Herzlich Willkommen auf der Homepage

der Heimatfreunde Neuenhaus

 
 
 

Nijjoor

Dat nije joor
dat is im door,
dat aule is vöörbij.
Wat 't nije wal
nu brengen sal
föör dij en ok föör mij?

Wat west is, dat
weet wij anpat,
wat kump, dat weet wij nich.
Eens is men kloar:
dat 't nije joor
verslotten vöör uns lig.

Wat ok geböörd:
as wij men leerd
te bliewen fast en stil;
et kump doch all'
så 't kummen sal,
et kump doch så 't God wil.

Karl Sauvagerd

 
     
 

 

Liebe Mitglieder !

Das Thema Corona und Covid-19 nehmen wir weiterhin sehr ernst. Da uns die Gesundheit unserer Mitglieder am Herzen liegt haben wir eine große Bitte, haltet euch an die vorgeschriebenen Maßnahmen unserer Regierung, Abstand halten, Masken tragen und Kontakte mit mehreren Personen meiden. Nur dann können wir unseren Beitrag leisten, das weniger Menschen angesteckt und am Coronavirus sterben.

Ab 30.11.2020 die Corona NEWS unter

"Aktuelles"

Über unsere Internetseite und der GN halten wir euch auf dem laufenden.

 
     
 

Bild der Säge- und Wassermühle Neuenhaus

Das Bild der Säge- und Wassermühle Neuenhaus befand sich im Besitz von Horst und Waltraut Paulsen. Es zeigt eine Ansicht der Sägemühle am Mühlenkolk in Neuenhaus, möglicherweise aus dem Jahr 1948. Das Bild wurde von Horst Paulsen gezeichnet und entsprechend signiert. Gezeichnet wurde es aus heutiger Sicht als Bleistiftzeichnung. Ob nach einer Vorlage gezeichnet wurde oder die Originalansicht skizziert und dann gemalt (gezeichnet) wurde, ist der Familie nicht bekannt.

Horst Paulsen hat vor seiner Heirat zum Ende der 40-ziger Jahre und bis ca. 1953/1954 sein Hobby der Malerei bei einem Kunstmaler Kreuzer (oder: Kreutzer) in Veldhausen verfeinert und dazu gelernt. Es gibt zwei weitere Bilder, die mit gleicher Technik erstellt wurden. Aus den Gesprächen mit meinem Vater und meiner Mutter zum Hobby der Malerei ist mir bekannt, das ein weiterer Schüler des Kunstmalers Kreuzer, Engelbert Greven, zur gleichen Zeit sein Hobby bei Kreuzer ausgeübt hat.

Der Kunstmaler Kreuzer hat zu einem mir nicht bekannten Zeitpunkt seinen Wohnsitz in den Raum Aachen verlegt.

Horst Paulsen hat in den 60-ziger Jahren in seiner Freizeit noch wenige verschiedene Landschaftsbilder sowohl in Aquarell und als Oelgemälde gemalt. Nach seiner Pensionierung hat Horst Paulsen Grußkarten, Urkunden und Spruchkarten für u.a. Hochzeitsbögen gemalt und den Text nach Schriften aus der Kalligraphie gestaltet.

Horst Paulsen wurde 1930 in Zoppot geboren, lernte ab 1948 das Schlosserhandhandwerk bei

der Preussag AG in Alte-Piccardie. Kurz nach der Gesellenprüfung wurde er in die Technische Abteilung versetzt und als Techn. Angestellter beschäftigt. Bis 1968 wohnten wir in Alte-Piccardie. Danach zogen wir nach Neuenhaus. Horst Paulsen verstarb 2014 mit 84 Jahren. Bilder aus seiner Zeit der Malerei und auch Fotos wurden im Familienkreis verschenkt oder weitergegeben.

Das Bild übergeben wir gerne den Heimatfreunden Neuenhaus. Es ist bei den Heimatfreunden gut aufgehoben. Der Betrachter kann das Bild auch nur genießen und sich an frühere Zeit erinnern.

Neuenhaus, im Jan. 2021

Uwe Paulsen

 
 

 

Die Heimatfreunde Neuenhaus bedanken sich ganz herzlich bei Uwe Paulsen für
diese einmalige Bleistiftzeichnung

 
     
 
Wir möchten Ihnen noch einige Schätze aus unserem Archiv vom Mühlenkolk vorstellen.
 
