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Maler*innen

Wir möchten im Laufe der Jahre möglichst viele Maler*innen und Zeichner*innen vorstellen, die Neuenhaus oder Umgebung gemalt oder gezeichnet haben und deren Werke archiviert, publiziert oder zugänglich sind. Nach der Übersicht folgen die einzelnen Personen und eine Auswahl ihrer Werke.
Für den Sommer 2024 planen wir eine Ausstellung über „Neuenhauser Maler und Motive„. Wer noch nicht registrierte Gemälde oder Zeichnungen besitzt, wird gebeten, sich bei den HFN zu melden.
Jede Person kann man hier drunter direkt anklicken auf den fett gedruckten Namen.

Schoemaker, Andries,  1660-1735 u. Meyling, Abraham geb. um 1700

Brondgeest, Albertus 1786-1849

Weber, Siegmund 1861-1932

Schnieders, Bernhard 1873-1943

Nyhuis, Hendrik 1891-1960/70?

Weber, Schnieders, Nyhuis, Temme und Stillig haben im Gebiet der heutigen Samtgemeinde Neuenhaus gelebt,

Schoemaker in den NL, Frantzen in Uelsen u. Hartmann in Gildehaus.

Andries Schoemaker 1660-1735 und Abraham Meyling/Meijling geb. um 1700

Meyling, De markt en kerk tot niwen Huys Int graafschap benthem Ao 1733
Meyling, Aan de wak tot niwenhuys, Anno 1733 (= Uelser Tor mit Gefängnis drüber)
Meyling, De borg tot Niwenhuys genaampt Dinkelrode, Anno 1733

Albertus Brondgeest 1786-1849

Abertus Brondgeest ist in Amsterdam geboren und gestorben. Er wirkte als Kunsthändler, aber auch als Zeichner, Aquarell- und Kunsmaler.

1809 wechselte er beim Malen von Wasserfarben auf Ölfarben.

1817 eröffnete er einen gutgehenden Kunsthandel in Amsterdam.

Brondgeest hat verschiedene Motive der Grafschaft Bentheim gezeichnet und gemalt, u.a. das Veldhausener Tor von Neuenhaus. Es wurde 2016 von K.H. Hecke koloriert. Dabei ist die Tür links zu einem Mühlenrad geworden. Siehe hier drunter. (17.01.24 gjb)

 


Apotheker Siegmund Weber 1861-1932

Johann Sigismund Weber war Apotheker in Neuenhaus. Er war verheiratet mit Egelina Hoen aus Burgsteinfurt. Sein Vater Anton Heinrich kam aus Osnabrück und wurde 1779 Neuenhauser Bürger. Er hatte zwei Jahre vorher in 1777 von den Erben von Gerhard Johann Hinderink die Apotheke gekauft. Dieser war hier Arzt und Apotheker in einer Person gewesen.
Über vier Generationen blieb die Apotheke im Besitz der Familie Weber. Später war hier Elektro Lankhorst. Das Wappen der Familie Weber-Hoen war lange auf dem alleinstehenden Torborgen an der Ecke Marktstraße-Vogtstiege zu sehen, der vermutlich um 1800 gefertigt wurde. Nach Johann Sigismund übernahm dessen Sohn Friedrich Wilhelm die Apotheke, danach dessen Sohn Sigismnd Gustav Carl (1861-1932). Nachdem auch Sigmunds  verstorben war, erbte die langjähriche Haushälterin Louise Bollmann das Haus. Beider Namen stehen gemeinsam auf einem Grabstein auf dem städtischen Friedhof. (Nach Ruth Prinz, Honoratiorenfamilien in Neuenhaus, Neuenhaus – Ansichten und Einblicke 2011, S. 139)

Später wohnte hier Elisabeth Schräder mit ihrer Freundin, der Landwirtschaftslehrerin Margarete Düker. Schräders Mutter hat Frau Bollmann bis an deren Lebensende 1941 versorgt. Seit 2005 stand das Haus leer.

Die Zeichnungen von Sigismund Weber gelten noch als verschollen. Die HFN sind für jeden Hinweis dankbar.

