu verzeich­nen. Heute gibt es noch außer den kirchlichen Vereinen den Schützenverein, den Turn- und Sportverein, den Angelsportverein, den Städtischen Chor usw. Ein etwa 25—30 Mann starker Blas-Musikverein bestand bis vor dem Kriege und wies ein beachtliches Niveau auf. Nach dem Kriege waren noch acht Mitglieder da, ein Neuanfang scheiterte an den Verhältnissen und am fehlenden Geld. Der Krieg hat auch hier manche Lücke gerissen, die nicht wieder ausgefüllt werden konnte. Sonst ist Neuenhaus aber im letzten Krieg vom Schicksal vieler Städte und Dörfer verschont geblieben, es wurde nichts zerstört oder zerbombt.

Heute bemüht sich die Stadt, den Anschluß an die moderne Zeit zu erhalten. 1954 bekam Neuenhaus Anschluß an das Wasserleitungsnetz. Das stadteigene Elek­trizitätswerk auf der Dackhorst wurde verkauft und das Netz an die Überland­leitung angeschlossen (RWEVO). Die Bentheimer Eisenbahn stellte ihren Personen­verkehr auf Autobusse um und erweiterte ihren Verkehrsdienst beträchtlich, so daß von Neuenhaus aus auch die umliegenden Orte ohne viel Mühe zu erreichen sind. Neue Siedlungen sind in den letzten Jahrzehnten entstanden, und noch immer wird weitergebaut. Eine moderne Kanalisation löst die alte ab, eine große Kläranlage entstand bei der Dinkelmündung.

Wenn auch bei der Planung im Übereifer manchmal etwas übers Ziel geschossen wurde, so gibt es andererseits auch Bürger, welche nicht unbedingt alles Alte, Historische zerstören wollen, sondern es, soweit es erhaltenswert ist, in die neuen Verhältnisse mit einbauen.

Ein Beispiel sind die schon erwähnten Giebel sowie einige alte Gartentore, die man mit künstlerischem Geschmack sehr schön in die Gartenumzäunungen eingefügt hat.

Alte und neue Zeit, Vergangenheit und Gegenwart, sie reichen sich hier sichtbar die Hand. Unser kleiner Streifzug durch die Geschichte der Stadt Neuenhaus, durch sechs Jahrhunderte, soll auf Schönheiten und Probleme, auf Erreichtes und Auf­gaben hinweisen. Mögen nun auch friedliche Aufbau-Zeiten folgen und bis in die fernste Zukunft den strebsamen Bewohnern Gelegenheit geben zu einem Leben, welches auch wirklich lebenswert ist!

 
         
         
 
Erinnerungen an seine Schulzeit Eingeschult wurde Karl Sauvagerd 1912 in Wilsum
 
         


         
 
Erinnerungen an seine Lehrzeit von 1921 bis 1924 in Wilsum
 

1923 wurde mit Bruder Johann der Mandolinenclub Wilsum gegründet

 

Erinnerung an seine Gesellenprüfung am 7.4.1924

 
Erinnerung an seine Gesellenjahre bei Frantzen in Uelsen und Walles in Bentheim von 1924 bis 1928
 
         
         
1928 kauften die Eltern ein Haus in Neuenhaus
1929 zog Karl Sauvagerd zu seinen Eltern nach Neuenhaus

In diesem Haus hat Karl Sauvagerd bis zur trassenverbreiterung gewohnt und gearbeitet. Leider haben die Stadtväter keine Möglichkeit gefunden eine alternative Bleibe für Karl Sauvagerd zu finden. Der Raum mit dem grossen Schaufenster war die Werkstatt des Schneidermeisters

 

1931 bis 1939

1931 machte Karl Sauvagerd seine Meisterprüfung.

 
1932 bis 1939

Von 1932 bis 1939 veröffentliche Karl Sauvagerd ( Lyrikus)über
300 Gedichte und Geschichten in der GN, Heimatkalender usw.