 

Alt-Neuenhaus
von Ludwig Sager

Strömen von Süden die Wasser der Dinkel, zügellos flutend: hier leitet und hemmt sie des Menschen ordnende Hand, daß sie ihm dienen und schaffen und treulich ihm helfen, füllen die Gräben, beschirmend den regsamen Ort. Spritzend aus schäumender Fülle stürzen sie nieder, treiben das Rad und mahlen das Korn und den Rübsen, bringen geduldig vom Westen Boote mit reichlicher Nahrung: Seid mir gepriesen, ihr Bäche und Bächlein der Stadt!

Unser „altes“ Chronikfoto zeigt eine Ansicht der Neuenhauser Wassermühle aus dem Jahre 1926. Ein idyllisches Landschaftsbild mit Häusern mit Fachwerk und Krüppelwalmdächem, die Kirche über alles thronend. Das Jahr 1926 fällt in eine Zeit, die einem nicht ob der politischen Entwicklung den Atem raubte, die nicht von hektischen Wirren gekennzeichnet war, wie es zehn Jahre vorher gewesen war und zehn Jahre später wieder sein sollte. Es schien, als ob sich diese Zeit wie eine Ruhepause über die Grafschaft Bentheim gelegt hätte.

 
     
 
 
     
 
 
     
 
 
 
 
 

Der Mühlenkolk

Neuenhaus hatte nie eine Stadtmauer. Die Stadt war nur durch die Dinkel und einige breite Gräben geschützt. Teilweise war hinter den Gräben ein Wall aufgeschüttet, der einen zusätzlichen Schutz bieten sollte.

Reste dieser Anlage sind noch am Ölwall erhalten. Er hat seinen Namen nach der Ölmühle, die sich am heutigen Mühlenkolk befand. Auch der Mühlenkolk war ein Teil der Neuenhauser Stadtgräben.

Früher gab es auch eine Verbindung zur Dinkel. Dann konnten kleine Schiffe, so genannte Schuten, über Dinkel und Vechte bis nach Amsterdam gelangen. Den Mühlenkolk nannte man "Schutendeep". Hier wurde Torf und andere Fracht abgeladen.

Am Mühlenkolk stand früher eine Wassermühle. Daran erinnern noch zwei große hölzerne Wasserräder. Zuletzt wurde hier mit Wasserkraft ein Sägewerk betrieben. Beim Abbruch der Mühle fand man einen sehr großen Stein. Er war aus Gildehauser Sandstein, 5 Tonnen schwer und er hatte einen Durchmesser von 3 Metern.

 
 

 
 

An't Wark

In de Tied, woar ick froger noch as Veedokter warkde, gaff't
natüürlik of en to wat Besünners te belewen. Gedürig an muss men
s‘nachens ut Berre en up'n Pad noa de Buren. Men wäint sick d'r
wal an, men angenaam is wat auners. Men dat, wat nu koump, is
magg starw'n woar, ick heb't mij nich ut de Finger söagen!

Dat Telefon güink moal weär bij Untieden, en denn Buur sää: „Et spie't
mi wall, Dokter, men du möss kummen, de Biggen könnt d'r nich
off!" Ick also drut ut't woarme Berre, futernd ümtröcken en in't Auto.
Up de Weg noa Hafenkaump dacht ick al: Wat dött de Mann met ne
Mutte, he heff doch met Vee nix in't Sinn, he helpt doch bij de Buren
alleen met Grepe en Batsche 'n lück met.

Dat Bürken, denn dat Schwien höarde, ick nööm em is moal Jan-
Harm, wounde dumoals in'n Hüürhuus in de Nöachte van't Kiesgatt.
Wu ick d'r anköimp, stüind he al buten vöar de Döare van't Schott.
Ick tröck mien‘n langen gröön'n Kiel an, packde denn langen
Plastikhaunschen en göink binnen. Dat Deär van meär as veärhunnert
Pound hadde nen oarig kotten Bollstatt, was alleen in't Schott, köimp
up mie to, möök 'nen langen Hals en keek mie nijschierig an. Soa'n
Benemmen füind ick wall 'n bettien raa. Dann dräide sick dat
Schwien üm en lööp futt. In denn Moment muss ick wall harre lachen
en denn Buur fröög: „Watt is d'r dann, Dokter?"

Noch in't Lachen sää ick: „Jan-Harm, dat Deär krich nooit gin
Biggen, dat is ginne Mutte, dat is 'nen Borg!"

