Maler*innen
Wir möchten im Laufe der Jahre möglichst viele Maler*innen und Zeichner*innen vorstellen, die Neuenhaus oder Umgebung gemalt oder gezeichnet haben und deren Werke archiviert, publiziert oder zugänglich sind. Diese Seite befindet sich im Aufbau. gjb 28.10.2011. Nach der Übersicht der Namen folgen die einzelnen Personen und eine Auswahl ihrer Werke.
Jede Person kann man hier drunter direkt angeklicken auf den fett gedruckten Namen.
Andries Schoemaker 1660-1735 und
Abraham Meyling/Meijling
geb. um 1700
Sigmund Weber 1861-1932
Bernhard Schnieders 1873-1943
Wilhelm Frantzen 1910-1968
Georg Stillig 1928-2005
Andries Schoemaker 1660-1735 und Abraham Meyling/Meijling geb. um 1700
Andries Schoemaker (1660-1735) ist ein niederländischer Zeichner und Sammler topographischer Abbildungen. Im zweiten Teil seines Manuskripts von Overijssel hat er im Kapitel „Bentheim“ 17 mit Wasserfarbe kolorierte Zeichnungen der Grafschaft aufgenommen. Das Manuskript (385 x 250 mm) liegt im Historisch Centrum Overijssel (HCO) in Zwolle.
Schoemaker beauftragte andere Personen, um bestimmte Objekte für ihn zu skizzieren. Zu diesen gehörte auch der um 1700 geborene Abraham Meyling (auch Meijling). Dieser hat drei Zeichnungen von Neuenhaus 1733 angefertigt, die sich hier drunter finden. Vahrenhorst schreibt (BJb 213, 273f): „Die meisten dieser Zeichnungen sind am unteren Rand beschriftet. Es besteht wenig Zweifel daran, dass Schoemaker die ihm angelieferten originalen Zeichnungen oder Skizzen selbst neu gezeichnet hat (trotz der „Signierung“ Meyling oder de Haan) und diese dann in seinem Manuskript abgebildet hat. Von den Originalzeichnungen sind nur wenige erhalten geblieben.“
Literatur:
Willy Vahrenhorst, Über die „hobbelde, bobelde heyde“ zur Grafschaft. Andries Schoemaker (1660-1735): Niederländischer Zeichner und Sammler topographischer Abbildungen von Ortschaften und Monumenten in der Grafschaft Bentheim. Bentheimer Jahrbuch 2013, S. 271-296.
Z. Kolks und H. Hagens, Die topographische Zuverlässigkeit einiger Zeichnungen aus der Reisebeschreibung Andries Schoemakers. Bentheimer Jahrbuch1982, S. 81-89.



Apotheker Siegmund Weber 1861-1932
Johann Sigismund Weber war Apotheker in Neuenhaus. Er war verheiratet mit Egelina Hoen aus Burgsteinfurt. Sein Vater Anton Heinrich kam aus Osnabrück und wurde 1779 Neuenhauser Bürger. Er hatte zwei Jahre vorher in 1777 von den Erben von Gerhard Johann Hinderink die Apotheke gekauft. Dieser war hier Arzt und Apotheker in einer Person gewesen.
Über vier Generationen blieb die Apotheke im Besitz der Familie Weber. Später war hier Elektro Lankhorst. Das Wappen der Familie Weber-Hoen war lange auf dem alleinstehenden Torborgen an der Ecke Marktstraße-Vogtstiege zu sehen, der vermutlich um 1800 gefertigt wurde. Nach Johann Sigismund übernahm dessen Sohn Friedrich Wilhelm die Apotheke, danach dessen Sohn Sigismnd Gustav Carl (1861-1932). Nachdem auch Sigmunds verstorben war, erbte die langjähriche Haushälterin Louise Bollmann das Haus. Beider Namen stehen gemeinsam auf einem Grabstein auf dem städtischen Friedhof. (Nach Ruth Prinz, Honoratiorenfamilien in Neuenhaus, Neuenhaus – Ansichten und Einblicke 2011, S. 139)

