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Ausstellungen

Seit 1992 zeigen die Heimatfreunde im Alten Rathaus jährlich mindestens eine Ausstellung. Ende August 2023   soll „Meine Kindheit und Jugend in Neuenhaus in den 1950er/60er Jahren“ gezeigt werden. Beiträge dafür sind herzlich willkommen.Hier drunter folgt eine Übersicht der bisherigen Ausstellungen seit 1992.
Jede aufgelistete Aufstellung kann man direkt anklicken. Mit dem Doppelpfeil unten rechts kommt man wieder oben auf diese Seite.

Denkbar sind Ausstellungen in Zukunft u.a. zu folgenden Themen:
Postkarten, Schulen, Urkunden, Dinkel und Vechte, Auswanderung, Schriftstelle*innen, Maler*innen, Politiker*innen aus Neuenhaus, Neuenhaus in Kriegszeiten, NS-Zeit, Gemeinderäte (Bürgermeister und Ratsmitglieder), Gold- und Münzfunde, Neuenhaus im Spiegel seiner Urkunden und manches andere. Wir sind offen, für alle Ideen und Vorschläge.   (gjb 20.09.23)

2023 Kindheit und Jugend in Neuenhaus 1950-1969

Die Broschüre dieser Ausstellung (2. Auflage) mit 100 Seiten ist erhältlich bei den HFN (montags 19.30-21.30 Uhr), bei der Stadt Neuenhaus und dem Grafschafter Heimatverein (Nino-Allee 2, Nordhorn). Sie kostet 12,- €,

2022 Bilder  Stadtjubiläum und Tafeln Altes Rathaus

650 Jahre Stadtjubiläum 2019

Im Sommer 2019 feierte Neuenhaus das 650jährige Stadtjubiläum.  Ein Höhepunkt des Jubiläumsjahres war die Lichtprojektion auf die Stirnseite der reformierten Kirche am Rathaus. Die Ausstellung über die Feierlichkeiten konnte 2020 und 2021 wegen Corona nicht gezeigt werden. 2022 wurde sie im Alten Rathaus nachgeholt. Gleichzeitig wurden die vier nachfolgenden Tafeln über die Geschichte vom alten Rathaus erstellt.

2020 und 2021 keine Ausstellung

In den Jahren 2020 und 2021 konnte wegen Corona keine Ausstellung gezeigt werden. Geplant und fertig war für diese Jahre die Ausstellung, die 2022 gezeigt wurde.

2019 "Mein Neuenhaus"

2019 „Mein Neuenhaus“

Gemeinsame Ausstellung der Heimatfreunde Neuenhaus, der Neuenhauser Schulen und Kindergärten während des Stadtfestes Ende August 2019

Im Rahmen eines Kunstwettbewerbs zum 650-jährigen Stadtjubiläum waren alle Neuenhauser Schulen und Kindergärten aufgerufen, Bilder zum Thema „Mein Neuenhaus“ zu gestalten. Sämtliche Kunstwerke der Kinder sind im Alten Rathaus ausgestellt worden.

Gleichzeitig ist ein Postkartenset mit 39 farbenfrohen und ausdrucksstarken Kunstwerke entstanden.

Gundula Hagmann, Claudia Lübbermann und Friedegunde Kamps haben das Set herausgegeben. Es wurde von den Graphischen Betrieben Kip gedruckt und ist bei den Herausgebern nach wie vor erhältlich.

2018 Die Grafschaft ist am Zug

Die Grafschaft ist am Zug. Ein wichtiges Etappenziel ist mit der Wiederbelebung des Bahnhofs in Neuenhaus erreicht. Vier Jahrzehnten fuhren zwischen Neuenhaus und Bad Bentheim keine Personenzüge. Das änderte sich 2018. „Lebendige Bahnhöfe“ waren ein wichtiger Teil des „Projektes Regiopa“, das die Wiedereinführung des Schienenpersonennahverkehrs in der Grafschaft zum Ziel hat.


2018 Ausstellung: 1914 - 1918 gefallen - vermisst - vergessen?

Diese Ausstellung der Heimatfreunde Neuenhaus im Alten Rathaus beleuchtete die Folgen des Ersten Weltkrieges.
Er hat vielen Menschen  aus der Samtgemeinde Neuenhaus das Leben genommen und Leid über viele Familien gebracht. Aus Anlass des Kriegsendes vor 100 Jahren präsentierten die Heimatfreunde Neuenhaus diese Ausstellung. Weiter unten folgt ein Beitrag, den Norbert Voshaar für diese Ausstellung geschrieben hat.

Dazu: Grafschafter Nachrichten vom 22.11.2018, S. 18, Von Sebastian Hamel

NEUENHAUS „... dass nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint.“ Dieser Satz, der in der Kriegsgräberstätte Golm auf der Insel Usedom zu lesen ist und sich auch in der DDR-Hymne wiederfindet, prangt in großen Lettern über den Schautafeln im Alten Rathaus in Neuenhaus. Darunter sind Dutzende Traueranzeigen angepinnt, von denen jede für sich den Tod eines jungen Menschen dokumentiert. Es ist ein bedrückendes Bild, das sich den Besuchern der Ausstellung „Gefallen, vermisst, vergessen?“ bietet. In anderthalbjähriger Arbeit haben die Heimatfreunde Neuenhaus das Schicksal der im Ersten Weltkrieg ums Leben gekommenen Soldaten aus den Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde Neuenhaus aufgearbeitet. Sie und zeigen, wie euphemistisch der Begriff „Heldentod“ gefärbt ist und welches Leid der Krieg über die Menschen gebracht hat.
Insgesamt 160 Männer aus dem Gebiet der heutigen Samtgemeinde sind nicht aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt. Ihre Namen sind an verschiedenen Denkmälern zu lesen, werden aber im Vorbeigehen häufig nicht näher betrachtet, befindet Georg Hagmann, Vorsitzender der Heimatfreunde. Die Ausstellung soll das Schicksal der Verstorbenen und ihrer Angehörigen nun in den Fokus rücken. „Über die Ereignisse im Ersten Weltkrieg ist in den vergangenen vier Jahren schon viel berichtet worden. Es lag den Heimatfreunden am Herzen, in einer Ausstellung das Augenmerk auf die Gefallenen und Vermissten und die Folgen des Krieges für die Familien unserer Stadt und Samtgemeinde zu richten“, so Hagmann.

Nicht verblasst
Das Fragezeichen im Titel „Gefallen, vermisst, vergessen?“ zeigt an, dass die Ausstellung auch die Frage aufwirft, ob jegliche Erinnerung an das Leid vor 100 Jahren inzwischen verblasst ist. Die Antwort wird gleich mitgeliefert: So zeigt etwa die von der Familie Albers/Züwerink selbst erstellte Gedenktafel des Soldaten Jan Albers eindrucksvoll, dass eine Auseinandersetzung mit den Geschehnissen von damals noch heute stattfindet. 2014 hatten die Urenkel des Niedergrafschafters dessen Grab in Frankreich ausfindig gemacht. Albers‘ Frau war ein Abschiednehmen seinerzeit nicht vergönnt.
Hermann oude Voshaar und Harm Hensen bilden zwei weitere Einzelschicksale, welche die Ausstellung besonders hervorhebt. Hensens Geschichte beschreibt der Lehrer und Heimatdichter Karl Lilienthal, der von 1916 bis 1918 in Osterwald wirkte, in seinen Tagebuchaufzeichnungen, die zum Nachlesen nun im Alten Rathaus ausliegen. Darin zitiert er einen Brief Hensens, in welchem sich der Soldat auf ergreifende Weise an seine Frau wendet: „Wenn ich bleibe, klagt nicht um mich! Sorge für unsere sechs Kinder und das noch nicht Geborene. Sei mutig und unbescholten. Es gibt noch eine Zukunft für uns.“
Interessant sind auch die Briefe des Georgsdorfer Pastors Voget, die der Geistliche zwischen 1914 und 1918 an die Soldaten verschickte, um von Ereignissen aus der Heimat zu berichten. 165 dieser Schreiben liegen ebenfalls zum Nachschlagen aus.