 

Rolf Schrader

 
     
 

Plattdeutsche Autoren und ihre Themen - Vier Beispiele aus dem Emsland und der Grafschaft Bentheim

von Linda Wilken

Während Plattdeutsch als Alltagssprache im Emsland und in der Grafschaft Bent­heim zunehmend an Bedeutung verliert, hat Niederdeutsch als Kultursprache noch immer einen hohen Stellenwert. Neben den zahlreichen Theatergruppen und Kon­zertangeboten erfreut sich plattdeutsche Literatur großer Beliebtheit. Lesungen im Rahmen von Heimat- oder Kulturabenden locken viele Besucher an. Im gesamten norddeutschen Raum werden Vertreter innovativer Sprachkünstler ausgezeichnet. Macher von Poetry-Slams oder Live-Hörspielen versuchen, Plattdeutsch in zeitge­mäße Formate zu übertragen. Doch bei näherer Betrachtung ist zuzugeben, dass plattdeutsche Literatur einen verschwindend kleinen Teil des deutschen Buchmarktes ausmacht. Die meisten Neuerscheinungen der letzten Zeit waren Neuauflagen älterer Werke oder Übersetzungen hochdeutscher Romanklassiker sowie bekannter Erzählungen und Märchen. Zudem ist die Popularität plattdeutscher Bücher häufig auf die Sprachregion der jeweiligen Autoren begrenzt, da im Plattdeutschen keine überregionale Schriftsprache existiert.'

Vor dem Hintergrund dieser regionalen Begrenztheit stellt sich die Frage, ob plattdeutsche Literatur einen nachhaltigen Einfluss auf die Popularität und den Erhalt der niederdeutschen Sprache haben kann. Exemplarisch für zahlreiche Dichter des Emslandes und der Grafschaft Bentheim sollen an dieser Stelle vier Autoren vorgestellt werden, deren Texte sich bis heute großer Beliebtheit erfreuen und vor einigen Jahren neu aufgelegt und in hoher Auflage verkauft wurden. Was sind ihre Themen und wodurch zeichnen sich ihre Werke aus?

Albert Trautmann - der aufmerksame Beobachter

Lange blieb die Veröffentlichung niederdeutscher Texte emsländischer und Grafschafter Autoren auf Zeitungen, Zeitschriften und Heimatkalender beschränkt. Erst mit dem Aufkommen der Heimatbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand ein Umschwung statt, plattdeutsche Literatur erfreute sich wachsender Beliebtheit. 1910 erschienen die „Hümmlinger Skizzen” des Heimatdichters und Apothekers Albert Trautmann. Seine Geschichten mit plattdeutschen Dialogen wurden 2010 zum 100-jährigen Jubiläum der Erstveröffentlichung vom Emsländischen Heimatbund neu aufgelegt.

Trautmann kam 1867 in Sögel zur Welt und starb 1920 in Werlte. In der „Pillenburg“, wie er seine Apotheke in Werlte scherzhaft zu nennen pflegte, hatte er ausreichend Gelegenheit, die Hümmlinger und ihre Mentalität mit ihren Stärken und Schwächen zu beobachten. Der Inhalt der „Hümmlinger Skizzen“ umfasst Charakterstudien und Umweltbeschreibungen. Trautmann „zeichnet“ naturgetreue, ungeschminkte Bilder von echten Hümmlinger Bauern, Handwerkern, Heuerleuten und Arbeitern, wie sie um 1900 noch in den Heidedörfem und auf einsamen Höfen lebten und ihm auf Wald- und Heidewegen begegneten.

Trautmann wurde häufig gelobt für seine „treffsichere Beobachtungsgabe, das tiefe psychologische Verständnis, die hervorragende Gestaltungskraft (...) und vor allem den wahrhaft goldenen Humor, der das Ganze im milden Schein verklärt, wie die scheidende Sonne an schönen Herbstabenden die weiten Flächen des Hümm­lings noch einmal umfängt (...)“. Er wollte auch erzieherischen Einfluss ausüben und die von ihm kritisierte „Trunk- und Klatschsucht, Angeberei, leichtsinnige Unterschriften, Quacksalberei und Aberglaube“ bekämpfen. Daher wurde er als „väterlich besorgter liebevoller Mahner und Warner“ seiner Landsleute betitelt. Der Historiker Helmut Lensing beschreibt Trautmann als gesellige Frohnatur und guten Erzähler, der mit der Ausdrucksfähigkeit seiner Erzählungen, der Treffsicherheit seiner Schilderungen der Hümmlinger Bewohner und der dortigen Zustände des beginnenden 20. Jahrhunderts hervorstach.

Trautmann war auch in Vereinen und Organisationen aktiv. Er war federführend bei der Gründung des Hümmlinger Heimatbundes am 27. Dezember 1911, gemeinsam mit dem Sögeler Pfarrer Bernard Husmann. Der Bund verfolgte mit dem Theikenmeer als Mittelpunkt große Pläne. An dem 1913 angekauften Meer mit 60 Vierupsaat anliegendem Land sollte ein Bauernhof mit Nebengebäuden, Heuerhäusern und Stallungen erstehen. Damit sollte eine Vorstellung vom früheren Leben auf dem Hümmling vermittelt werden. Diese Pläne wurden durch den Aus­bruch des Ersten Weltkrieges und den frühen Tod Trautmanns zunichte gemacht. Ein Hauskauf wurde rückgängig gemacht, die Ländereien sind 1921 den früheren Eigentümern zurückgegeben worden.