Gertrud Gesenhuis hat schon einmal 2008 und erneut 2021 den Heimatfreunden Dias der Zeichnungen übergeben. (Hier drunter GN 30.06.2021, S. 18. Fotos rechts: Georg Hagmann)

 

Neuenhaus Burg Dinkelrode, erbaut im Jahre 1290 (richtig 1317) von Johannes II., Graf von Bentheim
Der spanische Capitain Mendora läßt mehr als 60 Neuenhauser Bürger in der Spkmannschen Scheune (in Hilten) verbrennen Anfang Juni 1594

Bernhard Schnieders 1873-1948

Bernhard Schnieders (1873-1948)
Kunstmaler und Anstreicher
Von Johann-Georg Raben, 1981,
(ausführlicher in DER GRAFSCHAFTER 1988, S. 24)

Bernhard Schnieders wurde 1848 in Alte Piccardie geboren. Sein Vater war Lehrer und stammte aus Georgsdorf (heutige Gastwirtschaft Schnieders).
Bernhard begann eine Lehrerausbildung, brachte sie aber nicht zu Ende. Er fühlte sich zum Kunstmaler berufen. Die schlechte Bezahlung der Lehrer dürfte dabei eine Rolle gespielt haben. Mit Kunstmalerei allein hätte er seinen Lebensunterhalt wohl noch schlechter verdienen können denn als Lehrer.
Deshalb machte er eine Lehre als Anstreicher und legte als solcher die Meisterprüfung ab. Er heiratete eine Frau aus dem Weserbergland. In Veldhausen gründete er einen Malerbetrieb. Hier ließ er sich 1907 für die damalige Zeit ein außergewöhnlich repräsentatives Haus im Stil der Gründerzeit bauen. Es steht noch heute (Dr. Piccardt-Str. 32).
Er hat das Haus in Düsseldorf gekauft. Dort stand es in einem Park. Fenster, Türen, Dachbalken und andere Holzteile ließ er per Bahn nach Veldhausen transportieren und das Haus hier wieder aufbauen. Die Innenwände dekorierte er direkt auf den Putz mit eigenen (gemalten) Bildern. Draußen über dem Haupteingang ist bis heute ein Blumenbild zu sehen.
Schnieders war Autodidakt. Er malte vor allem im Winter Ölbilder und Aquarelle, weil er dann Zeit hatte. In einigen Veldhauser Häusern malte er zur Dekoration seine Bilder (mit Rahmen) direkt auf die Wände, so z.B. im Flur vom Geschäft Büssemaker oder im Haus an der Uhlandstraße 1 und Veldhausener Str. 265.
Er verkaufte seine Bilder oder verschenkte sie auch bei Geburtstagen oder Hochzeiten. Die Rahmen der Bilder produzierte er selber. Bevorzugte Motive waren Landschaften oder Ansichten von Veldhausen oder anderen Orten. Es gibt auch einige sehr schöne und detailgetreue Personenbilder von ihm z.B. „Die Würfelspieler“, „Mignon“ (Bild einer „Zigeunerin“ oder „Eine glückliche Familie“.
Bernhard wird als freundlicher, lebensfroher Mensch beschrieben, der in Veldhausen und der Grafschaft beliebt und angesehen war. Die letzten 12 Jahre seines Lebens waren überschattet vom frühen Tod seiner Tochter Julie, die 1936 mit 21 Jahren verstorben ist.
Nach Bernhards Tod 1948 führte sein Sohn Gerhard das Malergeschäft weiter.     
                                                         Dr. Johann-Georg Raben

 
Tuschzeichnung, rechts Haus Pannenborg mit Sandsteingesims
B. Schnieder, Mühlenteich 1929 (Eigentum N. Voshaar)

Hendrik Nyhuis 1891-1960/70

Hendrik Nyhuis wurde am 06. September 1891 (auf  Teich oder) in Thesingfeld geboren. Er wohnte später an oder in der Nähe vom Ootmarsumer Weg in Nordhorn, und war in zweiter Ehe mit einer VN geb. Scheffers verheiratet. Es gab drei Kinder aus erster Ehe: Sohn Alfred ist bei seinem Onkel auf Teich (Nhs.) groß geworden. Bei deren Nachkommen fanden sich zwei Fotos von dessen Vater Hendrik. Eine Tochter ist in die USA ausgewandert. Vom dritten Kind ist noch nichts bekannt.

