Ausstellung vom 22.11. - 15.12.2013
„ 1813 - 1913 - 2013 „
Geschichte - Erinnerungen - Ausblicke
 
         
 

GN vom 14.11.2013

Momentaufnahmen aus 200 Jahren
Heimatfreunde Neuenhaus erinnern an Ereignisse aus 1813, 1913 und 2013

 
         
 
nahmen aus 200 Jahren
 
 

Vor 100 Jahren im Alten Rathaus von Neuenhaus: Die Wache der Stadt trifft sich zum
„Spiel der Gemütlichkeit“. Die Zeichnung oben an der Wand zeigt ein Motiv aus der
Franzosenzeit. Sie ist noch heute im Alten Rathaus zu sehen.

 
         
 

Neuenhaus.

„Wir berichten, was in diesen Jahren in Europa und im Speziellen in der Niedergrafschaft geschehen ist“, erläutert Georg Hagmann von den Heimatfreunden. Ausgangspunkt ist die Völkerschlacht bei Leipzig vor 200 Jahren, die Napoleon verlor.

Die Heimatfreunde geben der napoleonischen Zeit viel Raum. Die Truppen des französischen Kaisers zogen zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch die Grafschaft. Im Alten Rathaus werden Berichte Grafschafter Bauernsöhne zu lesen sein, die damals eingezogen wurden. Erinnert wird in der Ausstellung auch an das Jahr 1913, als im Landkreis zum 100. Jahrestag der Leipziger Völkerschlacht und zum 25. Thronjubiläum von Kaiser Wilhelm Gedenksteine errichtet und Friedenseichen gepflanzt wurden. Mit einem Blick ins Jahr 2013 schlagen die Heimatfreunde auch einen Bogen in die Gegenwart und zeigen mit vielen Fotos markante Stellen der Dinkelstadt, die sich verändert haben oder noch im Umbruch begriffen sind.

Während des Weihnachtsmarktes in Neuenhaus machen die Heimatfreunde mit einer besonderen Aktion auf die napoleonische Zeit aufmerksam. Am Sonntag, 1. Dezember, wird auf dem Platz vor der reformierten Kirche ein Heerlager aufgebaut, an dem sich Darsteller aus den Niederlanden und die Historische IV. Kompanie aus Uelsen beteiligen. Höhepunkt ist der Besuch von „Napoleon“, dessen Darsteller mit einem Schimmel über die Uelsener Straße zum Alten Rathaus und zur Kirche reitet. Damit erinnern die Heimatfreunde an den 1806 geplanten – und geplatzten – Besuch des Kaisers in Neuenhaus. Das Heerlager soll zudem mit Zelten, Marketendern, Kanonenböllern und einem gemütlichen Lagerfeuer aufwarten. Jürgen Donker aus Alte Piccardie kommt mit Arbeitspferden, auch wird Bauer Harm aus dem Tierpark Nordhorn erwartet. Das Heerlager ist von 14 bis 18 Uhr zu besichtigen. Ein Besuch im Alten Rathaus rundet das Angebot an jenem Sonntag ab.

Die Ausstellung ist vom 24. November bis 15. Dezember jeweils sonntags von 15 bis 18 Uhr zu sehen. Sie ist außerdem am Sonnabend, 30. November, während des Weihnachtsmarkts geöffnet. Die Heimatfreunde bieten neben Kaffee auch Husarenplätzchen und „Musketenkugeln“ aus Schokolade an, der Eintritt ist frei. Die Ausstellung kann zudem nach Vereinbarung besichtigt werden und eignet sich auch für Schulklassen. Anmeldungen sind möglich bei Georg Hagmann unter Telefon (05941) 8810. Finanziell unterstützt werden die Projekte der Heimatfreunde durch die Sparkasse Neuenhaus. „Ohne das Sponsoring wären wir nicht in der Lage, ein solches Programm vorzubereiten“, betonte Dini Jürriens, die Vorsitzende der Heimatfreunde.