Das Wirken von Albert Trautmann hat auch einen Nachhall im Heimatort des Dichters: Alle drei Jahre lobt der Heimatverein Werlte den „Albert Trautmann-Preis“ aus, der Projekte würdigt, die sich mit regionaler Kunst und Literatur auseinandersetzen und diese bekannter machen möchte.

Sein Werk ist sicherlich vor dem Hintergrund der Heimatbewegung zu sehen, die das Alte und Eigentümliche zuweilen romantisch verklärte. Groß waren die Umbrüche an der Schwelle zum neuen Jahrhundert. Und auch das Aussehen der Hümmlinger Landschaft mit der Urbarmachung von Heideflächen änderte sich massiv. Gleichzeitig verschwanden traditionelle Wohn- und Hausformen, Trachten und viele überlieferte Werkstoffe des Alltags. Dies veranlasste ihn wohl auch zum Schreiben und zum Festhalten „urtümlicher“ Typen des Hümmlings, die viele Leser auch heute noch wiederzuerkennen glauben. Charaktere wie „Postgerd“ oder Ereignisse wie die auf der von Trautmann geschilderten Kirmes oder der „Märhämmelfaohrt“ sind noch vielen Hümmlingern bekannt und besitzen bis heute auch aufgrund ihrer Erzählqualität ihren Reiz. Wie seine Skizzen in einigen Jahrzehnten wahrgenommen werden, bleibt abzuwarten.

Carl van der Linde - der politische Dichter

Ein anderer Autor, der während der Blütezeit der niederdeutschen Literatur in den 1920er- und 1930er-Jahren bekannt wurde, ist Carl van der Linde. Der Buchdrucker, Lyriker und Prosaist Carl van der Linde wurde 1861 als Sohn eines jüdischen Händlers in Veldhausen geboren. Nach seiner Tätigkeit beim „Hamburger Fremdenblatt“ als Schriftsetzer, die er schließlich aufgrund einer Nervenerkrankung nicht mehr ausüben konnte, kehrte er 1911 in sein Heimatdorf Veldhausen zurück und begann im Laufe des Ersten Weltkrieges, plattdeutsche Gedichte zu schreiben. Neben patriotischen Anwandlungen drückt er darin vor allem seinen Wunsch nach Frieden aus.

Während seiner Lehrzeit bei der „Zeitung und Anzeigenblatt“ in Neuenhaus hatte Carl van der Linde persönliche Kontakte zum Seniorchef Heinrich Kip und dessen Sohn Georg aufgebaut. Aufgrund dieser Verbindungen konnte van der Linde zwischen 1920 und 1929 eine große Anzahl von plattdeutschen Gedichten und Erzählungen in den Kipschen Zeitungen und den Organen des Grafschafter Heimatvereins veröffentlichen, die Heinrich Kip ebenfalls verlegte. So fiel die Zeit seiner größten Schaffensphase zwischen sein 60. und 68. Lebensjahr. Die erstmalige Veröffentlichung seiner Texte in Buchform im Jahr 1930, die Sammelpublikation „Grappen en Grillen“, erlebte er nicht mehr. 1986 wurde das seit Jahrzehnten vergriffene Buch leicht erweitert wieder aufgelegt und fand überregionale Beachtung. 2004 nannte sich die Veldhauser Grund- und Hauptschule in „Carl-van-der- Linde-Schule“ um und begann, sich intensiv mit Leben und Werk des Dichters zu beschäftigen. 2008 veröffentlichten die Schulleiterin Helga Vorrink und der Münsteraner Historiker Dr. Siegfried Kessemeier eine Zusammenstellung von Gedichten und Erzählungen. Das Buch wurde von der Hamburger Carl-Toepfer-Stiftung mit dem Titel „Plattdeutsches Buch des Jahres 2009“ ausgezeichnet.