Ein beachtenswertes Ausstellungsstück ist darüber hinaus die Gedenktafel der katholischen Kirchengemeinde in Neuenhaus, welche an die Gefallenen aus den eigenen Reihen erinnert. (gjb s.u.) Weitere Original- Exponate wie Ausweise, Orden und Helme vervollständigen die Ausstellung, ebenso wie Infotafeln des Emsland-Museums in Lingen, die über die Folgen des Krieges für die Region Auskunft geben…

Zum Ersten Weltkrieg:
Norbert Voshaar, Ein Soldatenschicksal 1914

Bentheimer Jahrbuch 2020, S. 177-184


2017  De Tied blif Baas (Karl Sauvagerd 1906 - 1992)

Zur Eröffnungsfeier dieser Ausstellung kamen 2017 rund 150 Besucher*innen ins Alte Rathaus, weitere 80 konnte der Verein am ersten Öffnungssonntag begrüßen.
2019 ist das Buch erschienen: „De Tied blif Baas“ Karl Sauvagerd. Ausgewählte Texte und ein Lebensbild. Es ist im Handel und an anderen Orten käuflich zu erwerben. ISBN 978-3-9818393-7-1 (Studien und Quellen zur Geschichte des Emslandes und der Grafschaft Bentheim, Band 3, 417 Seiten)

Ausstellung Karl Savagerd, De Tied bliff Baas

NEUENHAUS. Die Heimatfreunde Neuenhaus freuen sich über den großen Anklang, den ihre Ausstellung zum Gedenken an Karl Sauvagerd findet: Seit dem vergangenen Wochenende werden im Alten Rathaus in Neuenhaus verschiedene Werke des Künstlers und Dichters gezeigt und Informationen zur Vita des außergewöhnlichen Grafschafters präsentiert. Ein Teil der Ausstellung widmet sich zudem seinem großen Interesse für heimische Heilkräuter. Der „doppelte Anlass“ für das Projekt ist zum einen das 25-jährige Vereinsbestehen, zum anderen der 25. Todestag Sauvagerds in diesem Jahr.

Rund 150 Gäste konnten die Heimatfreunde um ihren Vorsitzenden Georg Hagmann zur Eröffnungsfeier willkommen heißen – darunter eine Schülergruppe der Carl-van-der-Linde-Schule aus Veldhausen, die zwei plattdeutschen Lieder des Schriftstellers vortrugen und damit stimmungsvoll in die Thematik einführten. „Karl Sauvagerd – sein umfangreicher Nachlass ist eine wahre Schatztruhe für unsere Grafschafter Heimat“, sagte Hagmann in seinem Begrüßungswort. Als das Vorbereitungsteam der Ausstellung vor rund anderthalb Jahren seine Arbeit aufnahm, habe man noch nicht ahnen können, welch großen Umfang das Werk Sauvagerds besitzt.

Samtgemeindebürgermeister Günter Oldekamp lobte das große Engagement der Heimatfreunde und der Familienangehörigen des Dichters, dessen Nachlass zu sichten und zu sichern. Das Leben und Wirken Sauvagerds könne die Menschen noch heute inspirieren, bewusst zu leben und das Schöne an der Natur zu entdecken. Oldekamp beglückwünschte die Heimatfreunde darüber hinaus zu ihrem 25jährigen Bestehen und würdigte deren wertvolle Arbeit. Als wichtige Aufgaben des Vereins nannte er unter anderem, die Geschichte der Stadt aufzuarbeiten, die Liebe zur Heimat zu wecken, die plattdeutsche Sprache zu fördern, Dokumente aus alten Zeiten zu archivieren, Brauchtum zu beleben und auszuüben sowie für Geselligkeit untereinander und unter den Bewohnern der Stadt zu sorgen. Dem Lob an die Heimatfreunde und die Ausstellung sowie der

Bewunderung für das Schaffen Sauvagerds schlossen sich auch die stellvertretende Landrätin Helena Hoon, der Vorsitzende des Heimatvereins Grafschaft Bentheim Josef Brüggemann und Volksbank- Vorstand Jürgen Timmermann an. Die Grafschafter Volksbank, die Stiftung Grafschaft Bentheim und die Stadt Neuenhaus hatten die Ausstellung finanziell unterstützt. Am Eröff-nungsabend zugegen war auch Tochter Sauvagerds Berta Radicke: „Ich freue mich, dass die Arbeit und das Wirken meines Vaters auch nach so vielen Jahren noch gewürdigt werden“, sagte sie. Bis der Heimatverein Interesse bekundete, hatte sie den Nachlass ihres Vaters verwahrt. Nach und nach sollen die Werke dort eine geeignete Bleibe finden – bis auf einen ganz besonderen Gegenstand: Das große Herbarium, eine Sammlung konservierter Pflanzen aus der Grafschaft, welche Karl Sauvagerd bereits in den 1930er- Jahren anlegte.

Dieses wertvolle Stück überreichte Berta Radicke bei der Ausstellungseröffnung feierlich zu treuen Händen dem Leiter des Naturkundemuseums in Münster, Dr. Bernd Tenbergen. Der hob die Bedeutung des Herbariums hervor: „Die etwa 300 Bögen mit den gepressten und getrockneten Pflanzen, die gut bestimmt und mit Fundortangaben aus der Grafschaft Bentheim sowie dem Funddatum beschriftet sind, stehen damit Forschern und interessierten Botanikern zur Verfügung und sind ein wichtiges Dokument der Veränderung der Landschaft in den vergangenen 80 bis 100 Jahren.“ Näheres zum Herbarium berichtete der Grafschafter Botaniker Dr. Klaus Kaplan. Er unterstrich, dass Sauvagerd die Sammlung mit allergrößter Sorgfalt angelegt habe und sich die Pflanzen noch heute in einem guten Zustand befänden. Viele der Pflanzenarten seien inzwischen selten geworden oder gar ausgestorben. „Für mich ist die Anlage des Herbariums eine weitere Bestätigung dafür, dass Karl Sauvagerd ein äußerst vielseitig interessierter und begabter Mensch war.“ Wie sehr ihm seine heimatliche Natur am Herzen lag, werde auch in einigen seiner Gedichte deutlich, „in denen er Verluste und nachteilige Veränderungen der Landschaft beklagt und einen sensibleren Umgang mit der Natur fordert“.

Einen umfassenden Einblick in das Leben und Schaffen von Karl Sauvagerd lieferte der Historiker Dr. Helmut Lensing, der für die jüngste Ausgabe der „Emsländischen Geschichte“ einen Beitrag über den Grafschafter Lyriker verfasst hat. Monatelang sei er „Dauergast“ im Kreisarchiv in Nordhorn gewesen. Dabei habe der 1906 geborene Sauvagerd in beruflicher Hinsicht ein recht unspektakuläres Leben geführt. „Dass wir uns heute hier zusammengefunden haben, hat mit den vielfältigen außerberuflichen Aktivitäten des Schneidermeisters zu tun“, sagte Lensing. Dabei nannte der Historiker auch als großes Anliegen Sauvagerds die Aussöhnung mit den Niederlanden, wo sein Engagement für die niederdeutsche Sprache große Beachtung fand und seine Gedichte bis in die Gegenwart gedruckt werden.

