150 Jahre
Kath. Kirche in Neuenhaus

         
         
 

Die Heimatfreunde Neuenhaus beteiligten sich Anfang Oktober mit einer Fotoausstellung an der Jubiläumsfeier
(150 Jahre St. Mariä Himmelfahrt)
der katholischen Kirche in Neuenhaus.
Thema der Fotoausstellung: Katholische Kirche – Hauptstraße – früher – heute

 
         
         
         
 
 
         
 

Im Jahr 1865 wurde die katholische Kirche Mariä Himmelfahrt in Neuenhaus geweiht. Am kommenden Wochenende feiert die Gemeinde den 150. Jahrestag der Konsekration. Eine Chronik blickt auf die vergangenen Jahre.

Neuenhaus. „Jubiläen sind wie Haltestellen, wie Raststätten. Sie geben Gelegenheit, zurückzuschauen und Kraft zu sammeln für die Zukunft.“ Diese Worte richtet der Osnabrücker Bischof Dr. Franz Josef Bode an die Katholiken in Neuenhaus, die aktuell ein besonderes Jubiläum vor sich haben: Am kommenden Wochenende, vom 9. bis 11. Oktober, feiert die Gemeinde das 150-jährige Bestehen ihrer Mariä-Himmelfahrt-Kirche, die am 5. Juli 1865 durch den damaligen Bischof Paulus Melchers geweiht wurde.

Zu diesem Anlass hat sich ein Team aus vier engagierten Gemeindemitgliedern zusammengesetzt und eine liebevoll gestaltete Chronik entworfen, die auf 192 Seiten das katholische Leben in Neuenhaus der vergangenen anderthalb Jahrhunderte Revue passieren lässt. Bewusst haben die Verantwortlichen dabei die kirchlichen Geschehnisse nicht isoliert betrachtet, sondern stets vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten. Ein beeindruckendes Dokument der Zeitgeschichte ist in diesem Zusammenhang die Pfarrchronik von Pastor Rudolf Meyer, der während des Dritten Reichs in Neuenhaus wirkte und die Vorgänge beobachtete.

Die „Katalogkirche“

Mit der Grundsteinlegung im Jahre 1863 fiel die Entstehung des Gotteshauses in eine Zeit, in der der Kirchenbau nahezu boomte. Baumeister Johann Bernhard Hensen entwarf in jenen Jahren eine ganze Serie an Kirchen in der Region, deren Handschrift bisweilen unverkennbar war. So kam der neogotische Bau in Neuenhaus denn auch zu seinem etwas flapsigen Beinamen „Katalogkirche“.

Pastor zu dieser Zeit war Carl Kerckhoff, tätig in der Dinkelstadt von 1851 bis 1894. Neuenhaus war erst im Jahr 1824 wieder zu einer Pfarre geworden, nachdem sich bereits 1677 in der protestantisch geprägten Kommune wieder eine katholische Gemeinde gebildet hatte. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörte etwa ein Drittel der Stadtbevölkerung zur katholischen Kirche.

Die Finanzierung des Kirchenneubaus gestaltete sich schwierig und erfolgte zum Teil über Haussammlungen, Spenden und Kapitalanleihen. Zur Anschaffung der neuen Glocken veranstaltete Pastor Kerckhoff sogar eine Lotterie, an der sich auch evangelische Bürger beteiligten. Zunächst wurde allerdings viel Inventar aus der Vorgängerkirche, einer kleinen Kapelle, übernommen und erst nach und nach ersetzt. Ein unbekannter Gönner schenkte der Kirche im Jahr 1901 eine Turmuhr.

Die Jahre vergingen, geprägt von politischen Umbrüchen, wie der Gründung des Kaiserreichs, dem Ersten Weltkrieg und der Weimarer Republik. Jedes Kapitel stellte seine eigenen Herausforderungen an die Neuenhauser Gemeinde, so natürlich auch die Zeit nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Pastor Rudolf Meyer notiert in seiner Pfarrchronik etwa, wie die Polizei ein geweihtes Kolpings-Banner aus der Kirche raubte oder fünf katholische Männer aus der SA ausgeschlossen wurden, weil sie an einer Wallfahrt nach Wietmarschen teilnahmen.

Gelebte Ökumene

In neuerer Zeit haben die ökumenischen Beziehungen zu den evangelischen Gemeinden in Neuenhaus eine immer größere Bedeutung erfahren. Als ein Wegbereiter gilt Pastor Hubert Lucas, der von 1971 bis 1994 in Neuenhaus wirkte. So gab es mit ihm 1973 – im Jahr der Fertigstellung des neuen Gemeindezentrums – einen ökumenischen Gemeindebrief der katholischen, reformierten und lutherischen Kirchen.

Entwicklungen gab es freilich auch am Kirchengebäude selbst: Im Jahr 1957 wurden die elektrische Heizung und die elektrische Liedanzeige in Betrieb genommen, 1980 folgte dann eine umfassende Kirchenrenovierung. Neue klangliche Dimensionen gibt es seit 1998, als eine historische Orgel aus England ihren Weg in die Mariä-Himmelfahrt-Kirche fand und seitdem Gottesdienste begleitet, bei Konzerten zu hören ist und zahlreichen Musikschülern als Lehrinstrument zur Verfügung steht.

Eng verwoben mit der Geschichte der Kirche ist auch der Betrieb der ehemaligen katholischen Volksschule und des Krankenhauses St. Vincenz. Die Schule wurde 1972 mit der evangelischen Volksschule vereint, das Krankenhaus zu Beginn der 1980er-Jahr zu einem Altenpflegeheim umgebaut.

Viele Aktivitäten

Heute präsentieren sich die Neuenhauser Katholiken, die seit zehn Jahren der Pfarreiengemeinschaft Niedergrafschaft angehören, als lebendige Gemeinde mit zahlreichen Gruppen, Gremien und Verbänden. Vom Kirchenvorstand über Pfarrgemeinderat, Kolpingfamilie, kfd- Frauen, Kirchenchor, Seniorengruppe bis hin zu einem ökumenischen Kreis – um nur einige Aktivitäten zu nennen – sind die Gemeindemitglieder vielfältig engagiert. So darf sich die Mariä-Himmelfahrt-Gemeinde die Worte des Bischofs getrost zu Herzen nehmen, um anlässlich des 150. Jubiläums auf eine bewegte Geschichte und mit Kraft in die Zukunft zu blicken.

Die Chronik über die Kirche in Neuenhaus ist im Pfarrbüro, im Bürgerbüro der Stadt und im Geschäft Spielzeug und Schreibwaren Ortmann (Inhaber Jens Schütte) erhältlich. Das bei Hellendoorn in Bad Bentheim gedruckte Buch kostet 11 Euro. Ein Euro davon geht an die Flüchtlingshilfe.

Sebastian Hamel