Carl van der Lindes Werk teilt sich in zwei Bereiche: Heimatgedichte und politische Gedichte. Wie auch Albert Trautmann fühlte sich van der Linde der Heimatbewegung verpflichtet. Was ihn aber von anderen Autoren dieser Zeit unterscheide, so der Historiker Siegfried Kessemeler, sei „die besondere poetische Empfindsamkeit, die Bildhaftigkeit, die gekonnte Fügung der Verse, der Schwung und die Klarheit seiner Aussagen“." Neben Naturschilderungen, Anekdoten und Stimmungsbildern werfe van der Linde mit Humor und kritischem Bewusstsein einen Blick auf das politische Zeitgeschehen. Sein Werk ist stark alltags- und ereignisorientiert. Van der Lindes Texte wurzeln in der Mundartdichtung des 19. Jahrhunderts, greifen aber neue Themen und Formen auf. Mit seinen Kommentaren zum Zeitgeschehen überwand er die Fixierung auf das dörflich-ländliche Leben und schlug eine Brücke zur Moderne, ohne traditionelle Werte zu verwerfen. Seine politischen Gedichte spiegeln die spannungsreiche Zeit der Weimarer Republik mit ihrem internationalen Hintergrund von 1920 bis 1928 wider. Plattdeutsch als Medium einer Teilhabe am politischen Leben, damit zeichnete sich van der Linde als einer der Wegbereiter einer modernen, zeitnahen Mundartliteratur aus. Zudem bewies er durch seine Popularität, dass Plattdeutsch als Sprache als verbindendes Element die religiöse Orientierung überspannt.

Maria Mönch-Tegeder - die Begleiterin des Wandels

Maria Mönch-Tegeder ist für ihre Gedichte, Lieder, Romane und Theaterstücke bekannt. Auch ihre plattdeutschen Morgenandachten im Rundfunk fanden eine große Hörerschaft.

Als sich der Geburtstag der „Emsland-Dichterin“ 2003 zum hundertsten Mal jährte, rief der Emsländische Heimatbund ihr zu Ehren ein Gedenkjahr aus. Auf Initiative ihres Neffen Theo Mönch-Tegeder wurde die Neueditierung ihres Werkes vom Emsländischen Heimatbund in Angriff genommen und als dreibändige Ausgabe herausgegeben.

Der erste Band gilt einem thematischen Schwerpunkt im Werk, nämlich der Weihnachtszeit im Emsland. „Wi stickt nu de Kerßen an. Klaostiet un Wiehnachten in't Emsland. Vertellsels, Döönkes un ock wat to't Nachdenken“ konnte im Jahr 2000 vorgestellt werden. Der zweite Band, die „Emsland-Romane“ mit den Werken „Land unner Gottes Thron“, „Imme“ und „Plattdütske Romräse“, erschien 2001. Im November 2002 schließlich erschien der dritte Band mit den „Emsland-Vertellsels. 100 Döönkes un Riemseis“.

Vier Veranstaltungen wurden im Rahmen des Gedenkjahres organisiert, die der Kulturkreis Kirchspiel Emsbüren, die dortige Katholische Landjugend und der örtliche Heimatverein sowie der Heimatverein Meppen und der Emsländische Heimatbund gemeinsam ausrichteten.

Den Auftakt bildete ein Maria Mönch-Tegeder-Abend im Heimathof Emsbüren. Dort warf Hermann Bröring in seinem Grußwort die Frage auf, warum sich die Texte von Maria Mönch-Tegeder nach wie vor großer Beliebtheit erfreuten. Seiner Meinung nach bildete ihr Werk „einen Eckpfeiler im kulturellen leben unseres Raumes“. Sie hätte, so Bröring, dem Emsland in einer tiefgreifenden Umbruchphase ihren literarischen Stempel aufgedrückt und den Emsländern gleichzeitig mitgegeben: „Van dat Olde sali man tehren, kegen dat Neje sall’m sick nich wehren.“

Die 1903 in Mehringen bei Emsbüren geborene Maria Mönch-Tegeder hatte bei ihrer Arbeit das gesamte Emsland als Heimatregion im Blick. Dnd zwar nicht nur das Emsland früherer Tage, sondern auch die damalige Gegenwart und Zukunft dieser Region.

Die waren während der Schaffenszeit Maria Mönch-Tegeders geprägt von der großen Emslanderschließung, die 1950 mit einem entsprechenden Beschluss des Deutschen Bundestages ihren Anfang nahm. Durch sie hat die Randregion längs der niederländischen Grenze den Anschluss an die Lebensverhältnisse und wirt­schaftlichen Entwicklungen des übrigen Deutschland gefunden. Die Emslanderschließung bedeutete für die Menschen dieses Raumes aber auch, dass sie sich einem tiefgreifenden Umbruch und neuen Herausforderungen stellen mussten, welche die deutliche Anhebung der Bildungsqualität, die Anbindung an die großen Verkehrsströme, den Arbeitskräfteabbau in der Landwirtschaft sowie den Aufbau von Industrie und Gewerbe mit sich brachten.