Die Heimatfreunde sind mit dem Auftakt sehr zufrieden. Es heißt: „Es macht den Anschein, dass wir mit dieser Ausstellung und in diesem Jahr genau richtig liegen“. Viele Neuenhauser würden sich noch ihren Mitbürger Sauvagerd erinnern. Die Besucher hätten ein intensives Interesse gezeigt und das Gespräch mit den Heimatfreunden gesucht, wie es in dieser Form bei bisherigen Ausstellungen noch nicht der Fall gewesen sei: „Als ob ein Bedarf bestanden hätte.“


2016 Festkultur - Neuenhaus feiert

Die Neuenhauser Bürger und ihre Gäste haben von jeher gern gefeiert. Momentaufnahmen aus der Neuenhauser Festkultur hat Siegfried Wigger in Zusammenarbeit mit den Heimatfreunden Neuenhaus in akribischer Kleinarbeit zu einer bunten Bildermischung zusammengestellt, die der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Siggi Wigger stellte im Alten Rathaus von Neuenhaus rund 100 Bilder aus, die zwischen 2005 und 2016 entstanden sind. Die Motive zeigen feiernde Neuenhauser. Foto: Gerold Meppelink

Neuenhaus. Die Neuenhauser waren schon immer ein geselliges Völkchen. In besten Zeiten gab es in der Stadt mehr als 30 Gaststätten. Davon sind heute nicht mehr allzu viele übrig geblieben. Aber gefeiert wird an der Dinkel immer noch gerne. Das zeigt eine Foto-Ausstellung im Alten Rathaus.
Der in Neuenhaus lebende Fotograf Siggi Wigger hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als 5000 Fotos aufgenommen, die die Festkultur in der Stadt widerspiegeln. Aus diesem Fundus hat der 50-Jährige etwa 100 Motive ausgewählt, in verschiedenen Formaten auf glänzendem Papier abziehen lassen und anschließend in Schwarz und Silber gerahmt. Auf Einladung der Heimatfreunde Neuenhaus zeigt er diese Bilder unter dem Titel „Neuenhaus feiert“ im Erdgeschoss des Alten Rathauses.

Bislang zwölf Ausstellungen
Siggi Wigger berichtet im Bild von 25 Festen, die zwischen 2005 und 2016 in Neuenhaus gefeiert wurden. „Ich finde die Festkultur interessant, weil sie sehr vielfältig ist“, erzählt der Fotograf, der als Fachleiter für Physik am Studienseminar in Meppen und als Lehrer am Gymnasium Marianum in Meppen tätig ist. Siggi Wigger interessiert sich seit seinem 13. Lebensjahr für Fotografie und nimmt seine Bilder mit Spiegelreflexkameras von Nikon auf. Er hat mit seinen Arbeiten mehrere Preise gewonnen und kehrt mit „Neuenhaus feiert“ nach neun Jahren an den Ort seiner ersten von bisher zwölf Ausstellungen zurück.
„Wir freuen uns, dass unsere jährliche Ausstellung sich dieses Mal mit der jüngeren Geschichte von Neuenhaus befasst“, erzählt Georg Hagmann, Vorsitzender der Heimatfreunde. Die Mitglieder seien sehr dankbar, dass Siggi Wigger die Ausstellung bestückt habe. Der Umzug der Heimatfreunde an die Lager Straße habe in diesem Jahr kaum Möglichkeiten für eigene Arbeiten gelassen.

Freude, Begeisterung, Anteilnahme
Die meisten Fotos zeigen Musik- und Kulturveranstaltungen sowie Sportfeste. „Die Menschen stehen dabei im Mittelpunkt, nicht die Veranstaltungen“, sagt Siggi Wigger. Seine Aufnahmen zeigen Freude, Begeisterung und Anteilnahme – und das in unterschiedlichsten Blickwinkeln. Das diesjährige Schützenfest war die einzige Veranstaltung, bei der er extra für die Ausstellung fotografiert hat. Die anderen Aufnahmen entstanden bei Festen, die er ohnehin besuchte – als Neuenhauser Bürger oder als Autor von GN-Artikeln
Von Andre Berends

2015 Fünfzig Jahre Konfirmation, Kommunion und Firmung

Die HFN beteiligten sich 2015 mit einer Ausstellung an der 150jährigen Jubiläumsfeier der Kath. Kirche in Neuenhaus


2014/2015 Kirch- und Hinterstraße

Kirchstraße (Mühlenstraße, auch Fischerstraße)
Am alten Markt (Kirchplatz) stand das Geschäftshaus Buddenberg, wo Kamps später ein Installationsgeschäft betrieb. Vor dem Haus befand sich eine Teergrube aus der Buddenberg vor dem Ersten Weltkrieg so viel Teer, wie in einem „Aalschepper“ passte, für 50 Pfennig verkaufte.
Vor dem Haus Buddenberg befand sich das Haus Landwehr (später Mack/Behrends/Spruck) an der Hauptstraße. Vor dem Haus saß auf einer Bank der auf einem Bein lahme Landwehr. Diese Bank nannte man auch „Lästerbank“, weil Landwehr vorübergehende Leute frotzelte. Dafür störten junge Leute ihn oft beim Mittagschlaf durch Betätigen der Haustürschelle.
Auf dem Kirchplatz wurde während der Franzosenzeit (Anfang 1795) ein Freiheitsbaum gepflanzt.
Vor dem Ersten Weltkrieg gab es in Neuenhaus 24 Markttage. An kleineren Markttagen konzentrierte sich der Ferkelhandel vor der reformierten Kirche.
Im Zweiten Weltkrieg (siehe Zeitungsausschnitt) befand sich vor der reformierten Kirche ein Bunker. In der ehemaligen Mühlenstraße wurden die Kühe gehandelt.
Auf dem Bild (Kind mit Hund) ist die ehemalige Mühlenstraße mit dem Mühlengebäude im Hintergrund zu sehen. Dort hielten die Fuhrleute am Wochenende. Am frühen Sonntag fischten sie ihre Mittagsmahlzeit aus dem Mühlenkolk, versäumten dabei aber nicht, rechtzeitig zum Gottesdienst zu erscheinen.
Den Namen „Fischerstroetien“ führte die Straße aus der Zeit, als Hinken und Temme ihre großen Fischfänge aus dem Mühlenkolk holten und diese auf ihren Dielen schlachteten und verkauften.
Das Haus Satink in der Kirchstraße wurde 1913 umgebaut. Die Rückfront zur Kirchstraße blieb in alter Schönheit erhalten. Es befand sich dort ein Lederwarengeschäft, das an den Sattlermeister Eduart Satink erinnert.
Texte 2014 aus „Neuenhaus in alten Ansichten“, korr. gjb 2022

Hinterstraße/Achterstroate
Das Koringhaus, das Geesenhaus, und das Haus Laufmüller in der Hinterstraße gibt es nicht mehr. Das Geesenhaus lag direkt an der kleinen Mühlenbrücke, die von der Hinterstraße auf den ehemaligen Mühlenplatz (bei Brünemann) führt.
Von dieser Brücke aus hat man einen schönen Blick auf den Oelwall, einigen Fünertiens (Waschstege), den Wallgraben (ehemalige Dinkel), die ref. Kirche, und das Haus Hinken. Geesen hat lange Zeit, wie später sein Schwiegersohn Reefmann, die ref. Kirche betreut.
Das Haus des Kupferschmiedes Koring stand am Mühlengraben, gegenüber vom Haus Hinken. Das Haus Laufmüller wurde 2013 abgerissen. In diesem Haus wohnte vormals van Aalste, der Tonpfeifen herstellte und verkaufte.
In unmittelbarer Nähe der neuen Brücke über den Mühlengraben hinter dem neuen reformierten Gemeindehaus befand sich schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Brücke.
Vor dem Haus Laufmüller befand sich früher die „Altdeutsche Bierstube“, an deren Mauer bis zum Abbruch zu lesen stand: „ Dietrich v. Keulen zur gemütlichen Ecke“. Man nannte diese Gaststätte auch wohl „Bunker 17“, weil hier im Kriege sehr viele Soldaten verkehrten. In ruhigen Zeiten war diese Gaststätte beliebtes Stammlokal der sogenannten Honoratioren. Vor den Gebäuden befand sich in der Straße ein abgedecktes Aschenloch.
Der Eingang zur Hinterstraße hat sich völlig verändert. Das alte Petershaus besteht nicht mehr. Heute befindet sich dort ein Lagerraum der Firma van Dorsten. An Markttagen war in der Hinterstraße Schafmarkt und in der Hauptstraße Ferkelmarkt.

Aus „Neuenhaus in alten Ansichten“


2014 Auf den Spuren der Hollandgänger

Die Geschichte des Hollandgangs ist mit dem Grafschafter Grenzgebiet eng verbunden. Der Hollandgang war vom 17. bis ins 19. Jahrhundert der alljährliche Zug zahlreicher Wanderarbeiter aus Norddeutschland, die von sozialer Not getrieben, in die Niederlande gingen, um Arbeit zu suchen. Die Hollandgänger waren hauptsächlich Heuerleute, Handwerker, Kötter, Kleinbauern, Bauernknechte und Mägde.
Die Heimatfreunde Neuenhaus und die Heemnoabers widmeten sich diesem Thema. Die alljährlich stattfindende geschichtsbezogene Ausstellung der Heimatfreunde Neuenhaus in den Räumen des Alten Rathauses zur Weihnachtszeit war 2014 eingebettet in die Wanderausstellung der „Heemnoabers 99“, einer Vereinigung von Heimatvereinen diesseits und jenseits der deutsch-holländischen Grenze, zum Thema „Grenzüberschreitendes Arbeiten“.