 
         
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Georg Hagmann begrüßte die Gäste im voll besetzten „Trauzimmer“ des Alten Rathauses und stellte fest, dass man sich an historischem Ort befinde, dem ehemaligen „Stadthuis“ und dass eben dieser Raum mit dem Kamin vor 200 Jahren auch schon als Arrestlokal für eingekerkerte Soldaten. Das Gemälde oberhalb des Kamins stellt jedenfalls einen exerzierenden Soldaten dar, dessen Schrittlänge nachgemessen wird und als unzureichend festgestellt wird: „Il manque un pouce“ = „Es fehlt ein Zoll“.
Er stellte dann die Frage, warum denn die französischen Soldaten hier in Neuenhaus und der Niedergrafschaft waren?
Für die Beantwortung dieser Frage müsse man in die Geschichte zurückblicken bis zu den Freiheitskriegen in Amerika um 1776. In der amerikanischen Gesellschaft wuchs der Widerstand gegen die Herrschaft Englands. Man forderte Freiheit von den Kolonialherren. An den Versammlungsorten für den Widerstand gegen England wurden Freiheitsbäume gepflanzt.

Der erste Freiheitsbaum auf einem öffentlichen Gelände war in Bosten eine Ulme. Der Freiheitsbaum war ein lebendes Symbol der Volksunterstützung für individuelle Freiheit und Widerstand gegen die Tyrannei der Herrschenden. In den folgenden Jahren hatte jede amerikanische Stadt ihren eigenen Freiheitsbaum.

Dieser Freiheitsgedanke aus Nordamerika übertrug sich später auf Frankreich. 1789 fand die französische Revolution statt. Die Ideale der Bevölkerung wurden mit dem Schlachtruf: Freiheit - Gleichheit - und Brüderlichkeit beschrieben. In der Folge wurde die Monarchie abgeschafft. In der damaligen 3 Ständegesellschaft hatten der König und der Klerus die Macht.

Den 3. Stand stellte die arbeitende Bevölkerung, die auch für die aufkommen musste. Seit Frankreich die Republik ausgerufen hatte, fühlte sich der Adel in Europa in seinen Machtansprüchen bedroht, bedroht durch ein mögliches Übergreifen revolutionärer Ideen auf die Bevölkerung ihrer Länder. Österreich, Preußen, England und die Niederlande verbündeten sich gegen Frankreich Die in Belgien stehenden Truppen wurden von den Franzosen geschlagen.

Die Holländer zogen sich nach Norden zurück. Englisch - Hannoversche Truppen nahmen ihren Rückmarsch über Holland und die Grafschaft Bentheim, wobei diese von französischen Soldaten verfolgt wurden. Die ganze Niedergrafschaft wurde von französischen Truppen überflutet. Letztendlich wurde ganz Europa von den Franzosen beherrscht. 1795 wurde aber der erste Freiheitsbaum (Fryboom) auch in Neuenhaus aufgestellt.

Dies ist der Anfang der Franzosenzeit in Neuenhaus und endete mit der Völkerschlacht bei Leipzig im Jahre 1813. Zurückziehende französische Truppen wurden verfolgt von den Kosaken, die mit Fürst Narischkin in Neuenhaus im Haus Hoogklimmer Quartier bezogen. Mit der Schlacht bei Waterloo in Belgien endete in Europa die französische

Fremdherrschaft und Napoleon wurde nach St. Helena verbannt. Im Jahr 1913, in der Wilhelmischen Zeit, wurde dann das hundertjährige Jubiläum der Völkerschlacht bei Leipzig und gleichzeitig das 25-jährige Dienstjubiläum Kaiser Wilhelm II gefeiert. Aus diesem Anlass wurden in vielen Gemeinden der Grafschaft Gedenksteine errichtet und Friedenseichen (auch Erinnerungseichen) gepflanzt. Das Jahr 2013 nehmen die Heimatfreunde zum Anlass, auf viele Veränderungen in der Innenstadt auf Foto- und Texttafeln Bezug zu nehmen.