Bei allem Humor, der in vielen Döönkes deutlich wird, ist das Hauptmotiv in fast allen Gedichten, Romanen und Theaterstücken Maria Mönch-Tegeders der Konflikt zwischen Tradition und Moderne.

Ihr Werk hat dem Stellenwert der plattdeutschen Sprache im kulturellen Leben des Emslandes nachhaltige Impulse gegeben. Ihre plattdeutschen Theaterstücke sind auf Freilichtbühnen und von plattdeutschen Amateur-Theatergruppen unzählige Male gespielt worden. Manche ihrer Gedichte wurden vertont. Sie selbst hat viele Jahre in den Sälen im.gesamten Emsland und den angrenzenden Gebieten ihr literarisches Werk auf zahlreichen Veranstaltungen vorgestellt. Über die platt­deutschen Morgen an dachten erreichte sie im gesamten norddeutschen Raum eine große Hörerschaft.

Die Pädagogin Maria Robben beschreibt Maria Mönch-Tegeder in einem Porträt anlässlich ihres 70. Geburtstages keineswegs als weltfremde Heimatdichterin, sondern als Autorin, die mitten im Leben stand und sowohl Leser also auch Zuhörer in ihren zahlreichen Vorträgen von sich zu begeistern wusste, weit über die Grenzen des Emslandes hinaus. Dabei zeichnete sie sich, so Robben, durch „einen hohen Informationsstand über Fragen aus allen Wissensgebieten“ sowie ein großes Ein­fühlungsvermögen in die Probleme der Gegenwart aus.

 

Karl Sauvagerd - der Brückenbauer

Im November 2019 machte sich eine Delegation aus der Grafschaft Bentheim auf den Weg nach Hamburg. Berent Vette und Klaus Vorrink hatten im Auftrag der Heimatfreunde Neuenhaus ein Buch über Leben und Werk des 1992 verstorbenen Heimatdichters Karl Sauvagerd herausgegeben. Die Anthologie mit dem Titel „De Tied blif Baas“ wurde nach Prüfung einer fachkundigen Jury von der Carl-Toepfer- Stiftung mit dem Preis „Plattdeutsches Buch des Jahres 2019“ ausgezeichnet. Eingebettet war die Preisverleihung in die 22. Buchmesse im Lichtwarksaal und der Niederdeutschen Bibliothek unweit des Hamburger Michels. „Der Preis ist eine öffentliche Anerkennung nicht nur für die Herausgeber und die Autoren, sondern vor allem eine Würdigung für das Lebenswerk Karl Sauvagerds und somit auch für die Dialektliteratur in Deutschland und in den Niederlanden“, urteilten Berend Vette und Klaus Vorrink. Die Jury bewertete den umfangreichen Band mit violettem Einband als „herausragendes Beispiel für die Auseinandersetzung mit regionalen Autoren“.

Karl Sauvagerd wurde 1906 in Gronau geboren. 1910 zog seine Familie in die Niedergrafschaft in die Bauernschaft Wilsum. Sauvagerd war im Hauptberuf Schneidermeister, veröffentlichte aber erstmals 1931 unter dem Pseudonym „Lyrikus“ im „Grafschafter Heimatkalender“.

Als „der dichtende Sniederbaas“ machte er sich mit seinen Gedichten bald einen Namen. Seine Texte wurden häufig zu verschiedenen öffentlichen Anlässen gelesen und er selbst war als Rezitator ein gern gesehener Gast. In seinen Gedichten beschäftigt sich Sauvagerd neben lokalen Ereignissen auch mit Natur- und Landschaftsbetrachtungen. In der „Grafschafter Tagespost“ veröffentlichte er vier Romane und schrieb darüber hinaus zahlreiche Kurzgeschichten, die zum einen märchenhaften Charakter besitzen und zum anderen einen tiefen Einblick in das Leben der Bewohner der Grafschaft Bentheim bieten.