Die Heimatfreunde Neuenhaus bearbeiten in diesem umfangreichen Themengebiet den Blickpunkt „Pickmäijer“. Weitere Themen dieser Ausstellung sind Hollandgänger als Torfarbeiter, Dienstboten, Tödden, Russlandgänger, Textilarbeiter, Vechteschiffer und Söldner.

Hollandgang
Der „Hollandgang“ war vom 17. bis 19. Jahrhundert der alljährliche Zug zahlreicher Wanderarbeiter aus Nordwestdeutschland die von sozialer Not getrieben, in den Niederlanden und insbesondere in den Provinzen Holland und Friesland Arbeit suchten. Hauptmerkmal war die jahreszeitlich beschränkte Saisonarbeit.
Die Hollandgänger waren hauptsächlich Heuerleute (Pächter eines kleinen landwirtschaftlichen Anwesens), Brinksitzer (Kleinstbauern), Kötter (Kleinbauern), Handwerker, Bauernknechte und Mägde. Sie fanden Arbeit als Grasmäher, als Torfgräber und Gärtner, als Seeleute beim Herings- und Walfang sowie auf den Handelsschiffen der Vereinigten Ostindischen Kompagnie (VOC). Im handwerklichen Bereich gab es Beschäftigung für Ziegler, Stukkateure, Maurer und Zimmerleute. Andere zogen als Soldaten in die Niederlande. Frauen fanden Arbeit als Dienstmädchen oder in den Bleichereien. Die Zahl der Hollandgänger wird für den Zeitraum zwischen 1700 und 1875 auf 20.000 bis 40.000 im Jahr geschätzt.
Die Unverheirateten blieben – wie aus holländischen Kirchenbüchern ersichtlich – nicht selten dauerhaft in Holland (zwischen 1815 und 1850 ungefähr 140.000) und gründeten hier eine Familie.

Ursachen des Hollandganges
Ursachen der Arbeiterwanderung waren mangelnde Nahrungs-, Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten in Nordwestdeutschland. Im 17. und 18. Jahrhundert stand dem wirtschaftlich schwachen, vom 30jährigen Krieg (1618—1648) über Jahrzehnte gelähmten Deutschland eines der reichsten Länder Europas gegenüber. Ausgedehnter Überseehandel, Schifffahrt und aufblühende Industrie hatten in den Vereinigten Niederlanden zu einem Wirtschafts- und Handelsaufschwung geführt (Goldenes Zeitalter). Landflucht war die Folge.
Gleichzeitig entstand in den von der Landwirtschaft geprägten Provinzen Nordhollands (vor allem in den neuen Poldern Beemster, Purmer, Wormer, Schermer und Haarlemermeer), Friesland und Groningen intensive Viehzucht und Milchwirtschaft. Die Viehbauern produzierten in großem Stil Milch, Käse und Butter für den Markt. Saisonarbeiter aus dem deutschen Binnenland (Hollandgänger) glichen den Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft aus und sicherten ihren Familien das wirtschaftliche Überleben.       

Routen der Hollandgänger

Die Hollandgänger gingen gemeinsam im Frühjahr aus ihren Heimatorten zu Fuß auf festen Routen zu zentralen Treffpunkten. Die Hauptwanderrouten waren wegen der ausgedehnten Moorgebiete entlang der deutschniederländischen Grenze genau bekannt. Eine nördliche Route verlief durch einen engen Korridor zwischen dem Dollart und dem Bourtanger Moor nach Groningen und Westfriesland. Die Hollandgänger aus dem Niederstift Münster, Südoldenburg, dem Raum Diepholz, dem Stift Osnabrück und der Grafschaft Lingen trafen sich an der Emsfähre bei Lingen.

Der Fährbetrieb erfolgte mit „Pünten“, einer Art Plattschiff. Bis zur Grenze oder zumindest bis zur Emsfähre ließen die Hollandgänger ihr Gepäck (ca. 30 kg) bringen. Manchmal standen bis zu 900 Gepäckwagen gleichzeitig an der Emsfähre. 1811 wurde die erste Holzbrücke gebaut. Hinter der Grenze übergab ein Teil der Hollandgänger
ihr Gepäck den Vechte-Flussschiffern bis in die Hafenstädte an der Zuidersee. Die Hollandgänger zogen durch die Grafschaft Bentheim nach Zwolle oder Kampen. Sie fuhren mit dem Schiff nach Amsterdam, Nordholland oder Seeland. Von da aus ging es zu Fuß weiter zu den Bauern. Die Grafschafter Grasmäher bevorzugten zunächst Nordholland, später zogen sie in die fetten Weidegebiete Frieslands.

 

Neuenhauser wollten keine Landstraße
Anfang des 19. Jahrhunderts bestanden die Verbindungen von Städten, Dörfern und Landgemeinden in der Grafschaft Bentheim aus Sandwegen. 1835 war im Amtsbezirk Neuenhaus noch kein Stein für eine befestigte Straße verlegt, denn einflussreiche Personen sprachen sich gegen eine Chaussierung aus. Auf der durch Frachtfuhren und Hollandgängern sehr frequentierten Straße von Lingen über Wietmarschen, Neuenhaus, Uelsen, Itterbeck zur holländischen Grenze nach Vennebrügge war man etwa 11 Stunden unterwegs. An acht Stellen gab es Gelegenheit, bei Gast- und Schenkwirten einzukehren. Auf Chausseen hätte sich die Reisezeit halbiert, und es wäre somit auch weniger verzehrt worden.

2013 Neuenhaus in französicher Zeit

„Wir berichten, was in diesen Jahren in Europa und im Speziellen in der Niedergrafschaft geschehen ist“, erläutert Georg Hagmann von den Heimatfreunden. Ausgangspunkt ist die Völkerschlacht bei Leipzig vor 200 Jahren, die Napoleon verlor.

Die Heimatfreunde geben der napoleonischen Zeit viel Raum. Die Truppen des französischen Kaisers zogen zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch die Grafschaft. Im Alten Rathaus werden Berichte Grafschafter Bauernsöhne zu lesen sein, die damals eingezogen wurden. Erinnert wird in der Ausstellung auch an das Jahr 1913, als im Landkreis zum 100. Jahrestag der Leipziger Völkerschlacht und zum 25. Thronjubiläum von Kaiser Wilhelm Gedenksteine errichtet und Friedenseichen gepflanzt wurden. Mit einem Blick ins Jahr 2013 schlagen die Heimatfreunde auch einen Bogen in die Gegenwart und zeigen mit vielen Fotos markante Stellen der Dinkelstadt, die sich verändert haben oder noch im Umbruch begriffen sind.

Während des Weihnachtsmarktes in Neuenhaus machen die Heimatfreunde mit einer besonderen Aktion auf die napoleonische Zeit aufmerksam. Am Sonntag, 1. Dezember 2013, wird auf dem Platz vor der reformierten Kirche ein Heerlager aufgebaut, an dem sich Darsteller aus den Niederlanden und die Historische IV. Kompanie aus Uelsen beteiligen. Höhepunkt ist der Besuch von „Napoleon“, dessen Darsteller mit einem Schimmel über die Uelsener Straße zum Alten Rathaus und zur Kirche reitet. Damit erinnern die Heimatfreunde an den 1806 geplanten – und geplatzten – Besuch des Kaisers in Neuenhaus. Das Heerlager soll zudem mit Zelten, Marketendern, Kanonenböllern und einem gemütlichen Lagerfeuer aufwarten. Jürgen Donker aus Alte Piccardie kommt mit Arbeitspferden, auch wird Bauer Harm aus dem Tierpark Nordhorn erwartet. Das Heerlager ist von 14 bis 18 Uhr zu besichtigen. Ein Besuch im Alten Rathaus rundet das Angebot an jenem Sonntag ab.