Später wohnte hier Elisabeth Schräder mit ihrer Freundin, der Landwirtschaftslehrerin Margarete Düker. Schräders Mutter hat Frau Bollmann bis an deren Lebensende 1941 versorgt. Seit 2005 stand das Haus leer.
Die Zeichnungen von Sigismund Weber gelten noch als verschollen. Die HFN sind für jeden Hinweis dankbar.
Gertrud Gesenhuis hat schon einmal 2008 und erneut 2021 den Heimatfreunden Dias der Zeichnungen übergeben. (Hier drunter GN 30.06.2021, S. 18. Fotos rechts: Georg Hagmann)




Bernhard Schnieders 1873-1948
Bernhard Schnieders (1873-1948)
Kunstmaler und Anstreicher
Von Johann-Georg Raben, 1981,
(ausführlicher in DER GRAFSCHAFTER 1988, S. 24)
Bernhard Schnieders wurde 1848 in Alte Piccardie geboren. Sein Vater war Lehrer und stammte aus Georgsdorf (heutige Gastwirtschaft Schnieders).
Bernhard begann eine Lehrerausbildung, brachte sie aber nicht zu Ende. Er fühlte sich zum Kunstmaler berufen. Die schlechte Bezahlung der Lehrer dürfte dabei eine Rolle gespielt haben. Mit Kunstmalerei allein hätte er seinen Lebensunterhalt wohl noch schlechter verdienen können denn als Lehrer.
Deshalb machte er eine Lehre als Anstreicher und legte als solcher die Meisterprüfung ab. Er heiratete eine Frau aus dem Weserbergland. In Veldhausen gründete er einen Malerbetrieb. Hier ließ er sich 1907 für die damalige Zeit ein außergewöhnlich repräsentatives Haus im Stil der Gründerzeit bauen. Es steht noch heute (Dr. Piccardt-Str. 32).
Er hat das Haus in Düsseldorf gekauft. Dort stand es in einem Park. Fenster, Türen, Dachbalken und andere Holzteile ließ er per Bahn nach Veldhausen transportieren und das Haus hier wieder aufbauen. Die Innenwände dekorierte er direkt auf den Putz mit eigenen (gemalten) Bildern. Draußen über dem Haupteingang ist bis heute ein Blumenbild zu sehen.
Schnieders war Autodidakt. Er malte vor allem im Winter Ölbilder und Aquarelle, weil er dann Zeit hatte. In einigen Veldhauser Häusern malte er zur Dekoration seine Bilder (mit Rahmen) direkt auf die Wände, so z.B. im Flur vom Geschäft Büssemaker oder im Haus an der Uhlandstraße 1 und Veldhausener Str. 265.
Er verkaufte seine Bilder oder verschenkte sie auch bei Geburtstagen oder Hochzeiten. Die Rahmen der Bilder produzierte er selber. Bevorzugte Motive waren Landschaften oder Ansichten von Veldhausen oder anderen Orten. Es gibt auch einige sehr schöne und detailgetreue Personenbilder von ihm z.B. „Die Würfelspieler“, „Mignon“ (Bild einer „Zigeunerin“ oder „Eine glückliche Familie“.
Bernhard wird als freundlicher, lebensfroher Mensch beschrieben, der in Veldhausen und der Grafschaft beliebt und angesehen war. Die letzten 12 Jahre seines Lebens waren überschattet vom frühen Tod seiner Tochter Julie, die 1936 mit 21 Jahren verstorben ist.
Nach Bernhards Tod 1948 führte sein Sohn Gerhard das Malergeschäft weiter.
Dr. Johann-Georg Raben





Wilhelm Frantzen 1900 - 1975
Wilhelm Frantzen (04.06.1900-07.10.1975) ist gebürtiger Uelsener. Als er drei war, zog seine Familie nach Dortmund. 1922 legte er in Kassel die Prüfung als Zeichenlehrer ab. Er war Zeichenlehrer in Gronau und Hannover, wurde Fachberater für den Zeichenunterricht an höheren Schulen und Kunsterzieher in Braunschweig. Zeitweilig war er freischaffender Künstler. Zuletzt wirkte er als Oberstudienrat and er Gaußschule in Braunschweig. (W. Friedrich in: Der Grafschafter Juni 1991, S. 21f.)
Wegen seiner Nazi-Vergangenheit war er bis 1950 suspendiert, 1961 wurde er pensioniert. Er verbrachte die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und seinen Lebensabend in Uelsen. Siehe Wikipedia über ihn. Von 1950 stammt seine sehr aussagekräftige und informative Zeichnung von Neuenhaus, Privatbesitz Stahlhut, Neuenhaus.
Rechts Hotel Sickermann mit Scheunen, hinten das Alte Rathaus. Links mit grünem Brettergiebel Scheune vom Fürstlichen Rentamt, danach das Fürstliche Rentamt mit der Mauer davor. Vor der Mauer links ging der Ölwall ab. Die Scheune ist jetzt die Ausstellungshalle von Auto Olthoff.