Eins seiner schönsten Gedichte "De Groafschup Benthem"

 
     
         
 
In dieser Zeit legte Karl Sauvagerd ein umfangreiches und wohl in der Grafschaft Bentheim einmaliges Herbarium an
     
         
 
 
 
         
 
 
         
         
 

1933 in Neuenhaus

 

Denk doaran

O, maakt nich alle Grund terecht

Grot en klain

Harwt is´t weer

De Haide blöjt

Der Hirt von Neuenhaus

Winterweer

Dat Vöerjoahr

Ik bin tefree

in uns`Vaderland

Grafschupper Platt

Heimweh

Herrgods Natur

Ik kenne Nuujnhuus ja heel best

In`t gröne

Ick bin de weer

 
         
 
 

1 Alberta Sauvagerd

2 Anna Krol

3 Karl Sauvagerd

4 Kleije Krol

5 Hermann Sauvagerd

Mitte Stijntje Krol

6 Christine Sauvagerd

7 Cathrin Krol

 

 
         
 
Karl Sauvagerd verbrachte viele Stunden in seiner geliebten Neuenhauser Umgebung, malte und zeichnete
 
Musikverein Neuenhaus
 
 
 
 
         

Karl Sauvagerd wird zu einer achtwöchigen Übung einberufen

Von Karl Sauvagerd Up Posten (1941)

De löö sind all’ nä bedde gään,
men söt gin menssche meer –
en ik möt hier up Posten stään
met >Stahlhelm« en geweer.

De steerne schiend sä still en kloor,
as gaf’t heelmäls gin ’ näd,
as gaf’t gin’ krieg en gin’ gefoor,
gin’ krankhäid en gin däd.

Et is ne laue Sommernacht,
van’t joor de mööjste tied,
de worme wijnd wäjd sacht, heel sacht —
dal meer, dat is nich wied. —

Is garnich wied, den ozean!
En ik std hier up wacht,
en all’ dee tied, gedürig-an,
heb’ ik an dij men dachd.

En miene heimat söög ik weer,
sä kloor, sä dichte bij,
en alles was as froger weer,
en du was weer bij mij

Ne klokke sleet. En door - bij n’ bääm,
kump wel! - Nen kameräd?
»Parole?« — Ja, uut is den drääm
en ik bin weer soldat!

Bin weer in Frankriek, in de nacht,
nich wied van ’t grote meer,
en sta hier stum en holl’ de wacht
met »Stahlhelm« en geweer! -

 

 

 

1939

 

Musterung mit Karl Sauvagerd 4 von links
 
Kriegserinnerungen 1939 bis 1942 incl. Vorbereitung eine Kriegstrauung
 
 

Unsen «ersten Standort was ’n dorp in de gegend van Düren, - in Oktober 1939 was dat. - in Blatzheim, dan kömmen wij in de Flak-Kaserne in Köln-Os­sendorf, beginn November güng 't up Bochum an, dan köimp Euskirchen an de riege, woor wij in ’t gymnasiuim (Emil-Fischer-Schule) an de Münstereifelerstraße underbracht wöörden. Door wassen wy noch iets länger, en dat heele sul föör uns as uutbildung deenen.

Den 18, Mai 1940 güng ’t dan wieder. Wij müssen altied sin­gen bij ’t marschieren, en hier het de et nu: »Vorwärts die Blicke, niemals zurücke geht unser Marsch an die Front«.., Ower Eupen-Malmedy güng ’t up Celles in Belgien an, en `n 20, Mai trökken wij in so ’n kläin dorp, Boiseiles; in. Door was de heele bevölkerung flücht't, alleen hier en door was noch nen aulen man blewen. Met eenen van dee kun in mäj best underhollen, dat was en Flame (uut Flandern), en hee sprök hollands met nen belgischen tungenslag. Den 11. Juni güng `t wieder, nu güngt up Frankriek an. De eerste Station- was door Archon, den 16. Juni güng ’t up de Champagne an, door wassen wij in Coulommes (bij Reims), den 18, Juni kömmen wij bij Troyes ower de Marne en Seine, den 21. Juni wassen wij al in Thiais bij Paris, den 27, Juni in Louviers (an de Eure)» den 11. Juli in Colombes (bij Paris), den 22. Juli in La Flesche, den 23. Juli in Nantes, - door blewen wij bis tot ’n 27. November, den dag kommen wij in Fontenay le Comte (Vendee) an. Door was dat räisen dan eerst to äinde, wij blewen door bis Meert 1942.