Hendrik Nyhuis hat eine Ausbildung zum Fotografen gemacht, vermutlich in Schönberg in Schleswig-Holstein. Auf jeden Fall hat er einige Zeit dort gelebt. Später hat er zusammen mit dem Filmemacher Johann Wolf auch für den Kreis Graf. Bentheim gearbeitet.

Nyhuis arbeitete bei Nino als Musterentwickler. Er zeichnete u.a. Haus Hermelink in Nordhorn. Zuvor arbeitete er bei der Kartonagefabrik Gebr. Linde als Zeichner. Gerhard Plasgers Tante arbeitete dort auch in der „Dösiesfabrik“. Über sie hat Gerhard Plasger drei Zeichnungen erhalten: Ref. Kirche am Markt, Haus. Hendrik Nyhuis hat alle Zeichnungen signiert mit H. Nyhuis (mit „y“)

Links Veldhausen, rechts und unten Nordhorn

Wilhelm Frantzen 1900 - 1975

Wilhelm Frantzen (04.06.1900-07.10.1975) ist gebürtiger Uelsener. Als er drei war, zog seine Familie nach Dortmund. 1922 legte er in Kassel die Prüfung als Zeichenlehrer ab. Er war Zeichenlehrer in Gronau und Hannover, wurde Fachberater für den Zeichenunterricht an höheren Schulen und Kunsterzieher in Braunschweig. Zeitweilig war er freischaffender Künstler. Zuletzt wirkte er als Oberstudienrat and er Gaußschule in Braunschweig. (W. Friedrich in: Der Grafschafter Juni 1991, S. 21f.)

Wegen seiner Nazi-Vergangenheit war er bis 1950 suspendiert, 1961 wurde er pensioniert. Er verbrachte  die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und seinen Lebensabend in Uelsen.  Siehe Wikipedia über ihn. Von 1950 stammt seine sehr aussagekräftige und informative Zeichnung von Neuenhaus, Privatbesitz Stahlhut, Neuenhaus.
Rechts Hotel Sickermann mit Scheunen, hinten das Alte Rathaus. Links mit grünem Brettergiebel Scheune vom Fürstlichen Rentamt, danach das Fürstliche Rentamt mit der Mauer davor. Vor der Mauer links ging der Ölwall ab. Die Scheune ist jetzt die Ausstellungshalle von Auto Olthoff.

Jan Temme 1923-2005

Jan Temme wurde 1923 in Veldhausen geboren. Er erlernte in Nordhorn das Malerhandwerk und arbeitete hier als Bühnenbildner für die Städtischen Bühnen. 1951 bis 1953 studierte er danach an der Akademie der Bildenden Künste in München. Im Anschluss betrieb er in Nordhorn ein Atelier für angewandte Kunst.
Danach schloss er ein weiteres Studium zum Gewerbelehrer in Wilhelmshaven ab.  Diesen Beruf übte er ab 1959 in Wittmund sowie in Leer aus. 1970 wurde er Kunsterzieher in Leer, später in Brinkum.
Temme trat dem BBK Ostfriesland bei und hatte dessen Vorsitz von 1971 bis 1981 inne. 1986 verzog der Künstler nach Hannover, wo er nach langer Krankheit 2005 verstarb.

Von seiner Hand stammen vermutlich die aufwendigen Wandmalereien, die man 2023 im ehemaligen Kino Capitol an der Neuenhauser Straße 13 in Nordhorn wieder entdeckt hat (GN 12.08.2023, S. 17).
Wer Grafschafter Werke von Jan Temme kennt, melde sich gerne bei den Heimatfreunden Neuenhaus.  Vergleiche die HP Buchfreund.de    (gjb 16.08.2023)

Georg Stillig 1928 - 2005

Georg Stillig
21.10.1928 – 12.09.2005

geboren in Neuenhaus
verstorben in Nordhorn
beerdigt in Neuenhaus,  kath. Friedhof.