Im Herbst 1956 gründeten die regen niederdeutschen Lyriker und Publizisten aus der Region Emsland/Grafschaft Bentheim den „Schrieverkring an Ems un Vechte“. Zum harten Kern dieser Gruppe gehörten neben Karl Sauvagerd die Emsländerin Maria Mönch-Tegeder, Hans Wessels, Bernhard Uphus und Josef Hugenberg, der Grafschafter Ludwig Sager sowie die aus der Grafschaft stammende, aber im Emsland lebende Christa Brinkers. Vorsitzender dieser Autorenvereinigung war der Grafschafter Sprachwissenschaftler und Lehrer Dr. Arnold Rakers. Der Schrieverkring pflegte enge Kontakte in die benachbarten niederländischen Regionen Twente, Drenthe und Salland (Overijssel). Sauvagerds Mutter Alberta wurde in der niederländischen Provinz Friesland geboren, in der die Umgangssprache Nedersaksisch war, das niederländische Plattdeutsch. Daher fühlte Sauvagerd sich auch aufgrund seiner familiären Herkunft stark mit den Nachbarnjenseits der Grenze verbunden. Er unterstützte sowohl die deutsch-niederländischen Annäherungen nach dem Krieg als auch die niederdeutsche Szene, die Anfang der 1950er Jahre auf beiden Seiten der Grenze einen starken Aufschwung erfuhr. Grenzüberschreitende Ver­anstaltungen im Rahmen seines Engagements für den Verkehrs- und Veranstaltungsverein Neuenhaus und den Heimatverein Grafschaft Bentheim führten immer wieder zu Begegnungen mit den Niederdeutsch sprechenden Nachbarn. Er wurde zu Lesungen auf niederländischer Seite eingeladen und auch Sauvagerds Gedichte wurden in der grenznahen Presse abgedruckt. Er steigerte seinen Bekanntheitsgrad durch Kontakte zu Akteuren im Heimatvereinswesen und vor allem zu nedersaksischen Autoren. Aus diesen Kontakten heraus entstand der „Nedersaksische Schrieversbund“ der sich 1955 im niederländischen Markelo konstituierte. Diese Vereinigung hatte das Ziel, niederdeutsche Literatur und die gemeinsame Muttersprache in der Grenzregion zu fördern und zu erhalten. Dazu seien die Erweiterung der Prä­senz des Niederdeutschen im Alltag und in den Medien sowie die Erarbeitung einer einheitlichen Rechtschreibung notwendig. Mit der Schaffung einer gemeinsamen Schriftsprache sollte ein neues, gemeinschaftsstiftendes Zusammengehörigkeitsge­fühl entstehen, und das nur wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges.

Neue Themen, neue Autoren - ein zukünftiges Arbeitsfeld der Fachstelle Plattdeutsch?

Die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim haben eine Vielzahl nieder­deutscher Autoren hervorgebracht, für die die Wertschätzung bis heute ungebrochen ist. Vielen ist bewusst, dass die über 1 000 Jahre alte plattdeutsche Sprache ein tragender Teil der regionalen Identität ist, ein Kulturgut, das nicht sang- und klanglos untergehen darf. Doch andererseits ist das Plattdeutsche als Alltagssprache auf dem Rückmarsch. Bemühungen, die noch vorhandene plattdeutsche Kompetenz an die nachwachsende Generation weiterzugeben, erweisen sich häufig als schwieriges Unterfangen. Nur noch wenige Lehrer sind aktive Plattdeutschsprecher und nicht nur die Elterngeneration, sondern zunehmend auch die Großelterngeneration sind nicht mehr in der Lage, mit ihren Kindern und Enkeln Platt zu sprechen. Wenn sich diese Entwicklung weiter fortsetzt, wird Plattdeutsch langfristig lediglich als Kultursprache weiterexistieren: im Theater, in der Musik und vor allem in der Literatur.

Die vorgestellten Autoren haben sich an ihrem eigenen gesellschaftlichen und sozialen Umfeld und auch an dem ihrer Leser orientiert. Die von ihnen gezeichnete Welt entspricht nur noch in Teilen der heutigen Realität. Zwar gibt es Autoren wie den Meppener Dichter Hermann May, der die plattdeutsche Sprache modern und innovativ verarbeitet und dafür große Anerkennung findet. Dennoch gibt es einen starken Bedarf an Nachwuchsautoren, wenn plattdeutsche Literatur nicht nur als harmlose Wohlfühlkunst zur Unterhaltung und zum Schwelgen in früheren Zeiten wahrgenommen werden soll. Sie muss sich zeitgemäßer Ausdrucksformen bedienen und Themen aufgreifen, die der aktuellen Lebenswirklichkeit entsprechen. Gerade heute wäre die Chance, mit der gemeinschaftsstiftenden Kraft der plattdeutschen Sprache Diskurse anzustoßen und gesellschaftsrelevante Themen aufzugreifen, sehr groß. Auch die Erarbeitung neuer plattdeutscher Theaterstücke und die Förderung von Drehbuchautoren wären Mittel, die Themenpalette niederdeutscher Bühnen zu erweitern, die sich im Emsland und der Grafschaft Bentheim häufig auf launige Abendunterhaltung beschränkt.