Die Ausstellung ist vom 24. November bis 15. Dezember 2013 jeweils sonntags von 15 bis 18 Uhr zu sehen. Sie ist außerdem am Sonnabend, 30. November, während des Weihnachtsmarkts geöffnet.

Die Heimatfreunde bieten neben Kaffee auch Husarenplätzchen und „Musketenkugeln“ aus Schokolade an, der Eintritt ist frei. Die Ausstellung kann zudem nach Vereinbarung besichtigt werden und eignet sich auch für Schulklassen.

Anmeldungen sind möglich bei Georg Hagmann unter Telefon (05941) 8810.

Finanziell unterstützt werden die Projekte der Heimatfreunde durch die Sparkasse Neuenhaus. „Ohne das Sponsoring wären wir nicht in der Lage, ein solches Programm vorzubereiten“, betonte Dini Jürriens, die Vorsitzende der Heimatfreunde.

2012 Zwanzig Jahre Heimatfreunde

Die Heimatfreunde Neuenhaus haben ihr 20-jähriges Bestehen im Dorfgemeinschaftshaus in Osterwald gefeiert. Schüler*innen der Carl van der Linde Schule haben Plattdeutsche Gedichte und Lieder vorgetragen und Musiker vom Plattproaterkring den Abend begleitet.

Heimatfreunde Neuenhaus feiern 20-jähriges Bestehen im vollen Dorfgemeinschaftshaus
370 Stühle hatten die Heimatfreunde Neuenhaus für ihre Feier zum 20-jährigen Bestehen im Osterwalder Dorfgemeinschaftshaus aufgebaut, und sie waren bis auf den letzten Platz besetzt. Die Besucher konnten sich auf dem Flur eine umfangreiche Ausstellung mit über 600 Bildern über die Geschichte von Neuenhaus anschauen, und auf der Bühne gab es ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm.
Die erste Vorsitzende Dini Jurriens sagte zur Begrüßung, dass der Verein 1992 gegründet worden sei, damit „das Wissen über die reiche Vergangenheit der Stadt Neuenhaus nicht verloren geht.“ Man wolle jetzt Rückblick halten und einen Teil der Arbeit des Vereins zeigen. Das große Interesse der Bürger bestätige die Mitglieder, auf dem richtigen Weg zu sein. Dann ging es Schlag auf Schlag mit dem Programm, durch das Gerhard Olthuis führte. Die vorherrschende Sprache an dem Abend: Plattdeutsch.
Den Anfang machten die Kleinen des Veldhauser Kindergartens „Lummerland“, sie sangen „Bruder Jakob“ auf platt, dazu ein Laternenlied und „Well heff dat Möppie ut de Döse halt?“. Platt ging es weiter mit Kindern der Grundschule Veldhausen, die lustige Sketche spielten. Zur Belohnung durften sich alle T-Shirts überstreifen mit dem Aufdruck: „Ik proat platt“. Friedrich Geerds von den Heimatfreunden las plattdeutsche Geschichten von Karl Sauvagerd vor, und die fünf Musiker des Plattproaterkrings lockerten zwischendurch immer wieder mit ihren Liedern die Stimmung auf: Von „Oh wat is`t mooij in de Groafschup“ bis „Woastebrod met Speck“. Dabei kamen ganz besondere Instrumente zum Einsatz: Neben Akkordeon und Pauke „erklangen“ zwei Fukepotts und eine Teufelsgeige. Ein optischer und musikalischer Genuss war die Volkstanzgruppe Brandlecht-Hestrup. Zur Musik zweier Akkordeonspielerinnen tanzten sie in ihren alten Grafschafter Trachten und mit klappernden Holzschuhen deutsche Volkstänze.

Als es in die große Pause ging, waren die Grußworte der stellvertretenden Landrätin Helena Hoon, des Samtgemeindebürgermeisters Johann Arends und des CDU-Landtagsabgeordneten Reinhold Hilbers gesprochen. Ein üppiges Bufett in der einstündigen Pause sorgte dafür, dass es für die Gäste ein „Fullbuksoabend“ wurde, wie Gerhard Olthuis es ausdrückte.
Es blieb genügend Zeit, die umfangreiche Ausstellungsexponate anzuschauen. 30 großformatige Tafeln informierten mit Bildern, Texten und heimatlicher Literatur über die Geschichte der Stadt Neuenhaus. Die Themen reichten vom „Brauchtum in Neuenhaus“ über „Hochwasser und Unwetter“ bis zur Geschichte der Bentheimer Eisenbahn und des Hiltener Krankenhauses.
Nach der Pause bewiesen holländische Gäste, dass das Platt nicht an der Grenze haltmacht. Mitglieder der „Heemkunde Ootmarsum“ brachten Lieder und Geschichten in Twenter Platt, und sie schafften es sogar, mit den Zuschauern einen Kanon in „Twents Dialect“ zu singen. Auch Hennie Boonstra aus Ootmarsum war mit seinen „Vertelsels“ gut zu verstehen und ein Beweis dafür, dass Platt verbindet. Gerrit-Jan Hesselink, der Vorsitzende der grenzüberschreitenden „Heemnoabers“, berichtete, dass inzwischen 20 deutsche und niederländische Heimatvereine zusammenarbeiten. Alide Berend und Lisel Reurink brachten noch einmal heimatliche Geschichten und Gedichte zu Gehör, und schließlich erzählte das Grasdorfer Original Heinrich Küper in seiner temperamentvollen Art Plattdeutsches aus eigener Feder.
Am Ende hatte Gerhard Olthuis noch eine betrübliche Nachricht zu verkünden. Die Musiker des Plattproaterkrings hatten an dem Abend ihren letzten großen Auftritt. Aus gesundheitlichen Gründen wollen sie sich zur Ruhe setzen. Olthuis machte ihnen zum Abschluss ein dickes Kompliment: „Ihr habt die Musik unheimlich gefördert. Da wo ihr gespielt habt, war das Volk.“

Dreißig Tafeln informierten über die Geschichte der Stadt Neuenhaus. Sie zeigten diese Themen:

1992 geschichtlicher Streifzug
1993 Katastrophen
1994 Kalender alte Ansichten
1995 Kalender!
1996 Kalender!
1997 Kalender Vorgestern, Gestern und Heute
1998 Altstadt Gestern und Heute
1999 Neustadt Gestern und Heute
2000 Neuenhaus – Veldhausener Straße
2001 Miquel
2002 Lager Straße
2002 Zinngießerei Arends
2003 Uelserstraße
2004 Gaststätten in Neuenhaus
2005 Schützenverein Neuenhaus
2006 Fotos aus dem Archiv von Hans Schulte Übbing
2007 Vorbereitung und Herausgabe einer Stadtgeschichte
2008 Geschäftsleben in der Stadt Neuenhaus
2008 Haus Hilten
2009 Mühlenkolk und Umgebung
2010 Bentheimer Eisenbahn
2011 Hochwasser

Vereinsleben der Heimatfreunde
Heimatdichter und Schriftsteller
Brauchtum
Hochzeitsservice
Geburtenglöckchen
20 Jahre Vorstände der Heimatfreunde

2011 Hochwasser und Unwetter

Die Ausstellung zeigte viele Hochwasser in Neuenhaus und Umgebung
sowie Fotos von den Folgen des Wirbelsturms 1927 in Esche.


2010 - Neuenhaus und die Bentheimer Eisenbahn

Seit 1909 hat Neuenhaus einen Bahnanschluss. Hier gab es eine Reihe von Lokschuppen und eine Werkstatt für Loks und Waggons.


2009 - Mühlenkolk und Umgebung

Der Mühlenkolk war bis nach 1900 ein Teil vom Neuenhauser Hafen. Die Mühle Voshaar und die alte Turnhalle sind nach dem Zweiten Weltkrieg abgebrochen, geblieben ist das Haus Brünemann.