Bij den heeten -Vormarsch« gaf ’t natüürlük gin urlaub, al­lein in »dringenden Fällen*, - as een ’n bescheed kreeg, dat sien aulershuus ne bombe up "n kop kregen hadde of as door in de heimat en groot unglück west was, en in »dringenden Familienangelegenheiten - as dat van dee »Befehlshaber- an­erkannt wöörd. Schriewen güng noch altied orig good, wenn de post ok mangs lange underweggens was, un of en too was der ok wal is nen zug bombardierd en de breews en pakete en päckchen wassen dan natüürlik fut.

Ik kreeg ok mangs längere tied ginne post, en dan weer dree of veer breewe up eenen dag. Eerst hadden wij alle doormet rekkend, dat den krieg nich heel lange duren sul, se kwaterden doch alle van nen »Blitzkrieg*. Men met de tied lööt sik al gineene meer wat wies maken, - door was doch ok gin äinde van of te seen.

Ik schreef an miene bruud, of wij nich ne »Kriegstrauung* maken sullen. Unse hoch tied hadden wij uns wal heel anders vöörstelld, men: ten ersten kunnen wij door wal auld ower wodden, en ten tweeden was`t ok wal ne öörsorge.

Want as ik nich terügge kommen sul uut ’n krieg: dan kreeg mien verlobte niks, men as wij traud wassen, an kreeg se in so ’n gefall doch ne rente as kriegerwitwe. Dorüm wollen wij dat dan men in odder maken. Men nu gaf`t ok weer »Wi­derwärtigkeiten«. See mus men seen, dat se en »hochzeitlich kleid« kreeg, en dat was nich makkelk, - et gaf doch niks sonder »Punkte* en kaarten. Ok en »ärztliches Zeugnis* mus se hebben, dat se gesund was, en ok de »arische Abstammung schriftlich bewiesen. Mij güng dat nich anders: undersöken, Ariernachweis (den hadde ik al meer bruukt). En dan hadde ik den »Antrag« up gewoon schriefpapier schrewen» want ik hadde met niks anders, men up de schriewstube verlangden se nen bogen DIN A 4. Nu mus ik men seen, dat ik eenen kreeg. Dat mus ok alle in miene frije tied gebören, want mienen deenst güng verdann. Nou, ik hebbe dat wal red’t, men döör al dat trök sik dat spil doch orig in de längte. Antleste kreeg ik up de schriefstube noch van nen jungen kapo »Instruktio­n !en«, wu ik mij benemmen mus in de heimat, en dat ik nich in zi­vil, men in uniform trauen dus. »Wir lassen das nachprüfen!« sä hee. En dan kreeg ik endliks mienen urlaubschien.

 
 

 

 

     
 
Weiter in Stichworten, da wir noch in der Auswertung sind
 

1940
Luftnachrichtensoldat im Felde

1941
Hochzeit mit Auguste Hilfers

         

1941 bis 1948
Veröffentlichung von zahlreichen Gedichten und Geschichten unter dem Namen Lyrikus

1948
Der Heimatverein gibt das erste Buch "Haideblomen" heraus

1950 bis 1957
Sammeln von Pflanzen für sein Herbarium

1955
kam das zweite Buch "DeTied bliff Baas" heraus

1957
Von der neuen Rechtsachreibung für das Plattdeutsche (JB 1957)
Die Vosbargen Schrift - eine interregionale vereinbarte Schreibweise für das Niederdeutsche

1957 bis 1967
Gedichte, Geschichten in Plattdeutsch
Erinnerungen, Gedichte, Märchen
Mitglied der Niederdeutschen Dichtertagung und der Fehrsgilde in Hamburg.
Mitglied im Kirchenrat und Laienprediger
Vorstand im Heimatverein (23 Jahre)

1967 bis 1979
Erinnerungen, Gedichte, Geschichten
Buch Heimatliche Naturheilkräfte
Niedersächsisches Verdienstkreuz

usw.