Die Fachstelle Plattdeutsch hat sich die Förderung niederdeutscher Kultur auf die Fahnen geschrieben. Es dürfte zu diskutieren sein, auf welche Weise plattdeutsche Nachwuchsautoren animiert und gefördert werden können. Gute Schriftsteller und lesenswerte Themen sind vorhanden. Der jährlich stattfindende Schreibwettbewerb des Norddeutschen Rundfunks ist ein Beweis dafür. Im Emsland und der Grafschaft Bentheim machen erfolgreiche Projekte wie das Krimi-Theaterstück „Water-Fall“ der AG Plattdeutsches Theater Hoffnung. Und auch im Vorfeld des plattdeutschen Lesewettbewerbs gibt es viele Nachfragen nach altersgemäßen Texten für Kinder und Jugendliche, die nur im begrenzten Umfang bedient werden können.Vielleicht könnte die Einrichtung eines Schreibwettbewerbs, einer regelmäßig stattfmdenden Schreibwerkstatt oder eines Literaturprojekts in Kooperation mit Schulen ein Mittel gegen das Nachwuchsproblem in der Region sein. Es gibt im­mer noch viele Menschen, die auf die Gedanken und Worte dieses Nachwuchses gespannt wären.

 
     
 

Wir bedanken uns

alle merken, dass der normale Alltag aus den Fugen geraten ist. Wir müssen auf viel verzichten und zwar weltweit, vor allem auf soziale Kontakte, Feste, Reisen.

Wir entdecken unsere Heimat und die nähere Umgebung.

Nicht alle Menschen kommen so entspannt durch diese Zeit, sondern sorgen unter anderem dafür, dass wir Alten ein Stück Normalität haben.

Jeden Morgen werden wir mit den Grafschafter Nachrichten versorgt. Nicht vorzustellen ein Frühstück ohne die Zeitung mit aktuellen Nachrichten aus der Region und aller Welt. Nicht nur Corona-Informationen erfahren wir, sondern eben auch noch erfreulich viel Anderes – wohltuend „Normales“. Wir danken den Zeitungszusteller/innen, den Redakteuren der GN für diesen Service.

Besonderen Belastungen sind die Ärzte/Hausärzte, das Pflegepersonal, sowie die Besatzungen der Krankenwagen ausgesetzt. Aufopferungsvoll kümmern und versorgen sie unsere Alten und Kranken in den vielen Altenheimen und Pflegestationen, in der Euregioklinik und auf den Krankenstationen. Ihnen gilt unsere Wertschätzung und unser Dank. Aber auch den vielen Angestellten in den Supermärkten und Lebensmittelgeschäften sowie den Apotheken danken wir. Sie haben zurzeit besonders viel zu bedenken wegen der zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen und der starken Nachfrage.

Viele Menschen sind das erste Mal in ihrem Leben mit einer so Angst einflößenden Situation konfrontiert. Aber das Gute: Die Menschen halten zusammen. Zahlreiche, kreative „Gutes-Tun“-Mitmenschen, wie z B. die Jugendlichen, die für uns einkaufen, Nachbarn, Bekannte und Freunde, die uns Mut zusprechen. Dazu gehört auch der Mann an der Tankstelle, der Postbote, die Polizei, der Pastor. Nicht zu vergessen die Politiker, die sich für unsere Gesundheit einsetzen und wichtige Entscheidungen treffen. Kurzum allen die uns in dieser schwierigen Zeit helfen und uns durch sie leiten. Allen danken wir von ganzem Herzen!

Beim abendlichen Glockenläuten wollen wir an sie denken und sie in unser Gebet einschließen.

 
     
 

Durch unseren Internetauftritt geben wir Ihnen die Möglichkeit, sich einen kleinen Einblick in unseren Verein zu verschaffen.

Die Einwohner aus Neuenhaus, den Nachbargemeinden, der Grafschaft, aber besonders auch Neuenhauser, die heute außerhalb und rund um den Globus verstreut leben, möchten wir ansprechen und ihnen, soweit das möglich ist, ein kleines Stück Heimat vermitteln.

In der Navigationsleiste ist erkennbar, mit welchen geschichtlichen und bis in die Gegenwart
hineinreichenden Dingen wir uns beschäftigen.

Sollten Sie für dieses Anliegen Dokumente, z. B. handschriftliche Akten, Postkarten, Fotos, Karten und Briefe aus den Weltkriegen, die Zeitgeschichtliches beinhalten, alte Heimatliteratur, aber auch Gegenstände, die mit Neuenhaus in Zusammenhang stehen, besitzen und der Allgemeinheit zugänglich machen wollen, selbstverständlich ohne die Besitzansprüche daran zu verlieren, dann setzen Sie sich doch mit uns in Verbindung.

 

Ihre Heimatfreunde aus Neuenhaus