2008 Geschäftsleben im Wandel der Zeit

2008 Haus Hilten

1910 – 1974 Evangelisch-reformiertes Krankenhaus Neuenhaus, seit 1976 Altenpflegeheim,
2007/08 Neubau.
Heute werden die meisten Niedergrafschafter in Nordhorn geboren, Jahrzehnte zuvor aber in Neuenhaus: Hier war lange das einzige evangelische Krankenhaus der Niedergrafschaft zu finden. Neuenhaus hatte mit St. Vincenz seit 1907 ein katholisches Krankenhaus. Seit 1984 fungiert es ebenfalls als Pflegeheim.


2007 Ausstellung zur Stadtgeschichte: Neuenhaus an der Dinkel

Die Stadtgeschichte war für 2009 geplant. Sie ist 2011 erschienen mit dem Titel: Neuenhaus – Ansichten und Einblicke. Die Heimatfreunde Neuenhaus verfügen schätzungsweise über 30.000 meist digitalisierte Fotos, die fast alle noch beschrieben werden müssen.

Es soll demnächst eine Arbeitsgruppe geben für alte Fotos, die allen Interessierten offensteht. Nähere Infos folgen.

2006 - Aus dem Archiv von Hans und Johann Schulte-Übbing

Johann Schulte Übbing, Landwirtssohn aus Ohne, war ein bekannter Neuenhauser Drogist und Fotograf. Er hat die Geschichte der Stadt in vielen Fotos festgehalten.
Er eröffnete die Drogerie 1921 und ist 1979 verstorben. Bis 1930 befand sie sich an der Hauptstraße Nr. 30, danach Hauptstraße Nr. 48. Sein Sohn Hans übernahm das Geschäft etwa 1950. Er hatte auch Fotograf gelernt. 1952 bis 1990 gab es eine Filiale an der Mühlenstraße in Veldhausen.
Beide Drogerien wurden 1990 aus Altersgründen geschlossen. Heute ist hier die Dinkelapotheke.

Der Arzt Dr. Rost in den 1920er Jahren, mit Fahrrad am Auto für unpassierbare Wege
U.A. Geschwister Claudi
"Fische" Voet

2005 - Schützenverein Neuenhaus von 1614 e.V.

Neuenhaus hat seit 1614 einen Schützenverein. Das Schützenhaus stand viele Jahrzehnte etwa zwischen 1800 bis nach 1900 an der Vechte bei der Gastwirtschaft von Richmering.
Ein besonderes Dokument der Vereinsgeschichte ist die Königskette. Das älteste Schild an dieser Kette ist aus dem Jahre 1839. Es trägt die Inschrift: “ G.J. Satink König, Caroline von Beesten Königin 1839″.

Siehe auch die Homepage des Schützenvereins:
http://www.schuetzenverein-neuenhaus.de

Neuenhaus hat seit 1614 einen Schützenverein. Das Schützenhaus stand viele Jahrzehnte etwa zwischen 1800 bis nach 1900 an der Vechte bei der Gastwirtschaft von Richmering.
Ein besonderes Dokument der Vereinsgeschichte ist die Königskette. Das älteste Schild an dieser Kette ist aus dem Jahre 1839. Es trägt die Inschrift: “ G.J. Satink König, Caroline von Beesten Königin 1839″.

Von den wenigen Urkunden, die über die Vereinsgeschichte berichten, befindet sich eine im Besitz der Familie Harger. Der Neuenhauser Schützenverein geriet demnach um 1851 in finanzielle Schwierigkeiten. Aus einer Eintragung in einem alten Geschäftsbuch der Firma Harger geht hervor, dass der Verein 1840 eine Anleihe in Höhe von 100 Gulden erhielt. Das geliehene Geld wurde mit 4% verzinst. Am 1.August 1851 erfolgte die letzte Zinszahlung in Höhe von 4 Gulden für diese Anleihe. Darunter schrieb der Fabrikant Harger – Großvater des ehemaligen Bürgermeisters Harger, der von 1802 bis 1884 lebte – die Bemerkung “ bancrots“.

Der heutige Neuenhauser Schützenverein ist eine Verschmelzung aus ursprünglich zwei Vereinen: dem damaligen Schützencommittée Neuenhaus, Veldhausen und Lage und der Bürgersöhne-Schützenverein zu Neuenhaus. Darauf ist auch zurückzuführen, dass die Neuenhauser Schützen bereits mehrere Jubiläen gefeiert haben. Einmal wurde die Krönung des Bürgersöhne – Schützenvereins zugrunde gelegt, ein anderes mal das angenommene Gründungsjahr 1839 des genannten Schützencommittées. Die Verschmelzung beider Vereine erfolgte offiziell im Jahre 1898.
Die Neuenhauser Schützen haben in ihrer bewegten Vereinsgeschichte viele Höhen und Tiefen durchlebt. Ein Höhepunkt war sicherlich der Besuch des Königs von Hannover, Georg V., im Jahre 1862. Vorausgegangen war das Schützenfest 1861. Am 3. Juli dieses Jahres fiel beim Königsschießen der Adler durch den ersten Schuß des Vereinsvorsitzenden. Da der erste Schuß immer zu Ehren des Königs von Hannover abgegeben wurde, kam diesem die Königsehre zuteil.
König Georg V. nahm die Königswürde an und stiftete dem Verein ein wertvolles Silberschild, das sich heute noch an der Königskette befindet. Die Inschrift lautet: „Georg V. von Gottes Gnaden König von Hannover. Der Schützengesellschaft zu Neuenhaus und Veldhausen, den 3. Juli 1861.“ Der König hängte am 2. September 1861 persönlich das Schild an die Kette. Er war an diesem Tag zu Gast in Neuenhaus!


2004 - Neuenhauser Gaststätten in alten Ansichten

Erste Ansichtskarten gibt es schon kurz vor 1900, einige sind sogar handkoloriert. Die Ansichtskarten spiegeln die Geschichte einer Stadt wieder.

Vor Richmering an der Grevenbrücke
Vor dem Bahnhof


2003 - Die Uelsener Straße in alten Ansichten



2002 Tinngeter Arend in Neuenhaus

Die Zinngießerei Arends war lange weit über Neuenhaus hinaus bekannt. Die Ausstellung lief parallel mit der Vorstellung des Buches von Gerold Küpers und Eckhard Woide, Die Neuenhauser Zinngießerfamilie Arends 1598 – 1904. (Das Bentheimer Land Band 158) Bad Bentheim 2002, 163 S.