Foto via Anja Breuker


Erinnerungen von seiner Schwester Gesina
und seinem Schwager Hans Schweizer:

Georg Stillig starb am 12. September 2005. Er wäre am 21. Oktober 77 Jahre geworden.
Gesine erinnert sich noch, wie er als Kind gesund war, Fußball spielen konnte, laufen und toben. Er fiel (vermutlich 1933) bei seinen Großeltern vom Heuboden, stand wieder auf, jammerte ein bisschen über seinen Rücken. Erst später hatte er mehr Beschwerden und eines Tages sagte er: „Mama, ich kann nicht mehr aufstehen.“ Er war gelähmt. Er kam in eine Klinik nach Hannover zu einem Professor, der Jude war und später bei der Judenverfolgung aus dem Amt gejagt wurde.
1939 begann der Krieg. Georg seine Versorgung wurde abgebrochen. Es gab das böse Naziwort vom „unwerten Leben“ und damit die staatliche Tötung, d.h. Ermordung vieler geistig und körperlich Behinderter.
Georg hat diese Schreckensherrschaft überstanden. Er war so gut in der Schule, dass er Nachbarskindern bei den Schularbeiten half, einfach so!
Er war an allen Dingen interessiert: Erst spielte er Mundharmonika, später Gitarre, Geige und Klavier. Er mochte Hunde, wie Waldi, und Vögel: Einer pfiff mit ihm sogar den River-Quai-Marsch.
Er spielte Schach, schon als Jugendlicher, auch mit mir, sonntags in Neuenhaus, und seine Mutter brachte uns frisch gekochte Fleischbrühe dazu. Johann, sein Vater, sagt zu mir, dass die Ärzte Georg eine Lebenserwartung von 30 Jahren geben würden. Ob Georg dies bekannt war, weiß ich nicht, aber er hat uns allen gezeigt, was Lebensmut und Energie zustande bringt.
Er fing an zu malen, wurde immer besser, so dass selbst ein Fachmann ungläubig staunte, was er sich selbst und ohne Lehrer beigebracht hatte. Er verschenkte großzügig viele seiner Bilder an seine Geschwister und bedachte noch viele andere mit seiner Kunst.
Körperlich trainierte er sich mit einem Wagen, den er mit Armeskraft bewegen musste. Armmuskeln hatte er wie ein Athlet und er war auch deshalb selbständig bis ins Alter. Bis zuletzt konnte er sich selbst versorgen und pflegen. Er war für uns ein Vorbild an Lebenswillen und Energie. Wir, die Geschwister, und die ihn so erlebten, werden noch oft an ihn denken.               (Gesina und Hans Schweizer.)

Ergänzungen aus Mitteilungen von Georg Stillig seiner Schwester, Frau Korte (vom 25.01.2023, via Anja Breuker):
Die Eltern waren Johann Stillig (1900-1984) und Maria geb. Rakers aus Emlichheim (1900-1975). Das Ehepaar hatte sechs Kinder, eine Tochter ist mit elf Monaten verstorben. „Georg ist als zweijähriges Kind bei seiner Oma in Emlichheim von der Leiter gefallen. Dadurch hatte er eine Rückgrat-Verkrümmung, konnte aber noch laufen. Als Schüler lief er mit Stöcken. Er hat sich nach der Schule um eine Lehrstelle bemüht. Dann bekam er einen Rückfall und konnte nicht mehr laufen.
Er lebte einige Jahre im Altersheim in Emlichheim und zog 1995 in eine behindertengerchte Wohnung nach Nordhorn. Er hat lebenslang viel musiziert und gemalt. Beides hat er sich selber beigebracht.

Friedrich Hartmann 1912-2000

Friedrich Hartmann wuchs in Mühlheim an der Ruhr auf. 1948 ließ er sich in Gildehaus nieder. Im Stumpf der dortigen Mühle richtete er sein Atelier ein und nannte sie Lukasmühle. Siehe über ihn im Netz etwa bei Wikipedia.

Die Glasarbeit in Blei zeigt in einem Fensterbild die reformierte Kirche in Neuenhaus. Der Entwurf vermutlich 1975/80 stammt von Hartmann. Die Glasarbeit nicht. Sie kommt aus dem Besitz von Lina Hansen geb. Schiebener (1929-2023) und wurde 2023 von ihrer Tochter den HFN übergeben.

Zudem gibt es bei den HFN noch zwei Holztafeln mit Gemälden von Friedrich Hartmann, die sich hier drunter finden.

Dabei handelt es sich um zwei Darstellungen vom „Gildehäuser Venn mit Bentheim u. Gildehaus. Beitze auf Holz. Hartmann, Lukasmühle, 4444 Gildehaus.