Ausstellung Karl Sauvagerd
de Tied bliff Baas

2017

         
 
Sauvagerd-Ausstellung zum 25. Jubiläum der Heimatfreunde Neuenhaus erfährt großen Zuspruch
 
         
 

NEUENHAUS. Die Heimatfreunde Neuenhaus freuen sich über den großen Anklang, den ihre Ausstellung zum Gedenken an Karl Sauvagerd findet: Seit dem vergangenen Wochenende werden im Alten Rathaus in Neuenhaus verschiedene Werke des Künstlers und Dichters gezeigt und Informationen zur Vita des außergewöhnlichen Grafschafters präsentiert. Ein Teil der Ausstellung widmet sich zudem seinem großen Interesse für heimische Heilkräuter. Der „doppelte Anlass“ für das Projekt ist zum einen das 25-jährige Vereinsbestehen, zum anderen der 25. Todestag Sauvagerds in diesem Jahr.

Rund 150 Gäste konnten die Heimatfreunde um ihren Vorsitzenden Georg Hagmann zur Eröffnungsfeier willkommen heißen – darunter eine Schülergruppe der Carl-van-der-Linde-Schule aus Veldhausen, die zwei plattdeutsche Lieder des Schriftstellers vortrugen und damit stimmungsvoll in die Thematik einführten. „Karl Sauvagerd – sein umfangreicher Nachlass ist eine wahre Schatztruhe für unsere Grafschafter Heimat“, sagte Hagmann in seinem Begrüßungswort. Als das Vorbereitungsteam der Ausstellung vor rund anderthalb Jahren seine Arbeit aufnahm, habe man noch nicht ahnen können, welch großen Umfang das Werk Sauvagerds besitzt.

Samtgemeindebürgermeister Günter Oldekamp lobte das große Engagement der Heimatfreunde und der Familienangehörigen des Dichters, dessen Nachlass zu sichten und zu sichern. Das Leben und Wirken Sauvagerds könne die Menschen noch heute inspirieren, bewusst zu leben und das Schöne an der Natur zu entdecken. Oldekamp beglückwünschte die Heimatfreunde darüber hinaus zu ihrem 25jährigen Bestehen und würdigte deren wertvolle Arbeit. Als wichtige Aufgaben des Vereins nannte er unter anderem, die Geschichte der Stadt aufzuarbeiten, die Liebe zur Heimat zu wecken, die plattdeutsche Sprache zu fördern, Dokumente aus alten Zeiten zu archivieren, Brauchtum zu beleben und auszuüben sowie für Geselligkeit untereinander und unter den Bewohnern der Stadt zu sorgen. Dem Lob an die Heimatfreunde und die Ausstellung sowie der

Bewunderung für das Schaffen Sauvagerds schlossen sich auch die stellvertretende Landrätin Helena Hoon, der Vorsitzende des Heimatvereins Grafschaft Bentheim Josef Brüggemann und Volksbank- Vorstand Jürgen Timmermann an. Die Grafschafter Volksbank, die Stiftung Grafschaft Bentheim und die Stadt Neuenhaus hatten die Ausstellung finanziell unterstützt. Am Eröff-nungsabend zugegen war auch Tochter Sauvagerds Berta Radicke: „Ich freue mich, dass die Arbeit und das Wirken meines Vaters auch nach so vielen Jahren noch gewürdigt werden“, sagte sie. Bis der Heimatverein Interesse bekundete, hatte sie den Nachlass ihres Vaters verwahrt. Nach und nach sollen die Werke dort eine geeignete Bleibe finden – bis auf einen ganz besonderen Gegenstand: Das große Herbarium, eine Sammlung konservierter Pflanzen aus der Grafschaft, welche Karl Sauvagerd bereits in den 1930er- Jahren anlegte.

Dieses wertvolle Stück überreichte Berta Radicke bei der Ausstellungseröffnung feierlich zu treuen Händen dem Leiter des Naturkundemuseums in Münster, Dr. Bernd Tenbergen. Der hob die Bedeutung des Herbariums hervor: „Die etwa 300 Bögen mit den gepressten und getrockneten Pflanzen, die gut bestimmt und mit Fundortangaben aus der Grafschaft Bentheim sowie dem Funddatum beschriftet sind, stehen damit Forschern und interessierten Botanikern zur Verfügung und sind ein wichtiges Dokument der Veränderung der Landschaft in den vergangenen 80 bis 100 Jahren.“ Näheres zum Herbarium berichtete der Grafschafter Botaniker Dr. Klaus Kaplan. Er unterstrich, dass Sauvagerd die Sammlung mit allergrößter Sorgfalt angelegt habe und sich die Pflanzen noch heute in einem guten Zustand befänden. Viele der Pflanzenarten seien inzwischen selten geworden oder gar ausgestorben. „Für mich ist die Anlage des Herbariums eine weitere Bestätigung dafür, dass Karl Sauvagerd ein äußerst vielseitig interessierter und begabter Mensch war.“ Wie sehr ihm seine heimatliche Natur am Herzen lag, werde auch in einigen seiner Gedichte deutlich, „in denen er Verluste und nachteilige Veränderungen der Landschaft beklagt und einen sensibleren Umgang mit der Natur fordert“.

Einen umfassenden Einblick in das Leben und Schaffen von Karl Sauvagerd lieferte der Historiker Dr. Helmut Lensing, der für die jüngste Ausgabe der „Emsländischen Geschichte“ einen Beitrag über den Grafschafter Lyriker verfasst hat. Monatelang sei er „Dauergast“ im Kreisarchiv in Nordhorn gewesen. Dabei habe der 1906 geborene Sauvagerd in beruflicher Hinsicht ein recht unspektakuläres Leben geführt. „Dass wird uns heute hier zusammengefunden haben, hat mit

den vielfältigen außerberuflichen Aktivitäten des Schneidermeisters zu tun“, sagte Lensing. Dabei nannte der Historiker auch als großes Anliegen Sauvagerds die Aussöhnung mit den Niederlanden, wo sein Engagement für die niederdeutsche Sprache große Beachtung fand und seine Gedichte bis in die Gegenwart gedruckt werden.

Die Heimatfreunde sind mit dem Auftakt sehr zufrieden. „Es macht den Anschein, dass wir mit dieser Ausstellung und in diesem Jahr genau richtig liegen“, heißt es. Viele Neuenhauser würden sich noch ihren Mitbürger Sauvagerd erinnern. Die Besucher hätten ein intensives Interesse gezeigt und das Gespräch mit den Heimatfreunden gesucht, wie es in dieser Form bei bisherigen Ausstellungen noch nicht der Fall gewesen sei: „Als ob ein Bedarf bestanden hätte.“

Die Öffnungszeiten sind bis zum 17. Dezember jeweils sonntags von 14 bis 18 Uhr, ebenso am Sonnabend, 2. Dezember und letztmalig am Dienstag, 26. Dezember.

 

 

 

„Ich freue mich, dass die Arbeit und das Wirken meines Vaters noch gewürdigt werden“

Berta Radicke