Ein wichtiges Stück Neuenhauser Geschichte wurde aufgerollt

Ausstellung über Zinngießer-Familie

Das alte Neuenhauser Rathaus steht zur Zeit im Zeichen der ehemaligen Zinngießer-Familie Arends. Noch bis zum 15. Dezember (2002) erinnert dort eine Ausstellung an das traditionsreiche Neuenhauser Handwerk. Zahlreiche Besucher waren am Freitagabend zur Eröffnung erschienen.
Draußen stürmt es bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und drinnen streikt mal wieder die Heizung. In solchen Fällen greift man auch heute noch gerne zu einer Wärmflasche. Die dürfte allerdings nur noch in den seltensten Fällen aus Zinn gefertigt sein. Ein Schicksal, das wohl auch die vielen anderen Gegenstände teilen, die neben der Wärmflasche in den Vitrinen des ehemaligen Verwaltungsgebäudes ausgestellt sind. Der Saal des Alten Rathauses platzte am Freitagabend aus allen Nähten. Mehr als 100 Besucher waren der Einladung der Stadt Neuenhaus gefolgt, so dass selbst Samtgemeinde-Bürgermeister Johann Arends weitere Stühle aus dem benachbarten Gemeindehaus holen musste.
Die Heimatfreunde hatten bereits am Eingang jeden Besucher traditionell mit einem Zinnlöffel Schnaps begrüßt. Sie alle waren erschienen, um das Ergebnis einer „mühsamen Kleinarbeit“ zu sehen, stellte Arends in seinem Grußwort fest. Die Initiative zu dieser Ausstellung war von Eckhard Woide und Gerolf Küpers ausgegangen. Die beiden erfahrenen Heimatforscher hatten sich vor einiger Zeit einer besonderen Herausforderung gegenübergesehen. Nachdem sie mehrfach auf alte Grafschafter Zinnprodukte angesprochen worden waren, machten sie sich auf die Suche nach den Wurzeln der Neuenhauser Familie Arends.
Die Spuren der Zinngießer-Dynastie lassen sich bis ins Jahr 1670 zurückverfolgen. Die Nachforschungen gestalteten sich allerdings alles andere als einfach. „Ich war zwischendurch einmal an einem Punkt angelangt, an dem ich sagte: Es geht einfach nicht mehr„, erinnert sich Woide an den zähen Informationsfluss alter Heimatliteratur. Auch die oft unterschiedliche Schreibweise des Namens machte dem Forscher das Leben schwer. Zuvor war Johann Arends, selbst Nachfahre der Zinngießer, bereits auf die Bedeutung des Werkstoffs eingegangen, war Zinn doch über Jahrhunderte hinweg auch ein wichtiger Bestandteil vieler Grafschafter Haushalte. „Dass das Wissen um den Wert dieser Erzeugnisse nicht verloren geht, das haben wir Eckhard Woide und Gerolf Küpers zu verdanken„, wusste Arends sehr wohl um einen „Glücksfall“ für die Dinkelgemeinde. Die beiden Heimatfreunde hätten ein wichtiges Stück Neuenhauser Geschichte aufgerollt. Das Echo, das die Ausstellung bereits zu ihrer Eröffnung ausgelöst hatte, beeindruckte auch Dr. Heinrich Voort vom Grafschafter Heimatverein: „Nun endlich hat diese Arbeit auch eine öffentliche Beachtung gefunden„. Den Machern bescheinigte er, „einen großen Wurf“ gelandet zu haben.
Die Ausstellung, in der auch die wohl bekanntesten Löffelbretter Nordwestdeutschlands zu sehen sind, ist noch bis zum Sonntag, den 15. Dezember geöffnet… Einen ganz besonderen Leckerbissen versprechen die Organisatoren für Sonntag, 8. Dezember. Dann hat jeder Besucher die Möglichkeit, einmal seine eigenen alten Zinngegenstände vom Experten begutachten zu lassen.   (GN 04.12.2002)


2002 - Wie es früher war an der Lager Straße

Lager Straße um 1930 stadteinwärts, r. Landwirtschaftsschule
Landwirtschaftsschule
Kubrücke über die Dinkel (s. Buch Grasdorf)

2002 Kalender: Stadtbildprägende Häuser in Neuenhaus

2001 - Johannes von Miquel 1828-1910, Preuß. Finanzminister

Johannes von Miquel war Frankfurter Oberbürgermeister. Seinen französischen Namen haben die Frankfurter bis heute nicht auszusprechen gelernt. Nicht “Mickwell” hieß der gebürtige Westfale (1828-1901) , sondern “Miehkell”.
Der Journalist und Heimatdichter Friedrich Stoltze konnte nicht ahnen, wie prophetisch seine Worte später klingen würden, als er Ende 1879 über die Wahl des neuen Frankfurter Oberbürgermeisters Johannes von Miquel schrieb: “…O Miquel! Du kannst lachen! Verstehst du auch die Kunst Aus Dreck uns Gold zu machen?…” Ja, er verstand die Kunst, wie kein anderer vor ihm, weshalb ihn der deutsche Kaiser und preußische König Wilhelm II. 1899 zum preußischen Finanzminister berief. In dieser Funktion reformierte er das preußische Steuerrecht und manifestierte manchen noch heute gültigen Steuergrundsatz.
   Als Minister ist von Miquel heute denn auch besser bekannt, denn als Frankfurter Oberbürgermeister. Obwohl er sich am Main den Ruf als “bedeutendster Kommunalpolitiker” seiner Zeit und damit die Berufung nach Berlin erarbeitete. Dabei war von Miquel, der den Adelstitel erst als Finanzminister verliehen bekam, schon zuvor kein politisch unbeschriebenes Blatt. Am 21. Februar 1828 in Neuhaus im Königreich Hannover als Arztsohn geboren, studierte Miquel Jura in Heidelberg und Göttingen. 1848 schloss er sich der äußersten Linken an und stand etwa im Briefwechsel mit Karl Marx. 1854 startete er seine politische Laufbahn als bürgerlich-liberaler Kommunalpolitiker in Göttingen, war dann nationalliberaler Abgeordneter im hannoverschen Landtag, im Preußischen Abgeordnetenhaus, im Norddeutschen Bund und im Reichstag.
   Zwei Legislaturperioden lang, von 1865 bis 1869 und von 1876 bis 1880 war Miquel OB von Osnabrück. Dann kandidierte er für das gleich Amt in Breslau – und verlor. Diese Niederlage prägte seine Karriere, denn so empfahlen ihn Parteifreunde Leopold Sonnemann, dem Führer der demokratischen Volkspartei in Frankfurt, der sich gerade nach einem geeigneten OB-Kandidaten umsah.

1880 bis 1890 Oberbürgermeister von Frankfurt am Main

Die Amtszeit des ersten Frankfurter Oberbürgermeisters Heinrich Mumm von Schwarzenstein lief gerade ab und jahrelange Reibereien mit den Stadtverordneten schlossen eine Wiederwahl aus. Also wurde Miquel gewählt, und zwar gleich zweimal, denn die erste Abstimmung war wegen eines Formfehlers ungültig. Am 3. März 1880 trat Miquel seinen neuen Job an.
Wenn die Stadtverordneten dachten, sie hätten es mit Mumm von Schwarzensteins Nachfolger nun sehr viel leichter, dann wurden sie eines besseren belehrt. Denn als allererstes erklärte Miquel die Sanierung des defizitären Haushalts zum Programm. Er reformierte das städtische Rechnungswesen und führte strenge Kontrollen der Ein- und Ausgaben ein. Sein Sparkurs traf nicht nur auf Wohlwollen. Die damalige Haupteinnahmequelle Frankfurts war der städtische Zuschlag auf die staatliche Klassen- und Einkommenssteuer. Das Stadtparlament wollte diesen Zuschlag erhöhen, OB Miquel setzte aber die Erhebung indirekter Abgaben über Gebühren durch. Auch das Thema “Privatisierung” war schon damals aktuell.
Unter Miquel wurde im Oktober 1880 die Oper eröffnet. Rasch stieg der Zuschussbedarf von 80.000 auf 150.000 Mark, weshalb das Stadtoberhaupt die Kulturstätte an einen Privatunternehmer verpachten wollte, sich aber nicht durchsetzen konnte.
Obgleich heute die meisten Frankfurter bei der Erwähnung Miquels zuerst an die nach ihm benannte Allee denken, hat sich der OB durch ganz andere Bauwerke in Frankfurt verewigt. So wurde unter Miquel aus dem Fluss Main ein Kanal, der es endlich ermöglichte, dass die Rheinschiffe bis nach Frankfurt kamen und die Stadt als Handelszentrum konkurrenzfähig blieb. Auch der Hauptbahnhof wurde 1888 unter Miquel eröffnet.
1890, im Jahr seiner Ernennung zum Finanzminister, verlieh Frankfurt Von Miquel das Ehrenbürgerrecht. Scheinbar war – trotz aller Streitereien während seiner Amtszeit – die Sympathie beidseitig. Denn nach seinem Rücktritt im Mai 1901 kehrte der Ex-Minister zurück. Allerdings nur für wenige Monate – Johannes von Miquel starb am 8. September des gleichen Jahres. Auf dem Frankfurter Hauptfriedhof erhielt er ein Ehrengrab.
Von Yvonne Holl (lt. Mail der Autorin vom 24.11.2022 an gjb erschienen in einer Ausgabe der FRANKFURTER RUNDSCHAU, verm. in einer Stadtteilausgabe oder eine Messebeilage)