Georg Stillig 1928 - 2005

Georg Stillig
21.10.1928 – 12.09.2005
geboren in Neuenhaus
verstorben in Nordhorn
beerdigt in Neuenhaus, kath. Friedhof.
Foto via Anja Breuker
Erinnerungen von seiner Schwester Gesina
und seinem Schwager Hans Schweizer:



Georg Stillig starb am 12. September 2005. Er wäre am 21. Oktober 77 Jahre geworden.
Gesine erinnert sich noch, wie er als Kind gesund war, Fußball spielen konnte, laufen und toben. Er fiel (vermutlich 1933) bei seinen Großeltern vom Heuboden, stand wieder auf, jammerte ein bisschen über seinen Rücken. Erst später hatte er mehr Beschwerden und eines Tages sagte er: „Mama, ich kann nicht mehr aufstehen.“ Er war gelähmt. Er kam in eine Klinik nach Hannover zu einem Professor, der Jude war und später bei der Judenverfolgung aus dem Amt gejagt wurde.
1939 begann der Krieg. Georg seine Versorgung wurde abgebrochen. Es gab das böse Naziwort vom „unwerten Leben“ und damit die staatliche Tötung, d.h. Ermordung vieler geistig und körperlich Behinderter.
Georg hat diese Schreckensherrschaft überstanden. Er war so gut in der Schule, dass er Nachbarskindern bei den Schularbeiten half, einfach so!
Er war an allen Dingen interessiert: Erst spielte er Mundharmonika, später Gitarre, Geige und Klavier. Er mochte Hunde, wie Waldi, und Vögel: Einer pfiff mit ihm sogar den River-Quai-Marsch.
Er spielte Schach, schon als Jugendlicher, auch mit mir, sonntags in Neuenhaus, und seine Mutter brachte uns frisch gekochte Fleischbrühe dazu. Johann, sein Vater, sagt zu mir, dass die Ärzte Georg eine Lebenserwartung von 30 Jahren geben würden. Ob Georg dies bekannt war, weiß ich nicht, aber er hat uns allen gezeigt, was Lebensmut und Energie zustande bringt.
Er fing an zu malen, wurde immer besser, so dass selbst ein Fachmann ungläubig staunte, was er sich selbst und ohne Lehrer beigebracht hatte. Er verschenkte großzügig viele seiner Bilder an seine Geschwister und bedachte noch viele andere mit seiner Kunst.
Körperlich trainierte er sich mit einem Wagen, den er mit Armeskraft bewegen musste. Armmuskeln hatte er wie ein Athlet und er war auch deshalb selbständig bis ins Alter. Bis zuletzt konnte er sich selbst versorgen und pflegen. Er war für uns ein Vorbild an Lebenswillen und Energie. Wir, die Geschwister, und die ihn so erlebten, werden noch oft an ihn denken. (Gesina und Hans Schweizer.)
Ergänzungen aus Mitteilungen von Georg Stillig seiner Schwester, Frau Korte (vom 25.01.2023, via Anja Breuker):
Die Eltern waren Johann Stillig (1900-1984) und Maria geb. Rakers aus Emlichheim (1900-1975). Das Ehepaar hatte sechs Kinder, eine Tochter ist mit elf Monaten verstorben. „Georg ist als zweijähriges Kind bei seiner Oma in Emlichheim von der Leiter gefallen. Dadurch hatte er eine Rückgrat-Verkrümmung, konnte aber noch laufen. Als Schüler lief er mit Stöcken. Er hat sich nach der Schule um eine Lehrstelle bemüht. Dann bekam er einen Rückfall und konnte nicht mehr laufen.
Er lebte einige Jahre im Altersheim in Emlichheim und zog 1995 in eine behindertengerchte Wohnung nach Nordhorn. Er hat lebenslang viel musiziert und gemalt. Beides hat er sich selber beigebracht.