Ehrengrab auf dem Frankfurter Hauptfriedhof

Miquel, Johannes
von (preußischer Adel 1897)
Politiker, * 19.2.1828 Neuenhaus (Grafschaft Bentheim), † 8.9.1901 Frankfurt/Main. (reformiert)
Neben seinem rechtswissenschaftlichen Studium 1846-50 in Göttingen und Heidelberg befasste sich M. mit volkswirtschaftlichen, vor allem agrarhistorischen Fragen. 1848 schloss er sich der republikanischen Bewegung an, 1850-57 stand er in brieflichem Kontakt zu Karl Marx und gehörte dem illegalen Bund der Kommunisten an. Aus dieser Zeit stammt der 1893 von August Bebel in Abschrift veröffentlichte Brief an Marx, in dem sich M. zum Atheismus und Kommunismus bekennt. Nach den juristischen Examina 1850 und 1854 ließ sich M. als Rechtsanwalt in Göttingen nieder. Später wandte er sich vom Kommunismus ab und schlug eine liberale und nationale Richtung ein. Seit 1857 gehörte er der Göttinger Stadtverordnetenversammlung an, 1859 beteiligte er sich an der Gründung des Deutschen Nationalvereins, der eine Einigung Deutschlands unter preuss. Führung anstrebte, 1863 wurde er in die zweite hann. Kammer gewählt. Zusammen mit dem Führer der hann. Liberalen, Rudolf v. Bennigsen, beteiligte er sich nach der Annexion Hannovers 1866 führend an der Eingliederung der neuen Provinz in den preuß. Staatsverband. 1867-82 war er Mitglied des preuß. Abgeordnetenhauses, danach Mitglied des Herrenhauses; seit 1867 (bis 1877, erneut 1887-90) gehörte er dem Reichstag des Norddeutschen Bundes bzw. dem Deutschen Reichstag an.
Der Schwerpunkt seiner parlamentarischen Tätigkeit, die er durch seine Mitarbeit in der Leitung der Berliner Diskontobank (1870–76) finanzierte, lag auf der Rechtsvereinheitlichung im Deutschen Reich. Als Vorsitzender der Reichsjustizkommission 1874-76 erwarb er sich wesentliche Verdienste um die Schaffung des Gerichtsverfassungsgesetzes sowie der Zivil- und Strafprozessordnung. 1877 schied er vorübergehend aus dem Reichstag aus und wandte sich der kommunalpolitischen Arbeit zu. Bereits 1865-69 war er Bürgermeister von Osnabrück gewesen, 1876 wurde er in Osnabrück erneut gewählt, 1880 übernahm er das Amt des Oberbürgermeisters von Frankfurt/Main. M.s kommunalpolitische Tätigkeit war durch finanz- und steuerpolitische Weitsicht gekennzeichnet. In Osnabrück machte er sich vor allem auch durch die Förderung des Handwerks einen Namen. Seit Mitte der 1870er Jahre wandte sich M. immer stärker von seinen liberalen wirtschaftspolitischen Anschauungen der 1860er Jahre ab und favorisierte eine den gewerblichen und agrarischen Mittelstand als tragende Stützen der Gesellschaft gezielt fördernde Politik. Unter seiner Führung suchten die Nationalliberalen die Zusammenarbeit mit den Konservativen. Dies schlug sich u. a. in der von ihm ausgearbeiteten und als Programm angenommenen „Heidelberger Erklärung“ von 1884 nieder. Als 1887 die Nationalliberalen und Konservativen ein Wahlbündnis eingingen („Kartell“), kandidierte M. und kehrte in den Reichstag zurück. 1890, nach Bismarcks Sturz, wurde er zum preuß. Finanzminister berufen. Zur Förderung des ländlichen und gewerblichen Mittelstandes gründete er 1895 die Preuß. Zentralgenossenschaftskasse. Seit 1897 stellvertretender preuß. Ministerpräsident, wurde er im Mai 1901 auf Grund von Differenzen mit dem Kaiser in Fragen des Kanalbaus nach dem Scheitern der zweiten Kanalvorlage im preuß. Abgeordnetenhaus entlassen.
M.s großes Werk war die in Europa vorbildliche Neuordnung des preuß. Steuerwesens 1891–93. Ziele waren die Erlangung von mehr Steuergerechtigkeit – hier lehnte sich M. an die sozialpolitisch orientierte Schule der deutschen Nationalökonomie, vor allem Adolph Wagner, an – sowie ein klar geregelter Finanzausgleich zwischen Staat und Gemeinden. Kernstücke waren die Einkommensteuer- und die Kommunalsteuerreform. Mit dem Einkommensteuergesetz von 1891 wurden die Deklarationspflicht (statt der bisher üblichen Zuordnung der Steuerpflichtigen durch die Behörden in grobe Steuerklassen) sowie die Progression mit einem Spitzensatz von 4% bei Freilassung eines Existenzminimums eingeführt. Dank erheblicher Mehreinnahmen durch die neue Einkommensteuer gelang es M., auch den zweiten Teil seines Plans durchzusetzen: Die Kommunalsteuerreform von 1893, die auf Grund der mit ihr zusammenhängenden steuerlichen Begünstigung des Großgrundbesitzes höchst kontrovers war, hob die Gebäude-, Grund- und Gewerbesteuer als Staatssteuern auf und überwies sie den Gemeinden direkt. – M. war einer der markantesten Politiker im Jahrzehnt nach Bismarcks Entlassung, auf Grund seiner Entwicklung vom Anhänger Marx‘ zum nationalliberalen Realpolitiker und schließlich konvervativ-liberalen Sammlungspolitiker aber auch einer der umstrittensten.

(QUELLE??? EVTL. EMSL. GESCHICHTE?))

siehe unbedingt auch:

https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_von_Miquel

sowie den Artikel von Hermann Josef Tehler im Bentheimer Jahrbuch 1979, S. 110-121: Johannes von Miquel (1828-1901)

Vgl. auf dieser Homepage unter Autor*innen den Beitrag von u.a. Dr. J.-G. Raben über Miquel

Miquel (rechts) zusammen mit Ludwig Windthorst ca. 1889 im Deutschen Reichstag


1999 - Historische Ansichten der Neustadt

Marktplatz mit Marktstraße (hinter der Kutsche) mit den Häusern mit v.l. ? Ocker, Schlüter und Büscher vermutlich zw. 1900 und 1920
Grafschafter Nachrichten 18.09.1999, S. 20


1998 - Die Altstadt gestern und heute

li Rathaus, re Harger

1997 - Pastor Wessel Friedrich Visch 1773 - 1860)

Der aus Ohne gebürtige Wessel Friedrich Visch war über 50 Jahre reformierter Pastor in Wilsum. Er schrieb das erste Schulbuch über die Geschichte der Grafschaft und war als Forscher, Historiker und Dichter in der gesamten Grafschaft bekannt. Erich Gövert hat in Emsländische Geschichte Bd. 14, 2007, S. 343-357 folgende Biografie über Visch geschrieben (Siehe LINK):
https://www.altreformiert.de/beuker/biografien/Biogr-VISCH-WF-1773-1860–Goevert.pdf

Auf der alten Seite der  HFN (bis 2022) konnte diese Ausstellung nicht aufgerufen werden. Deshalb fehlen hier die weiteren Fotos und Texte dieser Ausstellung (gjb 23.11.2022).


1998 Kalender: Alte Ansichten Stadt und Samtgemeinde


1997 - Kalender: Alte Ansichten Stadt und Samtgemeinde


1996 - Kalender: Alte Ansichten Stadt und Samtgemeinde

1994/95 - Kalender: Alte Ansichten Neuenhaus und Veldhausen

1994 - Kalender: Alte Ansichten Stadt und Samtgemeinde

1993 Kalender Alte Ansichten Stadt und Samtgemeinde

1993 - Katastrophen der Vergangenheit (ua. 1927 Esche)

5 Fotos Wirbelsturm Esche 1927
3 Fotos, Erdölausbruch 26.03.1957 Osterwald
1918 Pioniere am Mühlenkolk, hi Villa Tierarzt Dove
1918 Pioniere am Mühlenkolk, hi Seifendamm
1918 Hochwasser, Johann Stülen i.d. Bahnhofstraße

1992 Ausstellung: Historischer Streifzug durch die Samtgemeinde

1928 Wappen am Dinkelflutwerk Lager Straße
Diekporte 1930, l. Bäcker Brookmann, r. altes Armenhaus
31.12.1909 letzte Fahrt von Lingen nach Nhs.
Haus Jakos, Altes Rathaus
Lankhorst, Schulte-Übbing, Schuster Vorrink
1930 Schuhgeschäft Bernhard Temme
Fahrkarte vom 19.06.1872 von Nhs nach Frensw.